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Finanzbranche Die Renaissance der Hedgefonds

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Ein Erfolgsrezept der Hedgefonds: die marktneutrale Strategie

Nur: Dass er europäische Aktien in großem Stil leerverkauft hat, muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass er fallende Kurse erwartete. Eine beliebte Hedgefonds-Strategie ist es etwa, auf den „relativen Wert“ zu wetten. Dabei setzen die Manager darauf, dass sich eine Anlageklasse relativ zu einer anderen besser entwickelt. Dalio etwa könnte die europäischen Aktien leerverkauft, im Gegenzug aber amerikanische Titel gekauft haben. Setzt er in beiden Positionen die gleiche Summe ein, ist nur die Differenz zwischen der erhofft besseren Kursentwicklung amerikanischer Aktien und der schlechteren Kursentwicklung europäischer Aktien sein Ertrag.

Der Charme: Es ist denkbar, dass beide Aktienmärkte fallen und der Hedgefonds trotzdem einen Gewinn erzielt. Fallen europäische Aktien um zehn Prozent, steigt die Leerverkaufsposition um diese Rate, weil der Fonds die Aktien nun günstiger zurückkaufen kann. Angenommen, gleichzeitig fallen auch US-Titel, aber nur um fünf Prozent, bleibt dem Hedgefonds immer noch ein Ertrag. Seine Position, die auf steigende Kurse setzt, verlöre dann zwar fünf Prozent. Das würde der erfolgreiche Leerverkauf aber überkompensieren.

Deswegen nennt man solche Ansätze auch marktneutrale Strategie. Ob die Kurse insgesamt steigen oder fallen, ist unwichtig. Entscheidend ist die relative Wertentwicklung. Mit solchen Methoden schafften es Hedgefonds in der Vergangenheit, in schwierigen Börsenphasen eine bessere Rendite zu erzielen als Fondsmanager, die nur auf steigende Kurse setzen dürfen. In der Baisse nach dem Platzen der Dotcom-Blase etwa hat sich der reine Aktienindex MSCI World halbiert. Der Hedgefonds Index von Barclay hingegen legte sogar leicht zu. Auch in der Finanzkrise schnitten die Hedgefonds besser ab als der Gesamtmarkt.

Magere Rendite der Milliardäre: Die 20 wichtigsten Hedgefondsmanager und ihre Bilanz

Die Kehrseite ist, dass sie in guten Börsenphasen der Marktentwicklung nicht folgen können. Frank Dornseifer, Geschäftsführer des Bundesverbands Alternative Investments, fasst das so zusammen: „Hedgefonds sollen auch Verluste begrenzen. Deswegen ist es nicht ungewöhnlich, dass sie in guten Börsenphasen etwas Rendite abgeben.“ Dornseifer aber ist optimistisch. „Innerhalb der nächsten drei Jahre werden wir wieder eine bessere Entwicklung des Sektors sehen.“ Das scheinen auch Investoren zu erwarten: Wie der Branchendaten-Anbieter Preqin berichtet, sind im ersten Quartal des laufenden Jahres 17 Milliarden Dollar netto neu in Hedgefonds geflossen. „Nach einer langen Phase, in der das Vertrauen der Investoren niedrig war, erlebt die Hedgefonds-Industrie nun eine Renaissance“, kommentiert Amy Bensted, die die Hedgefonds-Sparte von Preqin leitet. Viele Investoren sähen den seit dem Ende der Finanzkrise währenden Bullenmarkt nahe an seinem Ende.

Das wäre sicherlich auch für den gefallenen Fondsmanager-Star Paulson eine gute Nachricht. Aktuell werkelt er an einem Beteiligungsverkauf. 2013 hatte er sich den Nobel-Piano-Hersteller Steinway & Sons gekauft. An dem Flügelbauer seien Investoren aus China interessiert, hieß es jüngst. Eine halbe Milliarde Dollar musste Paulson einst für Steinway berappen. Sehr wahrscheinlich würden die Chinesen deutlich mehr bezahlen. Es wäre nach langer Zeit mal wieder ein richtig gutes Geschäft für Paulson – ganz ohne fallende Kurse.

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