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Erfolgsgebühren Union Invest und DWS sollen Kunden abgezockt haben

Die Fondgesellschaften Union Invest und DWS sollen ein lukratives Schlupfloch aufgetan haben und ihren Kunden Erfolgsgebühren berechnen, die in Deutschland verboten sind. Union Invest sieht das anders.

Zwei Fondsgesellschaften sollen von ihren deutschen Kunden verbotenerweise Erfolgsgebühren verlangen. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung umgehen die Fondsgesellschaften Union Invest und DWS deutsche Gesetze, was ihnen jährliche Mehreinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe einbringt. Laut Süddeutscher Zeitung berechnen die Gesellschaften ihren Kunden Erfolgsgebühren, die in Deutschland verboten seien. Bei besagten Erfolgsgebühren, sogenannten Performance-Fee, geht es um Gebühren, die Kunden zahlen müssen, wenn sich ein Fonds über einen bestimmten Zeitraum hinweg sehr gut entwickelt. Schlägt ein Aktienfonds beispielsweise fünf Jahre lang den Dax, lassen sich viele Anbieter diesen Erfolg vergolden. Noch im Jahr 2011 hatte Union Investment einen besonders hohen Anteil an Fonds mit Performance-Fee: Bei 95 von 194 angebotenen Publikumsfonds wurden erfolgsabhängige Gebühren fällig.

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Verbraucherschützer kritisieren diese Praxis seit langem, verboten ist sie aber nicht. Seit dem 30. Juni gilt für die Fondsgesellschaften in Deutschland allerdings eine neue Regel: Demnach dürfen die Häuser die Erfolgsgebühr nicht mehr vor Abzug der jährlichen Fixkosten erheben. Die Finanzaufsicht BaFin befürchtete nämlich, dass die Häuser sonst Erfolgsprovisionen für ein einzelnes Jahr kassieren, obwohl dazwischen mehrere schlechte Jahren lagen. Um Missbrauch vorzubeugen, dürfen die Fondsanbieter nur noch dann Performance-Fee berechnen, wenn der Fonds - bezogen auf die letzten fünf Jahre - einen neuen Höchststand erreicht hat. Demnach verstoßen weder Union Invest noch DWS gegen deutsches Recht, wenn sie von ihren Kunden Erfolgsgebühren verlangen.

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung hätten beide Häuser bestätigt, dass sie diese Regel nicht auf im Ausland aufgelegte Fonds anwenden. Angeblich verdienen die Gesellschaften an Fonds in Luxemburg durch die Gebühren jährlich einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

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Das bestreitet Barkhausen auch gar nicht. "Die in Luxemburg aufgelegten Fonds werden nach Luxemburger Recht geführt und die deutschen Fonds nach deutschem Recht", sagt er. Dementsprechend müssen Anleger auf Luxemburger Fonds eben schon vor Ablauf der fünf Jahres-Frist Erfolgsgebühren zahlen, wenn ihr Fonds eine gute Rendite abgeworfen hat. Andere Fondsgesellschaften kassieren von ihren Kunden in Luxemburg im Übrigen auch, wenn die Wertentwicklung negativ ist, wie Barkhausen erzählt. So werden beispielsweise bei Deka oder DWS Gebühren fällig, wenn der Fonds zwar besser als der Vergleichsindex lief, dem Anleger aber trotzdem binnen Jahresfrist ein Minus bescherte. "Sowas machen wir nicht", betont Barkhausen. "Der Fonds muss schon eine absolut positive Wertentwicklung aufweisen." Union Invest kassiert also nur dann eine Erfolgsprämie, wenn auch wirklich Gewinn erwirtschaftet wurde.

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