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EZB-Zinsentscheid Sparer sind die Verlierer der Zinssenkung

EZB-Chef Mario Draghi hat die Leitzinsen auf das niedrigste Niveau seit der Euroeinführung gesenkt. In diesem Zusammenhang warnen Experten vor der Gefahr einer Immobilienblase in Deutschland.

Die EZB macht das Geld im Euroraum so billig wie nie zuvor. Häuslebauer dürfen auf noch günstigere Kredite hoffen, viele Sparer schauen aber in die Röhre. Helfen soll der Schritt vor allem den Krisenländern Europas. Quelle: dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf die um sich greifende Konjunkturschwäche in der Euro-Zone reagiert und den Leitzins von den ohnehin geringen 0,75 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt. So niedrig lag der Schlüsselzins noch nie seit Einführung des Euro. An den Finanzmärkten war in den vergangenen Tagen schon auf eine Zinssenkung spekuliert worden. Denn immer mehr Konjunkturdaten auch aus Kernländern wie Frankreich und Deutschland waren schwächer ausgefallen. Außerdem hat der Teuerungsdruck nachgelassen. Da aktuell somit keine Inflationsgefahr droht, hatte die EZB sehr viel Spielraum.

Fragen und Antworten zum EZB-Zinsentscheid

Viele haben die Zinssenkung herbeigesehnt. So begrüßte beispielsweise KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner die Entscheidung mit den Worten: "Die EZB denkt europäisch." Maxence Mormede, Leiter Rentenmanagement Deutschland von Allianz Global Investors, ergänzte, die EZB habe ihre Hausaufgaben erledigt: "Jetzt haben die Krisenländer die einmalige Chance, sich zu reformieren. Das ist jetzt viel einfacher umzusetzen als in Phasen mit hohen Zinsen."

Nur die Sparkassen, Genossenschaftsbanken und die deutsche Versicherungswirtschaft hatten bereits in den vergangenen Tagen vor möglichen negativen Folgen gewarnt. Denn sie gehören, wie auch die deutschen Sparer, zu den großen Verlierern der Zinssenkung. Die Einlagen auf den Sparkonten werfen künftig noch weniger ab. Liegt der gebotene Zins unter der Inflationsrate, wird ein Teil des auf dem Konto ruhenden Vermögens von der Geldentwertung aufgefressen.

Die Sparneigung der Deutschen fiel im April auf einen historischen Tiefstand, wie die Gesellschaft für Konsumforschung in einer Umfrage herausfand. Kein Wunder, dass Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon bereits vor dem Zinsbeschluss warnte: "Noch mehr und noch billigeres Geld vermindert den Anreiz zum Sparen." Das Geschäftsmodell der Sparkassen, Spareinlagen als Kredite auszureichen, ist zwar stabil. Die Niedrigzinspolitik der EZB hinterlässt Experten zufolge aber zunehmend Spuren in der Bilanz der Geldhäuser.

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