Fondsgebühren Wir sollten Londons Beispiel folgen

In Großbritannien zahlen Anleger für Fonds bald nur noch die Hälfte. Deutschland sollte folgen, sonst werden diese hierzulande überflüssig.

Wie viel Dividende die Konzerne zahlen
Dax-Werte Quelle: dapd
Adiddas Quelle: dapd
AllianzDer Versicherungsriese Allianz will an der Dividendenhöhe nicht rütteln und wie im Vorjahr 4,50 Euro je Aktie ausschütten. Angesichts der niedrigen Bewertungen der Finanzwerte an der Börse ist die Dividendenrendite relativ hoch: knapp 5,0 Prozent. Hauptversammlung ist am 9. Mai. 100 Prozent der Allianz-Aktien sind im Streubesitz. Auch hier hält die BlackRock Inc. mehr als fünf Prozent der Anteile. Zum aktuellen Kurs-Chart Quelle: dapd
BASFDer Chemiekonzern hat vom Aufschwung profitiert und will die Dividende von 2,20 Euro im Jahr 2011 in dieser Dividendensaison auf 2,50 Euro je Aktie erhöhen -das ist mehr als erwartet. Die Dividendenrendite läge dann bei 3,81Prozent (gemessen am Kurs vom 5.3.2012). Über den Dividendenvorschlag stimmen die Aktionäre am 27. April ab. BASF ist das DAX-30-Unternehmen mit dem zweithöchsten Privatanlegeranteil in Deutschland. Rund ein Viertel der Aktien sind in Privathand. Größter Einzelaktionär ist – richtig - BlackRock Inc. mit 5,35 Prozent. Zum aktuellen Kurs-Chart Quelle: dpa
Bayer Quelle: dpa
Beiersdorf Quelle: AP
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Deutsche Bank Quelle: dpa
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E.On Quelle: dapd
Fresenius Medical Care (FMC) Quelle: dapd
Fresenius Quelle: dapd
HeidelbergCement Quelle: dapd
Henkel (Vz.) Quelle: Pressebild
Infineon Quelle: dpa
K+S Quelle: AP

Wird der Kampf um die Kunden richtig hart, fallen auch im Finanzgewerbe die Preise. Die Briten führen ab dem 1. Januar 2013 ein neues Bezahlmodell beim Verkauf von Finanzprodukten ein, das dem Anleger dient. Alle Berater bekommen künftig vom Kunden ein Honorar, sie dürfen von Produktproduzenten (zum Beispiel Fondsgesellschaften) keine Provisionen mehr kassieren. Das geht viel weiter als die deutschen Regeln, die Kosten durchschaubar machen wollten, sie tatsächlich aber nur im Kleingedruckten unterbringen.

Briten wie Deutsche zahlen für Aktienfonds bisher jährlich 1,5 bis 2,0 Prozent Verwaltungsgebühren pro Jahr. Künftig bekommen die Briten viele neue Fonds für 0,75 Prozent. Das sind keine Peanuts: Wer 10.000 Euro über zehn Jahre anlegt, hat bei vier Prozent Rendite am Ende 1630 Euro mehr, wenn er statt 2,0 nur 0,75 Prozent Gebühr zahlt. Die Fonds müssen auch bei uns etwas tun, sonst machen sie sich selbst überflüssig. Von den in Deutschland erhältlichen 276 weltweit anlegenden Aktienfonds, die seit zehn Jahren auf dem Markt sind, erzielten in dieser Zeit nur 22 mehr als drei Prozent Plus pro Jahr. Im Schnitt lieferten sie seit 2002 jährlich minus 0,8 Prozent. Mit halb so hohen Kosten hätte mancher nicht so enttäuscht. Die Fondsbranche schob den Schwarzen Peter für den Griff in die Kasse gerne dem gierigen Vertrieb zu. Fondsgesellschaften bezahlen die Finanzverkäufer, und die forderten einen immer höheren Anteil. Bluten musste letztlich der Anleger. Die Vertriebstruppen nehmen heute als Verkaufsprovision den Ausgabeaufschlag (oft fünf Prozent) und etwa die Hälfte der jährlichen Verwaltungsvergütung, also 0,75 bis 1,0 Prozent.

Saubere Trennung: Honorar und Provision

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Die Briten trennen nun Fondsverkauf und Fondsmanagement sauber. Der Kunde zahlt für die Beratung, im Gegenzug kassiert der Berater keine Provision vom Fonds. Finanzberater werden Fonds nicht mehr nur deshalb anbieten, weil sie von der einen Fondsgesellschaft eine höhere Provision bekommen als von der anderen. Im Idealfall würden Anleger nicht mehr mit schlechten Fonds belästigt. Auf Deutschland übertragen hieße dies: Berater würden auch mal Bundesschatzbriefe oder Dax-Aktien empfehlen, obwohl deren Emittenten (der Bund oder die Dax-Unternehmen) null Provision zahlen. Doch so weit ist es hierzulande noch nicht.

Der Finanzverkauf wurde zwar strenger reglementiert, an der Provisionsschieberei aber nicht gerüttelt. Und das Kleingedruckte liefert längst nicht alle Informationen. In den Jahresdepotauszügen der Deutschen Bank etwa heißt es, dass sich die „Anlageberatung auf die Angebotspalette der Deutschen Bank beschränkt“. Dass diese Palette neben Fonds der Deutsche-Bank-Tochter DWS auch solche etwa von Blackrock, Morgan Stanley oder Pictet umfasst, steht dort nicht ausdrücklich. Es ist aber so: Weil diese Fremdanbieter lukrative Provisionen zahlen, verkaufen Berater der Deutschen Bank eben auch weiterhin deren Fonds.

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