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Europäische ZentralbankEZB gibt Startschuss für Überprüfung ihrer Strategie

Christine Lagarde hat eine strategische Überprüfung des EZB-Kurses angekündigt. In Sachen Geldpolitik bleibt jedoch unter der neuen Präsidentin der Europäischen Zentralbank zunächst alles beim Alten. 23.01.2020 - 14:48 Uhr

Auch unter der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde bleibt der Leitzins bei null Prozent.

Foto: dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt ihre geldpolitische Strategie auf den Prüfstand. Die Währungshüter gaben dazu am Donnerstag in Frankfurt auf ihrer ersten Zinssitzung im neuen Jahr den Startschuss. Details werde EZB-Chefin Christine Lagarde in Kürze bekanntgegeben, teilte die Notenbank mit. Die EZB hatte letztmalig vor 17 Jahren ihre Strategie überarbeitet. Lagarde, die seit November im Amt ist, hat bereits angekündigt, es werde jeder Stein umgedreht. Im Zentrum des Vorhabens dürfte das Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent stehen, das die Währungshüter schon seit Jahren verfehlen. Im Dezember lag die Teuerung im Euro-Raum lediglich bei 1,3 Prozent. Den Leitzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beließ die EZB erneut auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Für Notenbanken ist das Inflationsziel die alles entscheidende Größe. Denn ihre Aufgabe ist es, für stabile Preise zu sorgen. Was dies zahlenmäßig genau bedeutet, wird über das Ziel festgelegt. Zentral ist die Überlegung, dass die Verbraucher den Währungshütern auch zutrauen, dies zu erreichen und ihr Kaufverhalten entsprechend ausrichten. „Die Debatte über ein neues Inflationsziel ist überfällig“, kommentierte der Chefvolkswirt des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Klaus Wiener. Die EZB dürfe strukturelle Brüche wie die Globalisierung oder Digitalisierung, die für den moderaten Preisanstieg der vergangenen Jahre mitverantwortlich seien, nicht länger ignorieren.

Im Rahmen des Strategiechecks will die EZB außerdem die Wirksamkeit ihrer geldpolitischen Instrumente unter die Lupe nehmen. Lagarde hat zudem in Aussicht gestellt, dass breitere Themenfelder wie Klimapolitik, Technologiewandel oder Einkommensungleichheit behandelt werden sollen. Die ehemalige Chefin des Internationalen Währungsfonds (EZB) will dabei das EU-Parlament konsultieren und die Forschung sowie Vertreter der Zivilgesellschaft einbeziehen. Bis Ende 2020 soll die große Strategieüberprüfung abgeschlossen sein.

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Die EZB wird dabei voraussichtlich auch über den Atlantik schielen. Denn die US-Notenbank Fed ist schon seit einiger Zeit dabei, ihre Vorgehensweise zu durchleuchten. Ergebnisse werden um die Jahresmitte erwartet. Auch die Dollar-Wächter hatten zuletzt Schwierigkeiten, ihr Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Viele Experten sehen inzwischen Anzeichen dafür, dass die Zeiten hoher Inflationsraten in den großen Industriestaaten erst einmal nicht wiederkommen.


An ihrer ultralockeren Geldpolitik will die EZB festhalten. Die Schlüsselzinsen würden noch solange auf dem aktuellen oder einem tieferen Niveau liegen, bis sich die Inflationsaussichten wieder klar dem Inflationsziel annäherten, stellte sie in Aussicht. Die Euro-Notenbank hatte letztmalig im Jahr 2011 ihre Zinsen hochgesetzt. Der Schlüsselsatz zur Geldversorgung der Banken liegt bereits seit März 2016 bei 0,0 Prozent. Auch der Einlagensatz bleibt bei minus 0,5 Prozent. Geldhäuser müssen somit weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank über Nacht überschüssiges Geld parken.

Ein Enddatum für ihre in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe nannte die Notenbank erneut nicht. Diese sollen erst dann gestoppt werden, wenn die EZB kurz davor stehe, ihre Zinsen zu erhöhen. Einnahmen aus fällig werdenden Titeln will sie auch nach einer Zinsanhebung noch für längere Zeit in Anleihen reinvestieren. Die EZB hatte die Anleihenkäufe wegen der Konjunktureintrübung im November wieder aufgenommen. Monatlich sollen Titel im Volumen von 20 Milliarden Euro erworben werden. Zuvor hatten die EZB und die nationalen Notenbanken bereits bis Ende 2018 Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von rund 2,6 Billionen Euro gekauft.

rtr
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