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Euro-Krise Notfallplan für Ihr Geld

Was passiert, wenn Griechenland auch nach den Neuwahlen keine Regierung zustande bringt, die Euro-Zone verlassen muss und die Finanzmärkte dann andere Staaten aufs Korn nehmen? Wie gefährdet ist Spanien, muss die Europäische Zentralbank einen Bank Run abwenden – und vor allem: Wo ist das Geld noch sicher? Panik ist unangebracht, aber für den Notfall gilt es, vorbereitet zu sein. Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen zur Krise.

Der Ausgang der Wahl am 17. Juni in Athen entscheidet maßgeblich über die Zukunft des griechischen Finanzsystems und des Euros Quelle: dpa

Was passiert, wenn in Athen die Reformgegner gewinnen?

Wenn die Griechen am 17. Juni zum zweiten Mal binnen sechs Wochen ein Parlament wählen, geht es nicht nur um den Verbleib in der Währungsunion, es geht um die Zukunft des Euro und die Stabilität des globalen Finanzsystems. Zumindest suggerieren das die Warnadressen, die zuletzt aus Europas Hauptstädten auf die Wähler niederprasselten. Bis zuletzt lieferten sich die konservative Nea Dimokratia (ND) und das radikale Linksbündnis Syriza ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Während ND-Chef Antonis Samaras zu Reformen bereit ist, will Syriza-Chef Alexis Tsipras die Sparpolitik beenden und alle Abkommen mit den internationalen Geldgebern kündigen.

Drei Szenarien sind denkbar:

  • Die ND bekommt genug Stimmen, um mit der sozialistischen Pasok zu koalieren. In diesem Fall dürften EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) bereit sein, den Zeitplan für die Sanierung des Staatshaushalts zeitlich zu strecken. Griechenland bliebe Mitglied des Euro-Raums.
  • Reformgegner Tsipras gewinnt die Wahlen zwar, nimmt aber, anders als angekündigt, Verhandlungen mit den Geldgebern auf. Auch dann würden die Sparziele gelockert, und Griechenland bliebe vorerst im Euro. Da den Griechen jedoch der lange Atem für Reformen fehlt, wird die Krise in beiden Szenarien wieder hochkochen. Mit 50 bis 75 Prozent Wahrscheinlichkeit, schätzen Ökonomen der Citigroup, werde das Land den Euro am Ende aufgeben.
  • In Szenario drei kommt der Euro-Ausstieg schon binnen Wochen. Gewinnen die Reformgegner um Tsipras die Wahlen und beenden den Sparkurs, stellen IWF und EU ihre Hilfszahlungen ein. Griechenland und seine Banken wären pleite. Um Löhne der Staatsbediensteten zu bezahlen und Banken zu rekapitalisieren, müsste Athen den Euro aufgeben und eigenes Geld drucken.

Berlusconi schürt antideutsche Kampagne
Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi und seine Partei Forza Italia (FI) wollen im Europa-Wahlkampf mit kritischen Parolen über Deutschland punkten. Berlusconi griff den sozialdemokratischen EU-Spitzenkandidaten Martin Schulz scharf an und verunglimpfte dabei auch dessen Landsleute mit der Aussage, die Deutschen hätten die Existenz von Konzentrationslagern nie anerkannt. Die FI plakatiert indes den Slogan „Più Italia, meno Germania“ („Mehr Italien, weniger Deutschland“). Die SPD protestierte umgehend, auch in der CDU gibt es Kritik. Forza Italia macht die deutsche Sparpolitik für die Rezession der italienischen Wirtschaft verantwortlich. Berlusconis Partei fordert, sich dem Kurs zu widersetzen. Schulz sagte dazu dem „Spiegel“: „Es ist empörend, dass eine Schwesterpartei der CDU in Italien mit antideutschen Parolen Wahlkampf macht.“ Aus Berlusconis Umgebung wurde die Kritik als „politische Instrumentalisierung“ abgetan. Berlusconi attackierte Schulz und die Deutschen mit Rückgriffen auf die grausame deutsche Geschichte: Er habe im Jahr 2003 für Schulz unfreiwillig Werbung gemacht, als der dem damaligen EU-Parlamentarier vorwarf, dieser sei die ideale Besetzung für die Rolle eines KZ-Aufsehers, sagte der ehemalige italienische Ministerpräsident bei einer Parteiveranstaltung am Samstag in Mailand. „Ich wollte ihn nicht beleidigen, aber, um Gottes Willen, für die Deutschen haben die Konzentrationslager nie existiert“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den erneuten Ausfall Berlusconis. „Die Katyn-Lager, ja doch, die deutschen nicht“, fügte der rechtskräftig verurteilte Steuerbetrüger demnach hinzu. In Katyn hatten sowjetische Truppen im Frühjahr 1940 Tausende polnische Soldaten ermordet. Konzentrationslager gab es dort nicht. Quelle: dpa
In Griechenland geht die Angst vor neuen Sparauflagen um. Nachdem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Mittwoch verlauten ließ, Griechenland werde nach 2015 ein drittes Hilfspaket benötigen, kochten die Emotionen in den griechischen Medien hoch. Die Athener " Zeitung der Redakteure" (im Bild) ahnte sogleich "neue, unerträgliche Sparauflagen für das griechische Volk" voraus. Schäuble, so hieß es, arbeite bereits an einem neuen Kreditvertrag für Griechenland. Die Zeitung "Real" titelte gar: "Herr Schäuble, bringen Sie das gestohlene Geld zurück". Das Blatt "Ta Nea" sieht einen Zusammenhang zwischen dem Besuch des EZB-Direktors Asmussen in Athen und Schäubles Äußerungen - Asmussen habe bereits Einzelheiten eines neuen Hilfskonzepts im Gepäck, wurde gemutmaßt. Der EZB-Direktor wies diese Spekulationen im Anschluss an sein Treffen mit dem griechischen Finanzminister Stournaras zurück. Quelle: Screenshot
Noch relativ freundlich geht das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" mit den Deutschen ins Gericht. Als zögerlichen Herrscher bezeichnete das Magazin Deutschland im Juni 2013. Deutlich schärfer blies der Wind dagegen in den letzten Monaten aus Südeuropa...
Angela Merkel auf dem Cover der griechischen Zeitschrift Crash Quelle: Handelsblatt Online.
Europäische Politiker in einer Titelgeschichte der griechischen Zeitschrift Crash Quelle: Handelsblatt Online.
Cover der griechischen Magazins crash Quelle: dpa
Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auch IWF-Chefin Christine Lagarde zum Hassobjekt in Griechenland geworden. Hier werden die beiden Politikerinnen als Krähen dargestellt, die Griechenland bestehlen wollen. Soldaten versuchen, die beiden Frauen mit den Hitler-Bärten abzuwehren.

Zuletzt kursierten bereits Gerüchte über große Papierlieferungen an Gelddruckereien in Großbritannien für den Druck griechischer Drachmen. Rund 370 Milliarden Euro stehen in Griechenland im Feuer. Die UBS taxiert bei einem „Griechen-Exit“ die Verluste auf „mindestens 225 Milliarden Euro“. Deutschland müsste im Zuge des Athener Staatsbankrotts auf Forderungen von bis zu 70 Milliarden Euro verzichten. Um die Schuldenbremse einzuhalten, müsste die Bundesregierung Steuern anheben.

Nach der Wahl stürzte Griechenlands Börse ins Bodenlose (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Bei einem Austritt Griechenlands stünden Athens Banken vor nochmals massiven Abflüssen. Die Analysten der ING erwarten, dass die neue Regierung dann Kapitalverkehrskontrollen einführen und Barabhebungen begrenzen würde. Ein Ausstieg Griechenlands würde für Staatsanleihen aus Ländern der Euro-Peripherie noch mal steigende Zinsen bedeuten. Europäische Banken würden sich untereinander keinen Cent mehr leihen. Ein Ende des Euro in Athen würde nicht nur die Finanz-, sondern auch die Realwirtschaft hart treffen. Analysten der US-Bank Merrill Lynch erwarten einen ähnlichen Schock für die Konjunktur der Euro-Zone wie nach der Lehman-Pleite. Um vier Prozent könnte das Bruttoinlandsprodukt dann sinken. Der Euro selbst würde „signifikant“ an Wert verlieren.

Damit stiege die Inflationsgefahr. Merrill Lynch rechnet damit, dass der Euro in einer ersten Reaktion unter 1,20 Dollar fällt (aktuell: 1,24 Dollar). Zehn- jährige Bundesanleihen sinken dann unter 1,0 (derzeit 1,23) Prozent Rendite, so die Erwartung. Turbulenzen würde es auch an der Börse geben. Bei einem „geordneten“ Austritt Griechenlands mit einer relativ klaren Abwicklung könnte der Euro Stoxx 50 noch mal um zehn Prozent nachgeben, so die Société Générale. Verluste von bis zu 50 Prozent drohten bei einem „chaotischen“ Austritt.

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