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Euro-Krise Szenario für das D-Mark-Comeback

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Obergrenzen beim Umtausch

Der letzte Zentralbankrat der Bundesbank 2002, Mitte: Präsident Ernst Welteke, links: Vize Jürgen Stark

Alles schon passiert: Am 1. Juli 1990 wurden Löhne, Gehälter und Mieten 1:1 von Mark der DDR in D-Mark umgestellt. Sparguthaben und Bargeld wurden aber nur bis zu bestimmten Obergrenzen getauscht, gestaffelt nach Alter der Sparer.

Zur Währungsreform 1948 wurden die Guthaben der Sparer im Verhältnis 100:6,5 umgerechnet. Von 1000 Reichsmark Sparguthaben blieben 65 neue Mark. Schulden dagegen wurden im Verhältnis 100:10 umgestellt. Wer 1000 Reichsmark Schulden hatte, musste immer noch 100 D-Mark begleichen. Und wer eine Anleihe des untergegangenen Dritten Reiches hatte, konnte die Rückzahlung komplett vergessen.

Doch herrscht heute eine andere Situation. Deutschland ist weder zusammengebrochen wie die DDR und schon gar nicht von den Folgen des Krieges gezeichnet. Die Wirtschaft wächst, 2011 um 3,0 und 2012 laut OECD-Schätzung um 0,6 Prozent.

Staat muss korrigieren

Die alte Formel – ein Euro gleich 1,95583 Mark – würde nicht nur die Umstellung von Preisen erschweren. Würde Deutschland unterschiedlich umstellen, könnten Sparer teilweise enteignet werden. „Alles andere als eine 1:1-Umstellung von Guthaben und Schulden wäre eine rechtlich riskante Strategie“, sagt Schuster. „Das ist mit den Deutschen derzeit nicht zu machen“, sagt Max Otte, Wirtschaftsprofessor an der Karl-Franzens-Universität zu Graz, „je extremer die Verwerfungen aber werden und je länger das Endspiel um den Euro dauert, desto stärker muss der Staat korrigieren – und desto wahrscheinlicher wird die Reform.“ Im Zuge dieser könnte sich der Staat eines Teils seiner Schulden entledigen.

Auf den ersten Blick wäre eine Umstellung für deutsche Sparer harmlos: Wer Tagesgeld, Sparbuch oder Cash bei einer deutschen Bank hält, verliert bei einer 1:1-Umstellung kein Geld. Wer heute 1000 Euro Schulden und 100 Euro Guthaben hat, läge weiter mit 900 D-Mark im Minus.

Nicht mit einkalkuliert sind indirekte Gefahren: Banken droht bei einem Crash die Insolvenz – die Geldhäuser haben zu viele ausländische Staatsanleihen im Portfolio, die nicht mit Eigenkapital gedeckt sind.

Wechselkursverluste bei Staatsanleihen

Ein Gutteil des durch Banken angelegten Kapitals in fremder Währung wäre wegen der D-Mark-Aufwertung verloren: Angenommen eine deutsche Bank hält eine italienische Staatsanleihe. In Euro war diese 100 Prozent wert. Jetzt wertet die Lira zur D-Mark um 20 Prozent ab. Die Staatsanleihe wäre allein aufgrund des Wechselkursverlustes und unabhängig von der Wahrscheinlichkeit, ob Italien seine Schulden bedient, aus deutscher Sicht nur noch 80 Prozent wert. Den gleichen Effekt gäbe es auf Auslandskredite. Was heute noch Euro war, ist morgen Lira, Drachme und Peseta. Wertet die D-Mark um 20 Prozent auf, verteuert sich die Schuldenlast für Ausländer um 20 Prozent. Kredite würden reihenweise faul. Credit Suisse rechnet vor, dass europäische Banken mindestens 300 Milliarden Euro abschreiben müssten, schon wenn nur Griechenland, Irland, Portugal und Spanien den Euro verließen.

Auf massenhafte Bankpleiten aber sind die freiwilligen Einlagensicherungssysteme der Banken nicht ausgelegt.

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