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Euro-Krise Szenario für das D-Mark-Comeback

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Euro-Crash einkalkuliert

Top Secret: In diesem Bunker vresteckte die Bundesbank bis 1988 Not-D-Mark für den befürchteten III. Weltkrieg Quelle: dpa

„Die Wahrscheinlichkeit, dass die Euro-Zone auseinanderbricht, wird von Woche zu Woche höher“, sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Und so spielen Finanzdienstleister und Mittelständler etwa mit der Unternehmensberatung Ernst & Young Szenarien durch, wie sich das Ende des Euro auf ihr Geschäft auswirken könnte. Weltweit hilft auch eine rund 30-köpfige Taskforce der Großkanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer dabei. Die Anwälte entwerfen Leitfäden, überarbeiten Verträge und beraten zahlreiche Kunden zum Thema. „Wir schauen uns mit Mandanten wichtige Verträge und die darin enthaltenen Währungsklauseln an, um notfalls für den Fall vorzusorgen, dass in einem oder mehreren Mitgliedstaaten der Euro nicht mehr die Währung des Landes ist“, sagt Freshfields-Partner Gunnar Schuster, Co-Leiter der weltweiten Gruppe Banken & Versicherungen. Investoren kalkulieren den Euro-Crash ein. „Zum Teil wird in Verträgen bei Übernahmen festgehalten, dass bei Fälligkeit des Kaufpreises die Währung Euro durch den Dollar ersetzt werden kann“, sagt Ansgar Rempp, Private-Equity-Spezialist bei Jones Day.

Zugegeben: Ein baldiges Auseinanderbrechen der Währungsunion und eine Rückkehr zur D-Mark sind unwahrscheinlich. Die Euro-Retter haben noch Munition und fürchten gewaltige Verwerfungen für Wirtschaft und Finanzsystem. Zeuner sieht die Wahrscheinlichkeit nur im „einstelligen Bereich“, die Credit-Suisse-Analysten sprechen von „unter zehn Prozent“.

Notfall-Depot für die D-Mark-Rückkehr

Handlungsunfähige Sparer

Dennoch: Was für Unternehmen und Profi-Investoren Pflicht ist, gilt auch für private Anleger. Es wäre fahrlässig, nicht darüber nachzudenken: Was droht Sparern, Kreditnehmern, Anleihe- und Aktienbesitzern, wenn Deutschland zur D-Mark zurückkehrt – und wie schützen sie sich vor diesem Extrem-Szenario? So viel steht fest: Am Tag, an dem der Euro scheitert, wären Banken geschlossen und Sparer handlungsunfähig. Wer ans D-Mark-Szenario glaubt, muss vorsorgen und seine Ersparnisse neu ausrichten (siehe Grafik).

D-Mark und Resteuro

„Die Ungleichgewichte in Europa kann man erst ausmerzen, wenn einzelne Länder ihre Währungen abwerten können, um wieder wettbewerbsfähig zu werden“, sagt Hans-Joachim Voth, Professor und Wirtschaftshistoriker an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona. Fiele die Währungsunion auseinander, müssten Problemländer gegen Deutschland abwerten. Die Entwicklung von Löhnen und Preisen legt dies nahe (siehe Grafik links).

„Gemessen an der Wettbewerbsfähigkeit, müsste die Mark um rund 20 Prozent gegen den Resteuro aufwerten“, sagt Thomas Wacker, Chef der Kreditanalyse der UBS Vermögensverwaltung in der Schweiz. Kurzfristig bestehe die Gefahr einer massiven Überbewertung aufgrund hoher Zuflüsse.

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