EZB Der digitale Euro ist Unsinn

Der digitale Euro wird ein Rohrkrepierer. Quelle: dpa

Die EZB arbeitet mit Hochdruck an digitalem Zentralbankgeld und will damit ein Bollwerk gegen Bitcoin und Co. schaffen. Überzeugen wird der digitale Euro weder Normalbürger noch Krypto-Fans. Ein Kommentar.

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Im Frankfurter Elfenbeinturm der Geldpolitik scheint der Realitätssinn gelegentlich verloren zu gehen. Mit viel Tamtam arbeitet die Europäische Zentralbank (EZB) gerade an einem schleierhaften Projekt: Dieser Tage beginnen die Währungshüter die Vorbereitungen für den digitalen Euro. Ein Projekt, das wahrscheinlich als Rohrkrepierer verkommen wird.

Mancher wird nun denken: Den digitalen Euro gibt’s schon längst, schließlich kann man an der Supermarktkasse bequem mit der EC-Karte zahlen. Tatsächlich aber handelt es sich dabei bloß um einen digitalen Zahlvorgang, die Zahlung ist am Ende des Tages nur eine Forderung des Kontoinhabers gegenüber seiner Bank. Der digitale Euro hingegen soll wie Bargeld funktionieren – von der Zentralbank ausgegeben und damit sicher. Zwischen Käufer und Verkäufer würde keine Zwischeninstanz wie eine Bank mehr stehen.

Was auf den ersten Blick wie eine notwendige Entwicklung in Zeiten digitalen Bezahlens erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen jedoch als Unsinn. Um die Banken zu besänftigen, muss die EZB wohl harte Kompromisse eingehen. Die deutschen Institute fordern, dass es eine Obergrenze für den Besitz von digitalen Euros geben müsse, damit im Fall einer Finanzkrise nicht plötzlich alle Kunden ihre Konten leerräumen und umschichten. Im Gespräch ist ein Limit von 3000 Euro. Nur: Was bitte bringt sicheres Zentralbankgeld, wenn die Bürger nur überschaubare Summen in digitalen Euros halten dürfen?

Die EZB macht bei der Einführung einer eigenen Digitalwährung Ernst, eine Abschaffung des klassischen Bargelds ist aber nicht geplant. Die wichtigsten Antworten.
von Felix Petruschke

Abhängigkeit von Paypal und Co. reduzieren

Mit dem digitalen Euro will die EZB auch die Abhängigkeit von von Zahlungsdienstleistern wie Paypal, Klarna und Co. reduzieren. Der Markt für digitale Zahlungen liegt quasi komplett in der Hand von privaten Unternehmen – und nicht immer ist der Datenschutz dort einwandfrei. Es besteht die Gefahr, dass private Daten bei Dritten landen. Klar, wer komplett anonym zahlen will, kommt an Bargeld nicht vorbei. Eine Alternative zu privaten Payment-Anbietern aber ist durchaus begrüßenswert. Auch Zahlungen im Ausland könnte ein digitaler Euro vereinfachen. Mit der Girokarte kann man nicht überall in der EU gebührenfrei Geld abheben. Mit dem digitalen Portemonnaie würden diese Probleme aus der Welt geschafft.

Nur: Die Zielgruppe dürfte überschaubar sein. Die Deutschen lieben weiterhin ihr Bargeld, und zwar echtes. Und selbst digital-affine Verbraucher müssten erstmal davon überzeugt werden, mit einer elektronischen Geldbörse auf dem Smartphone (Wallet) statt der Girokarte oder über Zahlungsdienstleister zu zahlen.

Schneller schlau: Kryptowährungen

Die Erfolgsaussichten sind fraglich, der Mensch schließlich ein Gewohnheitstier. Der Normalbürger hat sich an Paypal und Co. gewöhnt. Auch Bedenken zu Sicherheit und Datenschutz werden die Anbieter so schnell sicher nicht in die Bedeutungslosigkeit drängen.

Mit dem digitalen Euro will die EZB auch den Siegeszug von Kryptowährungen wie dem Bitcoin aufhalten – und beweist damit eine ganz schöne Hybris. Der Bitcoin wurde als Bollwerk gegen das staatliche Geldsystem lanciert. Echte Krypto-Fans würden also nicht einen Cent mehr als nötig der Zentralbank anvertrauen.

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Bis Bürger den digitalen Euro nutzen können, werden wohl noch Jahre vergehen. Und sollte das Projekt doch noch beerdigt werden, dürfte wohl kaum jemand traurig sein.

Lesen Sie auch: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum digitalen Euro

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