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Alternative inmitten der Alternativlosigkeit

Offensichtlich haben die Amerikaner noch eine Wahl zwischen Romey und Obama. In Euroland dagegen scheint alles alternativlos, auch die von EZB-Chef Mario Draghi angekündigten faktisch unbegrenzten Anleihekäufe, schön kompliziert als "Outright Monetary Transactions" (OMT) betitelt. Euroland ist um eine weitere scheußliche Abkürzung reicher.

Clint Eastwood Quelle: dapd

Dirty Harry, der Unerbittliche, ist zurück! Das könnte zumindest meinen, wer den skurrilen Auftritt Clint Eastwoods auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner in Tampa (Florida) verfolgt hat. Zwölf Minuten lang redete der vierfache Oscar-Preisträger auf einen Stuhl ein - einen Stuhl, auf dem in der blühenden Phantasie Eastwoods der amtierende amerikanische Präsident Barack Obama Platz genommen hatte. Und genauso wie Harry Callahan in den 70ern aus seiner 45er Kugeln auf jeden abfeuerte, der ihm nicht geheuer vorkam, so attackierte der greise Hollywood-Star den jungen Hoffnungsträger der Nation. Dabei ist Eastwood alles andere als ein konservativer Hardliner. So hat er sich zum Beispiel stets gegen jedwede Beteiligung der Vereinigten Staaten an Kriegen in Übersee ausgesprochen, egal ob in Korea, Vietnam, Irak oder Afghanistan - ganz sicher keine Position der Republikaner. Doch Eastwood ist ein großer Verfechter der Freiheit und empfindet jeden Eingriff des Staates in die Angelegenheiten der Bürger bereits als Schritt in den Sozialismus. "Ich mag die libertäre Sichtweise, jeden in Ruhe zu lassen. Schon als Kind habe ich mich über Leute geärgert, die allen erzählen wollten, wie sie zu leben hätten.", so erklärte der Schauspieler einmal. Und mit dieser Haltung liegt Eastwood voll auf der Linie der amerikanischen Konservativen.

Der Instrumentenkasten der EZB

Gemeinsam aus dem Dreck
Während Eastwoods Auftritt in den vielen Medien als "bizarr" und "weitschweifig" kritisiert wurde, erntete der frühere amerikanische Präsident William Jefferson Clinton für seine Rede auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten viel Lob. Das doch an sich eher prüde Amerika scheint Bill Clinton jene Affäre verziehen zu haben, in der neben dem Präsidenten eine Praktikantin und eine Zigarre die Hauptrolle spielten. Vielleicht sind die Amerikaner am Ende doch gar nicht so prüde, wie man gemeinhin annimmt. Und vielleicht sehen sie nach Subprime-Krise und Rezession auch die bedingungslose Freiheit des Einzelnen, wie sie von den Republikanern stets gefordert wird, gar nicht mehr als das Zaubermittel an, das alle wirtschaftlichen Probleme des Landes von alleine löst. Zu dieser Einschätzung könnte man gelangen, wenn man den frenetischen Applaus gehört hat, mit dem Clinton von den Besuchern des Parteitages bedacht wurde, als er mehr "Wir" und weniger "Ich" in der Gesellschaft anmahnte. An das Gemeinschaftsgefühl zu appellieren, war jedenfalls ein geschickter Schachzug, um Barack Obamas Kampagne für eine zweite Amtzeit im Weißen Haus zu unterstützen. Gemeinsam den Karren aus dem Dreck zu ziehen, wer wollte sich dem verschließen?

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