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Engelmanns Eigenhandel

Sind italienische Staatsanleihen ein Kauf?

Für unseren Kolumnisten ist Beppe Grillo kein "Clown" – er nimmt dessen pessimistisches Szenario sehr ernst und rät Privatanlegern vom Kauf italienischer Bonds ab.

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Clown oder kein Clown? Der Meinung von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zum Trotz nimmt Kolumnist Engelmann Beppe Grillo durchaus ernst - Und rät Anlegern von italienischen Fonds ab Quelle: Reuters

"Clown (klaun), der; -s, -s (engl.) (Spaßmacher)" - ein Clown ist also ein "Spaßmacher“, so nachzulesen im Duden. Blickt man mit etwas Abstand auf die umstrittene Äußerung des Kanzlerkandidaten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), Peer Steinbrück, er sei darüber entsetzt, dass zwei Clowns (die Parlamentswahl in Italien) gewonnen haben, könnte man fast zu dem Urteil gelangen, der wahre Clown sei Steinbrück selbst. Doch eine solche Einschätzung wäre genauso verfehlt wie die Kritik aus den Reihen der Regierungsparteien heuchlerisch ist. Wer glaubt, Steinbrück habe nur spontan eine billige Pointe reißen wollen, unterschätzt den Mann. Dass Steinbrück sich als Enkel des inzwischen von der ganzen Bevölkerung ikonenhaft verehrten Alt-Kanzlers Helmut Schmidt sieht, ist bekannt. Und so eifert er "Schmidt Schnauze" nun auch rhetorisch nach - immer in der Hoffnung, mit seinen flotten Sprüchen die Wähler für sich zu gewinnen. Im Gegensatz zu Angela Merkel muss der Kandidat dabei keine besonderen außenpolitische Rücksichten nehmen: Merkel ist bereits Kanzlerin, Steinbrück will es erst noch werden. Der Duden definiert solcherlei Verhalten mit folgendem Begriff: "Populismus, der; - (opportunistische Politik, die die Gunst der Massen zu gewinnen sucht)".

Wer in Italien um die Macht ringt
In Höchstform: Silvio Berlusconi (Mitte-Rechts-Bündnis)Mit Speck fängt man Mäuse. Silvio Berlusconi lockt die Wähler damit, die Eigenheimsteuer abzuschaffen, die bereits bezahlte Steuer zurück zu zahlen und eine Generalamnestie für Steuer- und Bausünden zu erlassen. Auch der viermalige Ministerpräsident Berlusconi stand vergangenes Jahr wegen Steuerhinterziehung vor Gericht.  Hinzu kommen unter anderem Sex-Eskapaden mit der Marokkanerin Ruby im Jahr 2010. Trotzdem ist der Milliardär bei den Italienern beliebt, der aktuell in zahlreichen Talkshows seinen Charme spielen lässt. Der medienerprobte 76-Jährige ist zwar Gesicht und Initiator des Mitte-Rechts-Bündnisses, Kandidat für das Ministerpräsidentenamt ist jedoch Angelino Alfano. Chancen: Laut den letzten Umfragen vom 8. Februar liegt das mögliche Ergebnis des Mitte-Rechts-Bündnisses zwischen 27.8 und 29.5 Prozent. Damit wäre es zweitstärkste Kraft. Berlusconis Ziel ist daher eine möglichst instabile Regierungskoalition, um bei Gesetzesentwürfen mitreden zu können. Quelle: dpa
Berlusconis Marionette: Angelino Alfano (Mitte-Rechts-Bündnis)Sollte Berlusconis Mitte-Rechts-Bündnis die Wahl gewinnen, dann würde nicht Berlusconi, sondern sein ehemaliger Justizminister Angelino Alfano (rechts) Ministerpräsident werden. Da laut Umfragen das Bündnis ohnehin wohl nur zweitstärkste Kraft wird, kann Silvio Berlusconi dies egal sein. Denn er zielt darauf ab, die Regierungskoalition aus der Opposition heraus zu beeinflussen. Sein offizieller Kandidat war bereits wegen Verbindungen zur Mafia in der Presse. Quelle: dpa
Der moderate Mann: Pier Luigi Bersani („Italia. Bene Commune.“)Einen erfahrenen Wirtschaftsexperten schickt das Mitte-Links-Bündnis „Italia. Bene Commune.“ ins Rennen. Ihr Spitzenkandidat Per Luigi Bersani will gegen die Probleme Italiens mit einer gemäßigten Politik vorgehen: Eine moderate Sparpolitik und eine moderate Sozialpolitik stehen auf seinem Programm. Der Sprössling einer Handwerkerfamilie aus bescheidenen Verhältnissen kennt sich auf dem politischen Parkett bestens aus. Der ehemalige Lehrer war unter anderem Wirtschaftsminister unter Romano Prodi und Koalitionspartner von Mario Monti. Chancen: Die letzten Umfragen vom 8. Februar sagen dem Mitte-Links-Bündnis ein Ergebnis zwischen 33,2 und 35 Prozent voraus:  Damit liegt Bersani vorn. Quelle: AP/dpa
Italiens Anti-Politiker: Beppe GrilloEr sieht sich nicht als Politiker, sondern als Aktivist: Beppe Grillo mischt Italiens politische Landschaft mit seiner „MoVimento 5 Stelle“ (Bewegung 5 Sterne) auf. Während sich Berlusconi im Fernsehen inszeniert, sind Internet und öffentliche Plätze die Bühne von Beppe Grillo. TV-Auftritte meidet er, stattdessen spricht er in Italiens Städten. Dabei lockt er stets Menschenmassen an, so wie auf diesem Foto am 16. Februar in Turin. Sein Blog beppegrillo.it gehört zu den erfolgreichsten der Welt. Er selbst tritt jedoch nicht als Spitzenkandidat an – dies erlaubt sein Parteiprogramm nicht, das keine vorbestraften Politiker ins Parlament lassen will. Seine Bewegung tritt überhaupt ohne Spitzenkandidat an. Das gehört zu seinem Feldzug gegen die politischen Verhältnisse. Chancen: Obwohl er politischer Neuling ist, ist Grillos Bewegung laut Umfragen bereits drittstärkste Kraft. Die Prognosen vom 8. Februar gehen von einem Ergebnis zwischen 14,7 und 18,8 Prozent aus. Damit liegt der Aktivist vor dem 2012 abgetretenen Präsidenten Mario Monti. Quelle: dpa
Der gefallene Stern: Mario Monti (Agenda Monti per l'Italia)Der ehemalige italienische Ministerpräsident feierte Erfolge: Er brachte das Land auf Sparkurs und stellte das internationale Vertrauen in Italien wieder her. Doch die zahlreichen eingeführten Abgaben und Steuern machten ihn bei den Wählern wenig populär. Schließlich sprach ihm die Berlusconi-Partei „Popolo della Libertà“ Anfang Dezember 2012 nicht mehr ihr Vertrauen aus, Monti trat zurück. In der jetzigen Parlamentswahl tritt er mit seiner „Agenda Monti per l'Italia“ (Aagenda Monti für Italien) an, die sich aus Parteien der Mitte zusammen setzt. Bei den meisten Italienern wirkt der ehemalige EU-Wettbewerbskommissar und Mailänder Professor jedoch zu technisch, gestelzt und abgehoben. Chancen: Viertstärkste Kraft soll Mario Montis Bündnis werden, wenn man nach den Umfrageergebnissen vom 8. Februar geht. Demnach erlangt seine Agenda zwischen 12,9 und 16 Prozent der Stimmen. Quelle: dpa
Der Mafia-Schreck: Antonio Ingroia (Rivoluzione Civile)Als Staatsanwalt widmet sich der 53-Jährige Antonio Ingroia dem Kampf gegen die Mafia, mit der er auch in zahlreichen Publikationen auseinander setzt. Mit der neu gegründeten "Rivoluzione Civile", der "Bürgerlichen Revolution" ist er nun in den Wahlkampf gezogen, der vor allem Mitte-Links-Parteien angehören. Chancen: Antonio Ingroias Bündnis bildet laut Umfragen das Schlusslicht unter den aussichtsreichsten Kandidaten. Die Prognosen vom 8. Februar gehen von einem Ergebnis zwischen 3,7 und fünf Prozent aus. Quelle: Reuters

Etwas mehr Respekt, bitte!

Doch mal ganz abgesehen davon, dass die Führer zweier Parteien, die in freien und demokratischen Wahlen substantielle Stimmenanteile auf ihre Parteien vereinen konnten, als "Clowns" zu verspotten, sicherlich nicht die feine englische Art ist - zumal, wenn es sich um ausländische Politiker handelt und man mit ihnen zugleich auch ihre Wähler zu Figuren eines Kuriositätenkabinetts herabwürdigt - stellt sich die Frage, ob Silvio Berlusconi und Beppo Grillo tatsächlich "Spaßmacher" im Sinne des Duden sind. In Bezug auf Beppo Grillo könnte man mit Blick auf seinen Lebenslauf durchaus versucht sein, Steinbrücks Einschätzung zu teilen. Schließlich wirkte Grillo über viele Jahre als Komiker und Kabarettist im italienischen Fernsehen. Doch aus dem "Spaßmacher" ist über die Jahre ein politischer Aktivist geworden, der die Zustände in seiner Heimat deutlich kritisiert und damit auf viel Zuspruch in der Bevölkerung stößt. Weniger allerdings bei den etablierten Parteien. Denn gerade in der politischen Kaste Italiens sieht Grillo das größte Problem des Landes. Fakt ist: Bei den Parlamentswahlen konnte Grillos Partei "MoVimento 5 Stelle" landesweit ein Viertel aller Stimmen auf sich vereinigen - ein beachtliches Ergebnis!

Düsteres Bild von Italien

Wer 25 Prozent aller abgegebenen Stimmen und damit mehr als jeder andere Kandidat errungen hat, kann wohl schwerlich ein "Clown" sein! Gewiss: Der Forderungskatalog Grillos klingt utopisch und seine Vorhersagen für die politische und wirtschaftliche Zukunft Italiens lassen einem das Blut in den Adern gefrieren. Doch wie jeder andere Politiker arbeitet auch der Vorsitzende der "5 Sterne Partei" mit dem Stilmittel der Übertreibung, zum einen, um bei einer eventuellen Regierungsbeteiligung einen Teil seiner Maximalforderungen im Wege des Kompromisses durchsetzen zu können, zum anderen, um den Bürgern Italiens und Europas die Augen über den schlechten Zustand des Landes zu öffnen. Erst am Wochenende malte Beppo Grillo wieder ein düsteres Bild von der Zukunft Italiens. Grillo geht davon aus, dass das politische System Italiens noch in diesem Jahr zusammenbrechen wird und forderte einen Schuldenschnitt, um Italien von seiner erdrückenden Zinslast zu befreien.

Rückkehr zur Lira

Welche Krisenstaaten 2013 das meiste Geld brauchen
Es war das Geschenk für Griechenland zum neuen Jahr: Am 18. Dezember hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Griechenland gleich um sechs Stufen auf das Level B- angehoben, Aussicht: stabil. Dank der neuen Pro-Griechenland-Haltung der Europäischen Union glaubt die Agentur nicht länger an einen "teilweisen Kreditausfall" des Landes. Der Schuldenberg des kleinen Mittelmeerlandes ist allerdings weiterhin erdrückend. Allein 290 Milliarden Euro, etwa das 1,5-fache Bruttoinlandsprodukt, schuldet der Staat Investoren in aller Welt. 2012 gab das Land Staatsanleihen im Volumen von rund 93 Milliarden Euro aus. Fällig werden 2013 allerdings nur 28,5 Milliarden und auch in den nächsten Jahren belaufen sich Rückzahlungen in kleinerem Rahmen. Interessant wird es erst 2017: Binnen einem Jahr muss Griechenland dann Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro ablösen. Sollte das Rating Griechenlands allerdings tatsächlich längerfristig auf dem jetzigen Niveau bleiben, stehen die Chancen nicht schlecht, dass das Land weniger auf EU-Hilfen angewiesen sein wird und sich verstärkt über den Kapitalmarkt refinanzieren kann. Quelle: dapd
Geld ist schön, weil es eine Befreiung bedeutet, wusste der Portugiesische Nationaldichter Fernando Pessoa bereits in den 1920er-Jahren. Das Elf-Millionen-Land am Rande Europas wartet tatsächlich auf eine Befreiung. Gegenwärtig lasten gewaltige Schulden auf seinen Schultern. 2011 erhielt Portugal rund 80 Milliarden Euro Hilfe aus dem europäischen Rettungsschirm, die Ratingagentur Moody's stufte das Land im Februar 2012 auf das Niveau Ba3 herab. Portugiesische Staatanleihen waren fortan "spekulativ". Insgesamt hält Portugal derzeit über 200 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten aus Staatspapieren, das sind knapp 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 13,7 Milliarden neuer Anleihen kamen 2012 hinzu. Dagegen werden 2013 Staatspapiere in Höhe von rund 19,6 Milliarden Euro fällig. Dabei ist der September der kritische Monat: Dann muss Portugal auf einen Schlag sechs Milliarden Euro an Investoren zurückzahlen. Quelle: dapd
Ryanair ist trotz mancher kleineren Panne eines der erfolgreichsten Unternehmen, das Irland derzeit hat. Wann wird sich das einstige Vorzeigeland Europas, das als erstes europäische Finanzhilfe in Anspruch nahm, wieder aufrappeln können? Gegenwärtig sind die Schulden weiter bedrohlich, bereits seit Ende 2011 rangiert Irland bei Moody's unter "spekalutive Anlage" (Rating Ba1). Konkret fallen Irland allein aus Staatspapieren rund 172 Milliarden Euro Verbindlichkeiten an und übersteigen damit das Bruttoinlandsprodukt, das 2012 bei rund 162 Milliarden Euro lag. Nur 9,5 Milliarden Euro konnte sich das Land 2012 von Investoren leihen. 6,1 Milliarden Euro muss es im nächsten Jahr refinanzieren. Quelle: dpa
Auch Spanien kämpft mit den Auswirkungen der Krise. Im Juni 2012 schlüpfte das Land nach längerem Zögern unter den europäischen Rettungsschirm. Die EU sicherte 100 Milliarden Euro Garantien für notleidende Banken zu. Die Regierung unter dem konservativen Mariano Rajoy setzte fortan auf harsche Sparmaßnahmen etwa im Gesundheitssektor. Rund 940 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten in Form von Staatspapieren hält Spanien, rund 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Knapp 100 Milliarden neue Schulden konnte das Land dabei 2012 aufnehmen, 151 Milliarden muss es in 2013 refinanzieren. Wie teuer das wird, ist noch ungewiss. Im Oktober hatte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit spanischer Staatspapiere als "durchschnittlich gute Anlage" (Baa3) bestätigt. Quelle: dapd
Fast wäre Italien im vergangenen Jahr unter der Schuldenlast zusammengebrochen. Dank der Technokratenregierung unter Führung des Wirtschaftsprofessors Mario Monti konnte das Land das Schlimmste abwenden, ging Reformen an und erlangte das Vertrauen der Investoren zum Großteil zurück: Für zehnjährige Staatsanleihen sank der Zins von mehr als sieben zwischenzeitlich auf 4,5 Prozent. Bei der letzten Auktion Ende des Jahres lag er wieder bei 5,5 Prozent. Trotz allen Reformeifers steckt das Land finanziell weiter in der Schlinge. Italien hält insgesamt 2,13 Billionen Euro Schulden in Staatspapieren, 291 Milliarden kamen allein 2012 hinzu. Ein wenig mehr, rund 312 Milliarden Euro, werden 2013 fällig und müssen refinanziert werden. Der größte Brocken, rund 25 Milliarden Euro, fällt im August an. Es wäre Italien zu wünschen, dass Monti auch nach den Wahlen im Februar weiterregieren und Italien auf Wachstumskurs trimmen kann. Dann vielleicht könnten die führenden Ratingagenturen Italien wieder bessere Kreditwürdigkeit zusichern. Moody's hatte Italien zuletzt im Juli 2012 auf das Niveau Baa2 herabgestuft, mit damals noch negativen Aussichten. Moody's fürchtete vor allem das fehlende Vertrauen der Märkte und eine Negativspirale, sollten andere Krisenstaaten weitere EU-Hilfen beantragen oder Griechenland aus der Währungsunion ausscheiden. Quelle: dpa
Belgien steht in Europa vor allem für zwei Dinge. Innenpolitisch dringt hin und wieder der Streit zwischen Politikern aus dem flämischen und wallonischen Landesteil an die Öffentlichkeit, der stets die Regierungsbildung erschwert. Aus europäischer Sicht ist Brüssel der zentrale Treffpunkt der Diplomatie und Sitz der Europäischen Kommission. Doch wie steht es um die Schulden des Landes? Die laufenden Staatsanleihen übertreffen mit einem Volumen von 440 Milliarden Euro das Bruttoinlandsprodukt um 17 Prozent. Voraussichtlich ein ähnlich großes Volumen an neuen Staatsanleihen wie 2012 muss Belgien in diesem Jahr emittieren, um die gut 60 Milliarden Euro Verbindlichkeiten aus Staatspapieren zu bedienen, die 2013 fällig werden. Im März muss das Königreich rund 16 Milliarden, im September 18 Milliarden Euro refinanzieren. Die Ratingagentur Moody's hatte die Kreditwürdigkeit Belgiens bereits Ende 2011 auf Aa3 herabgestuft, belgische Papiere gelten demnach weiterhin als sicher. Doch zweifelt Moody's langfristig am Wachstumspotenzial des kleinen Königsreichs. Quelle: dpa
Seit dem 26. Dezember regiert der Liberaldemokrat Shinzo Abe, nach 2006 bereits zum zweiten Mal, Japan. Bereits weniger Tage nach seinem Amtsantritt gab er deutlich die politische Richtung vor. Japan setzt weiter auf Atomkraft und Japan schwächt den Yen. Unter dem Druck des neuen Regierungschefs will die japanische Notenbank Wertpapiere mehr als zehn Billionen Yen (rund 85 Milliarden Euro) aufkaufen. Ob dadurch die hohe Schuldenlast abebbt und sich die deflationäre Stimmung im Land dreht, ist unklar. Derzeit schuldet Japan den Finanzmärkten rund eine Billiarden Yen (etwa acht Billionen Euro). Ein gutes Viertel davon, rund 251 Billionen Yen (2,1 Billionen Euro), gab Japan 2012 an neuen Staatsanleihen aus. Wie Belgien schätzt die Ratingagentur Moody's auch die Kreditwürdigkeit Japans als "sicher" (Aa3) ein. 2013 muss Japan rund 261 Billiarden Yen (2,23 Milliarden Euro) aus fälligen Staatspapiere ablösen. Quelle: dpa

Sogar einen Austritt aus dem Euro und eine Rückkehr zur Lira sind für Beppo Grillo gangbare Optionen. Die Forderung nach einem Schuldenschnitt dürfte insbesondere italienische Banker besorgt stimmen. Auf deren Büchern liegen nämlich Milliarden italienischer Staatsanleihen (BTP). Um die Liquidität der europäischen Banken mittelfristig sicherzustellen, hatte die Europäische Zentralbank in der Vergangenheit mehrfach Euro in Tendern mit der für kurzfristige Geldmarktgeschäfte eher untypischen Laufzeit von drei Jahren zur Verfügung gestellt, die zu nicht unerheblichem Teil zum Kauf von Staatsanleihen der Peripheriestaaten, aber auch solcher aus Italien verwendet wurden. Doch nicht nur italienische Banken wären von einem Schuldenschnitt betroffen, sondern auch viele Asset Manager aus Europa und anderen Teilen der Welt. Als die Renditen der italienischen Anleihen im Gefolge des unentschiedenen Wahlausgangs in Rom in der vergangenen Woche nach oben schnellten, griff so mancher Anleger beherzt zu. Man vertraut am Markt auf das Versprechen Mario Draghis, alles Notwendige zu unternehmen, um den Euro zu verteidigen.

Hält der Draghi-Put?

Doch man muss sich angesichts der aktuellen Entwicklungen in Italien schon fragen, ob das "Draghi Put" genannte Versprechen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) einem Test wirklich standhalten würde. Hinzu kommt: Schiede Italien aus dem Euro aus oder müsste es auch "nur" Hilfszahlungen aus den anderen Staaten der Euro-Zone anfordern, bräche dann nicht das ganze Hilfssystem in der Euro-Zone zusammen? Schließlich kann, wer Hilfe in Anspruch nimmt, keine mehr geben! Für mich ist Grillo kein "Clown" - ich nehme das, was er sagt, sehr ernst. Der Erfolg seiner "5 Sterne"-Bewegung verdeutlicht eines: Man kann die Ursachen der Krise sachlich analysieren; man kann die hohe Staatsverschuldung als größte Problemquelle identifizieren; man kann Sparmaßnahmen ersinnen, um den Haushalt zu sanieren. Doch der Erfolg solcher, auf wirtschaftlichen Überlegungen fußenden Maßnahmen hängt von der Zustimmung der Bevölkerung ab, diese Maßnahmen mitzutragen.

Italiens Reformen

Ob in Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien: Überall rumort es angesichts aberwitziger Arbeitslosenzahlen und zunehmender Verarmung der Bevölkerung. Es steht zu befürchten, dass die Politik - insbesondere auf europäischer Ebene - noch so sehr auf die Umsetzung von Sparprogrammen beharren kann. Wenn die Menschen in den betroffenen Staaten nicht mitziehen, kann es am Ende doch noch zu einem Scheitern der europäischen Gemeinschaftswährung kommen. Denn um dem Teufelskreis aus erdrückenden Staatsschulden, hoher Arbeitslosigkeit und Verarmung zu entkommen, könnte sich das ein oder andere Land - so wie es Grillo fordert - tatsächlich dafür entscheiden, seine Schulden nicht zurückzuzahlen und dem Euro den Rücken zu kehren. Die Lira ließe sich jedenfalls bestens abwerten - das hatte schon in der Vergangenheit immer eine große Tradition in Rom.

Rendite gut drei Prozentpunkte über Bunds...

Staatsfonds kapern die ganze Welt
Platz 15: International Petroleum Investment - VAEDer Staatsfonds der International Petroleum Investment Company in den Vereinigten Arabischen Emiraten verfügt über ein Vermögen von 65,3 Milliarden US-Dollar. Der Fonds wurde im Jahr 2006 gegründet, um Dubais Staatsunternehmen finanziell zu unterstützen. Dadurch soll die wirtschaftliche Entwicklung des Emirates vorangetrieben werden. Quelle: dpa
Platz 14: Investment Corporation of Dubai - VAEEin Staatsfonds aus Dubai. Der Investment Corporation of Dubai verwaltet insgesamt ein Vermögen von 70 Milliarden US-Dollar. Quelle: dapd
Platz 13: Australian Future FundDer australische Staatsfonds Australian Future Fund verfügt über ein Vermögen von 83 Milliarden US-Dollar. Trotz eines BIP von mehr als einer Billionen US-Dollar, gehört der australische Staatsfonds zu einem der kleinsten Staatsfonds auf der Welt. Der Fonds wurde gegründet, um die künftigen Rentenzahlungen der australischen Beamten bedienen zu können. Quelle: AP
Platz 12: Qatar Investment AuthorityDas Vermögen des Staatsfonds der Qatar Investment Authority in Katar beläuft sich auf knapp 115 Milliarden US-Dollar. Seit der Gründung im Jahr 2005 kauft sich das Emirat über Fonds und Tochtergesellschaften bei Unternehmen weltweit ein. Quelle: rtr
Platz 11: National Social Security Fund - ChinaKnapp 135 Milliarden US-Dollar hat der chinesische National Social Security Fund unter Verwaltung. Seit dem Start im Jahr 2000 erwirtschaftete der Fonds, dank eines breit gestreuten Portfolios, eine konstant gute Rendite. Quelle: rtr
Platz 10: National Welfare Fund - RusslandDas Vermögen des russischen National Welfare Fund beläuft sich auf 149,7 Milliarden US-Dollar. Die Einnahmen stammen überwiegend aus Öl- und Gasgeschäften. Der Fonds investiert einen großen Teil des Geldes in Aktien und Anleihen. Darüber hinaus ist der Staatsfonds auch als Kreditgeber für den russischen Bankensektor aktiv. Quelle: dpa
Platz 9: Temasek Holdings - SingapurEin weiterer Staatsfonds Singapurs - diesmal der Temasek Holdings - verfügt über ein Vermögen von 157,5 Milliarden US-Dollar. Ziel des Fonds ist es, Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten mit Kapital zu unterstützen. Dadurch soll die wirtschaftliche Entwicklung des Stadtstaates vorangetrieben werden. Quelle: AP

Sollte der Privatanleger die derzeitige Schwäche italienischer Staatsanleihen zum Kauf nutzen? Ich denke, Sie können meine Meinung zu diesem Thema schon erahnen. Trotzdem möchte ich die Frage explizit beantworten. Denn erst am Wochenende empfahl eine führende deutsche Tageszeitung Privatanlegern BTPs zum Kauf - natürlich unter dem bei solchen Empfehlungen üblichen "Ja, aber" - Vorbehalt. Wie immer bei derlei Empfehlungen musste die gegenüber Bundesanleihen deutlich höhere Rendite als Kaufargument herhalten. In der Tat kann man mit zehnjährigen BTPs eine Rendite erwirtschaften, die mehr als drei Prozent über der vergleichbarer deutscher Staatsanleihen liegt. Doch das ist ein theoretisches Konzept. Denn es beruht auf der Prämisse, dass der italienische Staat seine Anleihe in zehn Jahren zu pari zurückzahlt. Wer kann im derzeitigen Umfeld schon sagen, was in zehn Jahren sein wird?

10 Tipps für Börseneinsteiger

Zinsfalle

Und bedenkt man, dass der Kurs der aktuellen zehnjährigen Benchmarkanleihe Italiens von derzeit circa 98.43 (Rendite: 4,75 Prozent) auf  79,76 abstürzen würde, wenn die Renditen im Gefolge anhaltender politischer Turbulenzen wieder auf das Hoch des Jahres 2011 bei 7,5 Prozent steigen würden, dann wirken 3 Prozent Zinsvorteil mit einem Mal nicht mehr so fürchterlich attraktiv. Über angeblich "irrationales" Verhalten der Marktteilnehmer sind schon Nobelpreisträger gestolpert. Man denke hier an die Spekulation des Hedge Funds "Long Term Capital Management" zurück, dessen Gründer auch nicht wahrhaben wollten, dass sich die Renditedifferenz zwischen russischen und amerikanischen/deutschen Staatsanleihen beliebig ausweiten kann. Wenn sich schon Professoren so verzocken, sollte der Privatanleger lieber auf der Hut bleiben und vor allem nicht wieder in die "Zinsfalle" tappen.

Kapitalerhalt hat Priorität

Geldanlage



Auf ein paar Prozentpunkte mehr oder weniger Rendite kommt es nicht an. Was zählt, ist der Kapitalerhalt! Aus charttechnischer Sicht sind BTPs nach der vergangenen Woche angeschlagen. Wichtige Widerstände bei 4,52 und 4,69 Prozent wurden herausgenommen und eröffnen Spielraum für weiter ansteigenden Renditen. Spiegelbildlich verhält es sich bei Bunds, die nach einer längeren Seitwärts-Abwärts-Phase wieder in den Steigflug übergegangen sind und somit Kurs auf die alten Rendite-Tiefs nehmen.

Die Chartanalysten der Citigroup erwarten für dieses Jahr gar ein Absinken der 10-Jahres-Bund-Rendite auf unter ein Prozent. Und der Chefvolkswirt sieht weiterhin eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit für einen Austritt Griechenlands aus dem Euro.

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