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Familienplanung Ein Kind kostet 126.000 Euro

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Was taugen die Zahlen?

Bleibt allerdings die Frage, welche Aussagekraft diese Zahlen haben. Allein die Tatsache, dass seit der Befragung rund sechs Jahre vergangen sind lässt darauf schließen, dass die tatsächlichen Ausgaben der Eltern noch mal gestiegen sind. Zum Vergleich: zwischen der vorherigen Stichprobe 2003 und der in der Studie aufgearbeiteten Daten legten die Ausgaben von Paaren für Kinder um mehr als sechs Prozent zu.

Selbst das Statistische Bundesamt schränkt ein: "Es sei darauf hingewiesen, dass diese errechneten Ergebnisse keinesfalls gleichgesetzt werden können mit den Lebenshaltungskosten für Kinder insgesamt". Zum einen fehlten Ausgaben, welche nicht in den Konsumbereich fallen, wie finanzielle Vorsorge oder Versicherungen. Ein Beispiel: insbesondere Familien sollten über den Abschluss einer Risikolebensversicherung nachdenken, um für den Fall des Todes eines Partners abgesichert zu sein. Das wird vor allem wichtig, wenn gemeinsam größere Vermögenswerte gekauft werden, wie eine Immobilie.

Welchen Einfluss Kinder auf den Konsum ihrer Eltern haben
Die KidsVerbraucherAnalyse (KidsVA) befasst sich bereits zum dritten Mal in Folge mit dem Medien- und Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 13 Jahren. Die Studie bildet die Kaufentscheidungen von insgesamt 5,92 Millionen Kindern und deren Eltern in Deutschland ab. Eines der zentralen Ergebnisse: Die Kinder haben ein sehr großes Mitspracherecht: Bei Anschaffungen der Eltern fürs Kind wird der Nachwuchs meist selbst gefragt - seien es nun Spielsachen, Kleidung oder Möbel. Quelle: dpa
„Kinder sind in den Familien in allen wichtigen Entscheidungen, die ihre Freizeit- und Konsumwelt betreffen, stark eingebunden. Zusätzlich besitzen sie ein hohes Maß an Autonomie und weiterhin eine hohe finanzielle Ausstattung. Zu diesen Faktoren kommt hinzu, dass bei den Kindern das Markenbewusstsein steigt sowie die Bereitschaft der Eltern, deren Wünsche weitgehend zu erfüllen. Junge Zielgruppen bleiben damit für die Wirtschaft wertvolle Ansprechpartner“, sagt Ingo Höhn, Geschäftsleiter der Egmont MediaSolutions. Quelle: dpa
Auch bei der Urlaubsplanung und der Freizeitgestaltung haben Kinder volles Stimmrecht. So dürfen 86 Prozent der sechs- bis 13-Jährigen mitreden, was die Familie gemeinsam unternimmt und nehmen Einfluss auf Ausflüge in Zoos, Freizeitparks oder zu kulturellen Veranstaltungen. Quelle: dpa
Der hohe Freiheitsgrad zeigt sich zudem in finanzieller Hinsicht: 81 Prozent können frei über ihr Taschengeld verfügen. Die Summe, die den Kindern dabei zur Verfügung steht, hat mit durchschnittlich 27,56 Euro im Monat zum Vorjahr nochmals geringfügig zugenommen (38 Cent). Quelle: dpa
Hinzu kommt Bares an Weihnachten (durchschnittlich 80 Euro), zum Geburtstag (durchschnittlich 64 Euro) sowie bei einigen auch zu Ostern (durchschnittlich 25 Euro). Erstmals erhoben wurde, ob den Kindern zwischendurch etwas Geld zugesteckt wird. Hier sind zwei von drei Großeltern oder andere Verwandte bei Besuchen spendabel. Quelle: dpa
40 Prozent der Eltern lassen auch mal etwas für gute Schulnoten springen und 23 Prozent bekommen Geld fürs Helfen im Haushalt. Ausgegeben wird das Taschengeld für Süßigkeiten, Zeitschriften sowie Essen und Trinken unterwegs. Quelle: dpa
Ebenso erhalten schon mehr als die Hälfte der Vorschulkinder (55 Prozent) eigenes Taschengeld. Hier sind es durchschnittlich 10,68 Euro im Monat (Vorjahr 14,26 Euro). Spendabel zeigt sich auch der Weihnachtsmann mit 79 Euro, zum Geburtstag gibt es 61 Euro und der Osterhase legt 25 Euro ins Nest. Allerdings ist der Anteil der Kinder, die zu diesen Gelegenheiten Geld bekommen, deutlich geringer als bei den Älteren. Jeder zweite Vorschüler bekommt zudem bei Verwandtschaftsbesuchen etwas zugesteckt, um sich kleine Wünsche zu erfüllen. Quelle: dpa

Was wäre wenn

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Kalkulation fehlt bei den Statistikern und wird auch von anderen gerne unterschlagen - die Opportunitätskosten. Wie hoch sind die Einbußen für das Haushaltseinkommen, welche durch die reduzierte Arbeitszeit eines oder beider Elternteile entstehen? Gleichzeitig fehlt die staatliche Unterstützung in der Rechnung wie Kindergeld (monatlich 184 Euro für das erste Kind, bei zwei Kindern 368 Euro), Elterngeld (mindestens 300, maximal 1800 Euro monatlich, hängt von der Höhe des monatlichen Nettoeinkommens ab) oder Steuerfreibeträge.

Sicherlich können die Zahlen der Statistiker nicht mehr als ein Mittelwert sein. Dafür sind die individuellen Voraussetzungen zu unterschiedlich. Deutlich wird das beispielsweise am Kostenfaktor Wohnen. Während einzelne Paare dafür mit Kind nicht mehr ausgeben werden als ohne, kann dieser Faktor die Haushaltsbilanz gerade in teuren Großstädten wie München oder Frankfurt schon ziemlich durcheinander bringen. Konnte man sich als sogenannter DINK (Double Income no kids) die schicke Altbauwohnung in zentraler Lage locker leisten, weil sie nur zwei Zimmer hatte, sieht die Lage mit Kindern deutlich anders aus. Spätestens nach einem Jahr beansprucht der Filius mehr Platz für seine Spielsachen und Mama und Papa würden ihn auch gerne wieder aus dem Schlafzimmer ausquartieren. Aber eine Drei- oder Vier-Zimmer-Wohnung bedeutet eben nicht nur mehr Platz, sondern in der Regel auch eine um mindestens 200 Euro höhere Kaltmiete.

Standortfaktor

Eine Untersuchung aus den USA verdeutlicht die Bedeutung des Wohnorts für die Kinder-Kosten. Die Finanz-Webseite NerdWallet hat errechnet, welches die teuersten und die günstigsten Städte der USA sind, um Kinder großzuziehen. Und die Unterschiede sind groß. Während eine Kindheit in Memphis "nur" 208.000 Dollar kostet, fallen im exklusiven New Yorker Stadtteil Manhattan mehr als 540.000 Dollar an. Aber auch das Strandleben in San Francisco ist mit 402.000 Dollar nicht billig.

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