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Faber, Gross & Co. Die Zinstricks der Starinvestoren

Seit Jahren stehen die Anleihemärkte unter der Fuchtel der Notenbanken. Bill Gross, Marc Faber und Co. über die richtige Strategie für Zinsanleger und die Wettbewerbsfähigkeit der USA.

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Jedes Jahr versammeln sich die berühmtesten Börsenexperten der Welt an einem runden Tisch. Im dritten Teil des Roundtable-Gesprächs geht es abschließend um die richtige Strategie am Rentenmarkt. Mit Bond-König Bill Gross (ganz rechts) diskutieren Value-Investor Scott Black, Kult-Investor Marc Faber und Tech-Experte Fred Hickey (von links nach rechts) Quelle: Brad Trent

WirtschaftsWoche: Bill, welche Strategie fährt der größte Anleiheinvestor der Welt? Können wir uns bei fünfjährigen Anleihen parallel zur abnehmenden Restlaufzeit auf einen Anstieg der Kurse einstellen?

Bill Gross: Das ist unsere Strategie – den sogenannten Roll-down-Effekt zu nutzen.

Der entsteht, wenn sich die Laufzeit von Anleihen verkürzt: Wird aus einer fünfjährigen Anleihe im Zeitablauf eine vierjährige, so entsteht automatisch durch die Abschmelzung der Laufzeit ein Kursgewinn. Je steiler die Renditekurve ist, auf der ein Anleger herunterrutscht, umso größer ist dieser automatische Kursgewinn.

Gross: Aktuell ist die Zinsstrukturkurve sehr steil. Die Renditen am kurzen Ende liegen bei nur 0,25 Prozent, aber bei stolzen 3,75 Prozent am langen Ende. In den Erwartungen der Anleger ist folglich eine kräftige Erhöhung der Leitzinsen berücksichtigt. Wenn die Anleger falsch liegen...

...die Renditen also eher stagnieren...

Gross: ...dann wird die Roll-down-Strategie funktionieren.

Papiere mittlerer Laufzeit, die noch einen relativ hohen Kupon bieten, werden also dann im Kurs anziehen. Welche Laufzeiten sind am attraktivsten?

Gross: Am meisten Chancen, wenn die Kurve steil bleibt, aber auch das höchste Risiko, wenn sie abflacht, liegen bei fünf- bis sechsjährigen Laufzeiten. Eine Strategie, bei der man in kurz- und langfristige Papiere investiert, jedoch nicht in mittelfristige, ist weniger riskant, aber die Renditen sind geringer. Wir bevorzugen fünfjährige Anleihen.

Marc Faber: Ich habe zehnjährige Staatsanleihen gekauft, als die Renditen auf drei Prozent gingen. Mittelfristig könnten die Renditen auf 2,0 Prozent fallen...

...und damit die Kurse steigen...

Faber: ...denn ich glaube nicht an diese großartige Erholung der US-Konjunktur. Sie wird nach unten drehen, und die Anleiherenditen werden fallen.

Gross: Private Anleger brauchen von den Notenbanken eine Orientierungshilfe, um ihre Finanzierungskosten abschätzen zu können – und um hoffen zu können, dass sie mit Anleihen wieder Geld verdienen. Nur dann werden Investoren künftig anstelle der Fed Bonds kaufen. Im Mai, als die Fed die Drosselung ihrer Kaufprogramme andeutete, kam es zu Marktstörungen. Wenn die Anleger den Zentralbanken und ihren Prognosen nicht glauben, drohen weitere.

"Das Problem ist die Vielzahl von Facebook-Genies"

Die größten Pleitestaaten der Welt
Norwegische Insel Quelle: dpa
Reichstag Quelle: dpa
Gracht in Amsterdam Quelle: AP
Akropolis Quelle: AP
Brunnen am österreichischen Parlamentsgebäude Quelle: dpa
Schweizer Flagge Quelle: dpa
Big Ben und Westminster Abbey Quelle: REUTERS

Werden Private in die Bresche springen?

Gross: Ich gehe davon aus. In dem Film Peter Pan verstreut Tinker Bell Elfenstaub und fragt: „Glaubt ihr?“ Die von den Zuschauern erwartete Antwort lautet: „Wir glauben.“ Wir können diese Märchenwelt erst wieder verlassen, wenn die Arbeitslosigkeit unter 6,5 Prozent gefallen ist und die Wirtschaft nachhaltig wächst.

Fred Hickey: Gelddrucken ist ein Lösungsansatz, den man seit Tausenden von Jahren immer wieder versucht hat. Wie oft ist ein glücklicher Ausstieg gelungen?

Gross: Ich bin kein Fan von Papiergeld, aber es gibt Beispiele für erfolgreiche geldpolitische Straffungsmanöver.

Hickey: Wie oft kann man Gelddruckmaschinen ohne Schaden ein- und abschalten?

Gross: In den letzten Jahrhunderten gab es nicht viele Gelddruck-Episoden vergleichbarer Größe. Sie sind nie besonders gut ausgegangen, wobei diesmal das Timing ja noch nicht feststeht. Wenn Hedgefonds und Investmentbanken auf die Verfügbarkeit von Liquidität vertrauen und die Finanzierungskosten für tragbar halten, wird das System weiter funktionieren.

Scott Black: Die Schulden der USA liegen bei 17 Billionen Dollar. Angenommen, die Zinssätze steigen um 250 Basispunkte. Sind Zusatzzinskosten von 425 Milliarden Dollar für die US-Wirtschaft tragbar?

Gross: Die Regierung kann sich das leisten. Ihre durchschnittlichen Zinskosten liegen bei zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wenn man die verdoppelt, was nicht auf einmal geschehen würde, würde das Defizit um zwei Prozent steigen. Damit können die USA klarkommen. Aber kann sich eine junge Familie, die ein Haus will, sechs Prozent Hypothekenzins leisten?

In Arbeit
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Die Frage ist, was Amerika sich überhaupt noch leisten kann.

Gross: Die Industriebeschäftigung muss zunehmen. Wir können uns gegenseitig Massagen geben oder die Haare machen. Aber wir müssen auch Dinge bauen, die wir verkaufen können.

Faber: Die Chinesen produzieren heute bessere Baumaschinen als Deere und Caterpillar. In Shanghai habe ich einen Taucher getroffen, der Plattformen und Pipelines repariert. Er hat einen Halbtagsjob und verdient 180.000 Dollar im Jahr. Es gibt eine Menge Jobs, die gutes Geld bringen, aber wenige Amerikaner bringen die Qualifikation mit. Das Problem in Amerika ist die Vielzahl von Facebook-Genies, die den ganzen Tag herumsitzen und ihr eigenes Bild bewundern.

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