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Filmfonds Die Anleger verschlafen das Endspiel

Nach vielen Jahren und hohen Verlusten mit geschlossenen Filmfonds fordern Fondsinitiatoren und Fiskus noch Geld nach. Anleger zahlen resigniert. Dabei besteht Anlass zur Rebellion.

Filmfonds: Viele Anleger sind resigniert und verhindern so letztendlich ein mögliches Happy End. Quelle: Getty Images

Die Kunden des Fondshauses German Film Productions (GFP) sind Kummer gewohnt. Doch jetzt kommt es noch dicker: Anleger der GFP-Fonds II und III, die Filme wie „Hui Buh, das Schlossgespenst“ mit Michael „Bully“ Herbig oder „Zwei zum Fressen gern“ mit Christian Tramitz finanzierten, sollen erneut Geld überweisen – obwohl ihr Investment über zehn Jahre zurückliegt.
Es geht um 4,5 Prozent ihrer „Kommanditeinlage“, wie aus einem Schreiben der Fondsgeschäftsführer hervorgeht, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Viele Anleger müssen Tausende Euro nachzahlen – ohne Aussicht, davon viel zu haben.

Mit den neuen Forderungen schreibt GFP das jüngste Kapitel der an Pleiten, Pech und Pannen ohnehin nicht armen Geschichte rund um geschlossene Filmfonds. In der Boomphase zwischen 1998 und 2005 hatten sie laut Zahlen des Analysehauses Feri insgesamt mehr als zwölf Milliarden Euro eingesammelt. Mit dem Geld wollten die Fonds die Produktion einzelner Filme sicherstellen. Im Gegenzug sollten die Anleger am späteren Einspielergebnis, also den Einnahmen in Kinos, über DVD- und Fernsehverwertung, beteiligt werden.

Das wurde im ersten Halbjahr aus 100.000 Euro
Platz 20: Aktien VenezuelaDie Börse in Caracas ist winzig, nur wenige Aktien sind dort notiert und die Umsätze liegen oft bei nur ein paar tausend Dollar pro Tag. Internationale institutionelle Investoren meiden venezolanische Aktien. Die Inflation im Land galoppiert, der Versorgungsmangel eklatant, die Währung Bolivar ist auf Talfahrt. Anleger, die im Januar 100.000 Euro in den IBC-Index investierten, haben so jetzt nur noch 54.320 Euro. Im Vorjahr hatten sich die Kurse noch mehr als vervierfacht.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten. Quelle: Reuters
Platz 19: Aktien ChinaDie Wirtschaft in China macht Anlegern seit über einem Jahr Sorgen. Die Börse stürzte entsprechend weiter ab. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandschinas erfasst, brach um 15,6  Prozent ein. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro leicht abwertete blieben Anlegern von 100.000 Euro nur 80.900 Euro übrig.   Schlusstand 30.6.2016,  Angaben ohne Transaktionskosten. Quelle: Reuters
Platz 18: Aktien Euro-ZoneDer Jahresauftakt an Europas Börsen war schon ein Horror, dann kam noch das Debakel um den Brexit hinzu. Die Folge: Die Aktien in der Euro-Zone notieren tief im Minus. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Leitindex Euro Stoxx 50 investierte, verfügt angesichts des Minus von 12,3 Prozent jetzt nur noch über 87.670 Euro. Am schlimmsten erwischte es dabei Anleger in Italien – der FTSE MIB 100 Index verlor fast ein Viertel seines Wertes.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten. Quelle: REUTERS
Platz 17: Britisches PfundInvestoren haben die britische Währung nach dem Brexit-Votum regelrecht heruntergeprügelt. Schon vorher litt es deutlich, am Tag nach der Bekanntgabe des Referendums stürzte es dann zum US-Dollar um bis zu knapp 14 Prozent und zum Euro um mehr als acht  Prozent ab. Zur US-Währung liegt das Pfund auf dem niedrigsten Stand seit über 30 Jahren. Zum Euro liegt das Pfund „nur“ auf dem niedrigsten Stand seit rund zwei Jahren. In diesem Jahr wurden aus 100.000 in Pfund angelegten Euro 88.620 Euro.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: dpa
Platz 16: Aktien DeutschlandAuch Aktienanleger in Deutschland hat bislang kein schönes Jahr. Gleich zu Beginn des Jahres stürzte der Leitindex Dax ab. Danach erholte er sich zwar – machte die Verluste vom Jahresanfang aber nie ganz wett. Der Brexit-Schock setzte dem Dax dann erneut zu. Aus 100.000 im Dax investierten Euro sind innerhalb von sechs Monaten nur noch 90.110 Euro geworden.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: AP
Platz 15: Aktien SchweizAuch die Aktien der Schweiz gingen auf Talfahrt. Der Franken legte dabei zum Euro nur ganz leicht zu. Im vergangenen Jahr hatte er kräftig aufgewertet, nachdem die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs für den Franken aufgegeben hatte. Von daher machten Anleger mit Franken in diesem Jahr keine Währungsgewinne. Von 100.000 Euro blieben 91.320 Euro übrig.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: Reuters
Platz 14: Aktien GroßbritannienDas Brexit-Votum hat der britische Leitindex rasch verkraftet.  Der Leitindex „Footsie“ war zwar am 24. Juni heftig eingebrochen, holte die kurzfristigen Verluste dann aber wieder auf. Trotzdem sind Experten skeptisch, da wegen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU eine lange Phase der Ungewissheit droht. Dennoch notiert der Footsie auch auf Halbjahressicht 4,2 Prozent im Plus. Da der Euro jedoch zum Pfund kräftig zulegte, machten Euro-Anleger, die ihre Positionen nicht absicherten, einen Verlust von 8,01 Prozent und hatten bei einer Anlagesumme von 100.000 Euro so nur noch 91.990 Euro auf dem Konto.   Schlusstand 30.6.2016, Angaben ohne Transaktionskosten Quelle: Reuters

Steuervorteile verloren, Erträge schwach

Doch von Anfang an stand die Rechnung für Anleger auf wackligen Beinen. Bei vielen Modellen spielte es kaum eine Rolle, ob nachhaltige Erträge erzielbar waren: Anleger hatten es allein auf hohe Steuervorteile abgesehen. Ihre Investition ließ sich steuerlich als Anfangsverlust mit anderen Einkünften verrechnen. Das sollte oft Steuerrückzahlungen von fast der Hälfte der investierten Summe bringen. Vor allem Freiberufler vom Zahnarzt bis zum Anwalt setzten auf Filmfonds und schoben so – mit Gruß vom deutschen Steuerzahler – die US-Filmindustrie an. Rund 80 Prozent der Gelder flossen in die USA, wo sie mit ungläubigem Achselzucken als „stupid german money“ gerne genommen wurden.

Es kam, wie es kommen musste. Wer sich bei der Geldanlage auf den deutschen Fiskus verlässt, der ist oft verlassen. 2005 verschärfte die Bundesregierung die Steuergesetze und stoppte so für die Zukunft das Spiel mit den Anfangsverlusten. In der Folge wurden kaum noch Filmfonds aufgelegt. In etlichen Fällen – zum Beispiel bei Fonds der großen Anbieter Apollomedia, Equity Pictures oder Cinerenta – haben Finanzämter aber auch für frühere Fonds nachträglich die hohen Steuervorteile aberkannt.

Besonders eklatant war der Fall des Marktführers VIP aus München, der für seine zwei größten Fonds in den Jahren 2003 und 2004 fast 700 Millionen Euro bei rund 11.000 Anlegern eingesammelt hatte. Auch hier erkannte der Fiskus Steuervorteile ab, weil die VIP-Verantwortlichen rechtliche Vorgaben nicht eingehalten hatten. Der Bundesgerichtshof verdonnerte Gründer und Firmenchef Andreas Schmid deshalb 2007 sogar zu sechs Jahren Gefängnis – wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Aus der Filmverwertung selbst sprang bei den meisten Fonds noch weniger heraus als versprochen. Heute wären die Anleger daher froh, sie hätten ihr Geld nur an der Kinokasse, nicht auch noch in den Filmfonds gelassen. Viele haben ihr Investment abgeschrieben und wollen sich damit nicht mehr befassen. Ein neuer Fehler: Nicht nur, dass das letzte Wort in Steuerfragen noch nicht überall gesprochen ist; zahlreiche Finanzgerichtsprozesse laufen noch. Auch die aktuellen Geldforderungen sollten die Anleger aufschrecken, denn sie stehen teils juristisch auf dünner Grundlage. Doch zur Rebellion sind die Filmfondsanleger offenbar nicht mehr bereit und geben – anders als im Hollywood-Streifen – einem Happy End in aussichtsloser Lage keine Chance mehr.

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