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Engelmanns Eigenhandel

Die 100-Billionen-Frage: Wie rettet man den Euro?

US-Ökonom Paul Krugman fordert, zur Krisenbekämpfung die Geldschleusen noch weiter zu öffnen. Die Zeche zahlt der Bürger – mit höherer Inflation.

S&P droht Italien, Irland wird hochgestuft
Für Frankreich zeigt sich S&P etwas zuversichtlicher, obwohl sich am Rating („AA“) und dem stabilen Ausblick nichts änderte. Die Regierung habe Maßnahmen zur Reduzierung der Arbeitskosten und Unternehmensbesteuerung ergriffen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern, schreibt S&P. Zudem deuteten staatliche Ausgabenkürzungen darauf hin, dass die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft ihr Haushaltsdefizit schrittweise reduzieren werde. Die Staatsverschuldung bleibe aber hoch und werde bis 2017 noch wachsen. Rating (S&P): AAAusblick: stabil Quelle: dpa
Zypern wurde von der Wirtschaftskrise enorm mitgenommen, gerade der aufgeblähte Bankensektor des Inselstaats machte ihm in der Dynamik der Krise schwer zu schaffen. Die Bewertung des Krisenlands wurde von S&P nun um eine Stufe auf „B“ erhöht, Fitch hob den Ausblick für das Rating („B-“) auf positiv an. Bei beiden Agenturen liegt die Kreditnote klar im sogenannten Ramschbereich, der spekulative Anlagen kennzeichnen soll. Die positiven Ausblicke lassen aber Aufstufungen erwarten - vorausgesetzt, das Land erfüllt weiterhin die Auflagen der internationalen Geldgeber, die Zypern seit dem vergangenem Jahr finanziell stützen. Rating (S&P): BAusblick: positiv Quelle: AP/dpa
Standard & Poor's (S&P) hat das lang- und kurzfristige Fremdwährungsrating für die Ukraine gesenkt. Die Bewertung sei von „B-/B“ mit einem negativen Ausblick herabgestuft worden, teilten die US-Bonitätswächter mit. Hintergrund sei die derzeitige politische Instabilität in dem Land. Seit Wochen demonstrieren Regierungsgegner gegen die Regierung. Präsident Viktor Janukowitsch steht unter anderem wegen eines harten Vorgehens der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in der Kritik. Auslöser war die kurzfristige Ablehnung eines über Jahre hinweg vorbereiteten Abkommens zwischen der Ukraine und der Europäischen Union. Janukowitsch will das Land stattdessen enger an Russland binden. Rating (S&P): „CCC+/C“Ausblick: negativ Quelle: AP
Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat Irland gute Bonitätsnoten in Aussicht gestellt. Der Ausblick für das Rating bleibt positiv. S&P begründete die positive Haltung mit verbesserten Wachstumsaussichten des Landes. Im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2016 erwartet die Agentur ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent. Bisher war sie nur von 2,0 Prozent ausgegangen. S&P lobt die Reform- und Sparpolitik des Landes. Die Agentur erwartet eine weiterhin starke Auslandsnachfage und eine anhaltende Erholung der Binnenwirtschaft. Die hohen Investitionen aus dem Ausland stützten die Binnenwirtschaft. Gefahren sieht S&P vor allem noch im Bankensektor. Rating (S&P): A+Ausblick: positiv Quelle: dpa
Portugal droht erst einmal keine weitere Abstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Die Bonitätsnote des Landes stehe nicht mehr unter verschärfter Beobachtung, teilte S&P mit. Portugal dürfte trotz einiger politischer Probleme 2013 das Ziel einer Neuverschuldung von 5,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) erreicht haben, schreiben die Experten. In diesem Jahr will Portugal dann die neuen Schulden auf vier Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung senken. Dies halten die S&P-Experten für möglich. Derzeit bewertet Standard & Poor's Portugal mit der Note „BB“. Das ist die zweite Stufe des sogenannten Ramsch-Niveaus, das spekulative Anlagen kennzeichnen soll. Der grundsätzliche Ausblick bleibe negativ. Rating (S&P): BBAusblick: negativ Quelle: dpa
Alenka Bratušek, seit Anfang 2013 Ministerpräsidentin von Slowenien, muss sich nach wie vor mit einer Bankenkrise und den hohen Schulden ihres Landes befassen. Ein Hilfsprogramm ist nach Einschätzung der EU-Kommission aber nicht von Nöten, solange das Bankensystem reformiert und das Reformtempo hoch gehalten wird. Im Rating von Standard & Poor's schneidet der osteuropäische Staat von den kriselnden noch mit am besten ab. Die Agentur bleibt bei ihrer Einschätzung, dass Sloweniens Kreditwürdigkeit auch künftig stabil bleiben wird. Rating (S&P): A+Ausblick: stabil Quelle: AP
Als Malta 2008 den Euro einführte, war das Land eines der kreditwürdigsten unter den neuen Mitgliedsstaaten. Auch heute gibt es für die Insel noch immer relativ gute Noten. Ratings: BBB+ Ausblick: stabil Quelle: REUTERS

Wäre der lustige Glückshase nicht im Showbusiness, sondern an der Börse, ihm wäre sein dämliches Grinsen schon lange vergangen. Das Plüschmonster, das 1993 in Hape Kerkelings Fernsehsatire "Kein Pardon" durch die Unterhaltungssendung "Witzischkeit kennt keine Grenzen" stolperte und dabei tapfer die Launen des cholerischen Showmasters Heinz Wäscher ertrug, müsste angesichts der kritischen Lage, in der sich Europa dieser Tage befindet, erkennen, dass "Witzischkeit" eben doch Grenzen kennt. Und das nicht nur bei der Suche nach gewinnbringenden Anlagen. Kerkelings Credo bewahrheitet sich: Mehr denn je erscheint das ganze Leben wie ein Quiz - ein Quiz, in dem Notenbanker wie Politiker nur die Kandidaten sind!

Die 100 Billionen Euro Frage lautet: Wie rettet man die Euro-Zone? Einen Publikumsjoker in Form von Volksentscheiden, der bei der Beantwortung dieser schwierigen Frage helfen könnte, sehen die Verfassungen in vielen der 17 Euro-Zonen-Staaten nicht vor. Auch dürfte das Ergebnis solcher Volksentscheide ziemlich vorhersehbar sein: Bürger in den wirtschaftlich starken Ländern der Euro-Zone dürften wohl einen strikten Sparkurs in ganz Europa empfehlen, während die in den notleidenden Staaten Konsolidierungsprogramme aller Wahrscheinlichkeit nach als Nagel am Sarg ihrer Volkswirtschaften geißeln und stattdessen Hilfsprogramme ohne Gegenleistungen fordern würden.

Das sind die Schuldenkönige Europas
A general view of the old town of Tallinn, Estonia Quelle: AP
Speaker of the Parliament of Finland Eero Heinaluoma,president-elected Sauli Niinisto, president Tarja Halonen Quelle: dapd
LuxemburgDer kleinste Flächenstaat der Welt hat 2011 nur 0,6 Prozent des BIPs an neuen Schulden aufgenommen. In Euro macht das putzige 253 Millionen Euro. Genauso hoch wie Luxemburgs Neuverschuldung war das operative Ergebnis der VW-Tochter MAN im ersten Quartal 2012. Quelle: dpa
Ein Aufkleber mit der Aufschrift «Made in Germany» und dem EU Symbol klebt auf einem Solarkollektor Quelle: dpa
View of the new embassy of Malta in Berlin Quelle: AP
Blick auf das hell erleuchtete Riesenrad im Prater in Wien Quelle: dpa
Europäische Länder-Flaggen hängen schlaff vor dem Europäischen Parlament in Brüssel, Belgien Quelle: dpa

Keynes lebt

Vielleicht sollten Politiker und Zentralbanker einen Telefonjoker bemühen. Zum Beispiel Paul Krugman, seines Zeichens Professor der Volkswirtschaftslehre an der amerikanischen Princeton University. Der skizziert in seinem jüngst erschienenen Buch "Vergesst die Krise! - Warum wir jetzt Geld ausgeben müssen" sein Rezept zur Lösung der amerikanischen Wirtschafts- und der europäischen Banken- und Staatsschuldenkrise. Krugman übt sich nicht in theoretisch-akademischer Besserwisserei - versandt mit herzlichen Grüßen aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft. Nein, wer das Buch des Nobelpreisträgers liest, bekommt eher den Eindruck: Hier macht sich jemand ernsthaft Gedanken um einen Weg aus der Krise.

Dabei kann Krugmans Plan zur Rettung der Welt mit einem Begriff zusammengefasst werden: Keynesianismus. Wiewohl der geistige Vater jenes wirtschaftspolitischen Modells, der britische Ökonom John Maynard Keynes, schon im Jahre 1946 verstorben ist, lebt seine Theorie noch heute fort. Mit Blick auf den katastrophalen Verlauf der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre, in der weder Regierungen noch Notenbanken Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft ergriffen hatten, forderte Keynes, der Staat müsse in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mittels der Finanz- und Geldpolitik die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steigern, um so die Vollbeschäftigung wiederherzustellen. Krugman bläst nun ebenfalls in dieses Horn. Aber deutlicher stärker als sein akademischer Vorfahre. Krugman geißelt den amerikanischen Präsidenten, Barack Obama, und den Federal Reserve Vorsitzenden, Ben Bernanke, ebenso als hasenfüßig wie Politiker und Zentralbanker der Euro-Zone.

Wofür die Deutschen bei der Euro-Rettung haften

Zwar hat es in den vergangenen Jahren weder dies- noch jenseits des Atlantiks an staatlich finanzierten Konjunkturprogrammen gemangelt, auch fluteten sowohl die amerikanische als auch die europäische Zentralbank die Märkte in nie gesehenem Ausmaß mit Liquidität. Dem amerikanischen Professor erscheint all das aber als nicht ausreichend, um der schwierigen Lage in Amerika und Europa Herr zu werden. Präsident Obamas 787 Milliarden Dollar schweres Konjunkturprogramm beispielsweise - aufgelegt als Antwort des amerikanischen Staates auf die Verwerfungen im Gefolge der Subprime-Krise - war in Krugmans Augen nur ein Tropfen auf den heißen Stein - gemessen an der gesamten Wirtschaftskraft der Staaten.

Diese These Krugmans erscheint überraschend, empfindet man als volkswirtschaftlicher Laie 787 Milliarden Dollar doch schon als eine schier unvorstellbare Summe. Auch den Europäern attestiert der Nobelpreisträger Kleinmut und Zaghaftigkeit. Viel entschlossener müssten die Regierungen und die Europäische Zentralbank vorgehen: Die einen, in dem sie einer um ein Vielfaches größeren gesamteuropäischen Verschuldung zustimmten, die andere, in dem sie die geldpolitischen Schleusen noch weiter öffnet. Nur so seien Wachstum und Beschäftigung zu bewahren.

 

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