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Engelmanns Eigenhandel

Gefährliche Renditen bei Bundesanleihen

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Dämpfer für Bond-Bullen

Merkel auf dem EU-Gipfel Quelle: dapd

Der heilige Schwur, es werde unter einer Kanzlerin Merkel keine Vergemeinschaftung von Staatsschulden geben, bröckelt dagegen bereits. Wer weiß, ob die Haftung, die sich für Deutschland aus dem ESM ergibt, tatsächlich begrenzt ist? Am Ende heißt es vielleicht: mitgefangen, mitgehangen! Die Sorge, die Bundesrepublik könne sich mit den Verpflichtungen im Rahmen der europäischen Rettungsfazilitäten überheben, ist in den vergangenen Wochen stark gestiegen und hat die Überlegungen, Deutschland könne am Ende aus dem Euro austreten, deutlich überlagert.

Die Entwicklung der Bundesanleihen spricht darüber Bände. Von 1,127 Prozent ging die Rendite binnen weniger Tage kontinuierlich bis auf 1,70 Prozent hinauf - ein herber Dämpfer für Bond-Bullen wie mich. Wohin die Reise geht, ist meiner Meinung nach noch nicht abschließend entschieden. Trotzdem würde ich mich mittlerweile denjenigen anschließen, die den Kauf deutscher Staatsanleihen erst auf einem höheren Renditeniveau wieder erwägen.

Gold-Anleger sehen das böse Ende

 Zum Schluss noch ein Blick auf das Gold: Hatte das Edelmetall vor dem Gipfel in Brüssel noch zur Schwäche tendiert, sprangen die Notierungen am Freitag deutlich an. Und das zeigt eines: Man mag sich in Brüssel auf einen Weg verständigt haben, wie Staaten, die sich am Kapitalmarkt nur noch zu vergleichsweise hohen Zinsen verschulden können, (vorerst) "billig" an Geld kommen können, ohne große Zugeständnisse in Sachen Sparsamkeit machen zu müssen. Doch viele, das alte Wilhelm Busch Motto vom bösen Ende bedenkende Anleger bleiben kritisch. Sie sehen in den geringeren Hürden für die Mittelaufnahme eine langfristige Gefahr für den Geldwert.

Grundproblem bei weitem nicht gelöst

Und nicht nur das, auch eine andere Gefahr droht: Zwar ist das Auseinanderbrechen der Währungsunion für Erste vertagt, doch wurden die Probleme lediglich von der einzelstaatlichen auf eine gesamteuropäische Ebene verlagert. Am Grundproblem, nämlich dem, dass die Staatsausgaben in allen Ländern Europas über Jahrzehnte höher waren als die Einnahmen, dass die "schwäbische Hausfrau" also schon lange tot ist - sogar in ihrer Heimat -, hat sich dadurch nichts geändert. Schuldenbremsen sind bislang nur Versprechen - ungedeckte Wechsel auf eine finanziell solidere Zukunft.

Geldanlage



Aber was, wenn wir am Ende auch auf gesamteuropäischer Ebene scheitern? Wenn die Bremsen nicht greifen? Man mag es sich - offen gesagt - gar nicht vorstellen. So wenig, wie man sich als "Dicker" eine Platte von Westernhagen anhören möchte!

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