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Engelmanns Eigenhandel

Gefährliche Renditen bei Bundesanleihen

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Euro und Dax zogen stark an

Die Flaggen der Mitgliedsländer der Europäischen Union wehen vor dem Europa-Parlament in Straßburg Quelle: dpa

Es wird wohl nicht lange dauern, bis auch die Länder, die bereits unter strengen Sparauflagen Kredite erhalten haben, auf eine Nachbesserung pochen werden. Dass notleidende Banken der Euro-Zone künftig direkt Mittel des neu zu errichtenden Hilfsmechanismus beziehen dürfen, stellt ebenfalls einen erheblichen, konzeptionellen Wandel dar, von dem in der Beschlussvorlage des Deutschen Bundestages zur Abstimmung über den Beitritt zum Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) kein Wort gestanden haben dürfte.

Kursfeuerwerk

An den Märkten entfachten die Brüsseler Beschlüsse zum Wochenschluss ein beeindruckendes Kursfeuerwerk. Anleihen der Peripherie verteuerten sich um 50 bis 100 Basispunkte. Insbesondere die Entscheidung, Kredite des ESM nicht vorrangig gegenüber Krediten anderer Geldgeber zu behandeln, stieß am Markt auf Erleichterung. Dass der ESM zukünftig die Märkte der Peripherie durch den Ankauf von Staatsanleihen im Primär- wie im Sekundärgeschäft unterstützen kann, tat ein Übriges. Der Dax gewann am vergangenen Freitag 267 Zähler auf 6.416 Punkte und der Euro - eigentlich schon abgebogen, um Kurs auf die 1,20 zum Dollar zu nehmen, zog deutlich an. Bundesanleihen hingegen verloren und setzten damit ihre nun schon einige Wochen andauernde Konsolidierung fort.

Zinswende schon da?

Wobei man sich die Frage stellen muss, ob es sich wirklich noch um eine Konsolidierung oder bereits um die schon so oft vergeblich heraufbeschworene Zinswende handelt.

Wie regelmäßige Leser dieser Kolumne wissen, war ich sehr lange Zeit davon überzeugt, dass die Renditen von Anleihen des Bundes deutlich sinken werden. Diese Tendenz war soweit richtig - einzig das sicher sehr aggressiv gewählte Ziel einer Rendite von einem Prozent im Zehnjahressegment wurde mit 1,127 Prozent knapp verfehlt.

Welche Faktoren sprechen nun für dauerhaft niedrige, vielleicht sogar weiter fallende Zinsen, welche für das Gegenteil? Dafür, dass die Zinsen für Bundesanleihen weiterhin niedrig bleiben könnten, spricht zunächst einmal die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Bald, vielleicht sogar schon in dieser Woche, dürfte die den Leitzins erneut senken, und mancher Volkswirt rechnet sogar damit, die Notenbank könne weitere Tendergeschäfte mit mehrjähriger Laufzeit anbieten - solcherlei preisgünstige Liquidität hatte die Märkte bereits Ende des vergangenen Jahres beflügelt.

Sparer weiter  in Sorge

Dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in Europa einzutrüben beginnt, könnte der EZB dabei als gediegenes Argument dafür dienen, die geldpolitischen Zügel (noch mehr) zu lockern (während die Inflationsrate im Euro-Raum wohl kaum dazu geeignet wäre). Angesichts der weiterhin fragilen Lage in einigen südeuropäischen Ländern dürfte auch die Karawane all derer, die ihr Vermögen in Deutschland in Sicherheit bringen wollen, so schnell nicht abreißen.

Auch wenn die Furcht vor einem Austritt verschiedener Länder aus der Euro-Zone in den vergangenen Tagen etwas abgenommen hat, bleiben viele Sparer in Sorge. Etwas in den Hintergrund getreten zu sein, scheint dagegen die Spekulation, Deutschland könne unter Umständen aus dem Euro austreten. Das Einlenken der Bundeskanzlerin in Sachen ESM-Kompetenzen zeigt deutlich, dass die Regierung ein solches Szenario überhaupt nicht erwägt (Die Opposition übrigens erst recht nicht).

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