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Fondskosten So drücken Anleger gezielt ihre Fondskosten

Quelle: imago images

In Kürze werden Banken und Fondsgesellschaften erstmals die „Jährliche Kosteninformation“ an all ihre Anleger verschicken. Wer feststellt, dass die Kosten die Rendite zu stark belasten, kann viel dagegen tun.

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Im April wird abgerechnet: Millionen Anleger mit einem Depot bei Banken oder Fondsgesellschaften bekommen erstmals eine genaue Auflistung der Kosten, die an ihrer Rendite nagen. Sie sehen, wie teuer der Kauf und das Halten von Wertpapieranlagen in Euro und Cent ist. Die offiziell „Jährliche Kosteninformation“ genannten Schreiben verdanken Anleger der Europäischen Union. Sie hat für die schonungslose Offenlegung aller Kosten lange mit der Finanzbranche gerungen und sie in einer erweiterten Wertpapierdienstleistungsrichtlinie (Mifid II) durchgesetzt. Die neuen Regeln könnten langfristig dazu führen, dass die Branche weniger Geld vom Anleger verlangt, wenn der aufgeklärte Kunde günstigere Produkte wählt und damit aus seinem angelegten Geld mehr für sich herausholt. Jetzt gibt es die Informationen erstmals für die im Jahr 2018 entstandenen Kosten.

Wer sich nie zuvor mit den Geldanlagekosten beschäftigt hat, der wird mitunter durch die komplizierten Begriffe und die detaillierte Aufstellung erschlagen. Es gibt eben sehr viele Stellen, die an den Geldanlagen mitverdienen (siehe Grafik). Bezahlt sind die Gebühren längst. Auf den Anleger kommen keine neuen Kosten zu. Auch in Wertentwicklungs- und Performancevergleichen für das Depot oder für einzelne Finanzinstrumente wurden die Abzüge schon 2018 berücksichtigt. Neu ist jetzt die Transparenz und Tiefe bei den veröffentlichten Daten.

Die Übersicht unterscheidet zwischen den einmaligen Kosten für den Kauf etwa von Investmentfonds, Aktien oder Zertifikaten, und für die während der Haltedauer einer Finanzanlage jährlich vom Anleger bezahlten Gebühren. Zudem werden auch die Kosten für den Verkauf von Anlageinstrumenten und mögliche Nebendienstleistungen wie etwa Portoentgelte noch extra aufgeführt.

Minderung der Rendite ausgewiesen

Die Begriffsvielfalt mag manchen ebenfalls irritieren. Wem das Werk zu schwierig ist, der schaut zumindest mal auf die Position „Gesamtkosten und Minderung der Rendite“. Hier findet der Anleger in einer Euro-Summe sowie als Prozentsatz, wie die Abzüge sein Anlageergebnis im Jahr 2018 belastet haben. Ohne die Kosten wäre es um genau den Prozentsatz am Jahresende höher gewesen. Vor allem über lange Zeiträume nagen solche Kosten sehr am Anlageergebnis. Bei 1,5 Prozent Kosten im Jahr wird ein Anlageergebnis nach 30 Jahren um etwa ein Drittel verringert.

Die auf Fondsanlagen spezialisierte Bank FFB hat als Entwurf mal eine Kosten-Aufstellung für ein bunt zusammengewürfeltes Depot erstellt. Es gibt dort einen Aktienfonds für China, einen für Indien und einen für europäische Aktien sowie einen börsengehandelten Indexfonds, kurz ETF, der aus Werten aus dem deutschen Index DAX besteht. Dieser Depot-Mix ist eigenwillig und nicht repräsentativ für Depots, weil nur Aktienfonds enthalten sind und es sehr stark auf Schwellenländeraktien beruht und die darauf spezialisierten Fonds sind üblicherweise sehr teuer. Im Schnitt hatte das Depot im Jahr 2018 einen Wert von rund 36.000 Euro und für den Anleger sind Gesamtkosten von 1,9 Prozent oder rund 700 Euro entstanden. Davon kassierte die Bank, die den Kunden beraten hat, oder bei der er sein Onlinedepot führt, rund 240 Euro als Vergütung während der Haltedauer des Fonds. In der Aufstellung werden die Kosten als „Abschlussfolgeprovision“ bezeichnet.

Interessant ist auch die Position Transaktionskosten der Fonds. Hier sind die Beträge zusammenaddiert, die der Anleger für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren innerhalb der Fonds bezahlt hat. 2018 summierten sich die so genannten Transaktionskosten in dem Beispielfall auf 107 Euro. Für Investments in China, Indien und Europa erscheint das nicht allzu teuer.

Kosten senken: Fünf Spartipps für Anleger

Wer die Kosten seiner Wertpapiere kennt, kann sie auch gezielt senken.

Depot im Eigenbau und ETF

Wer sein Depot selbst zusammenstellt und Einzelaktien oder Anleihen kauft und lange im Depot liegenlässt ohne ständig zu handeln, der kommt unter Umständen mit einem selbst zusammengestellten Depot noch günstiger weg. Bei chinesischen und indischen Aktien mag das schwieriger sein, aber mit deutschen oder europäischen Aktien ist das möglich. Allerdings muss ein Anleger je nach Größe des Depots auf eine breite Streuung seiner Gelder über viele verschiedene Aktien, Länder und Branchen verzichten.

Börsengehandelte Indexfonds sind ebenfalls eine günstige Alternative zu den teureren aktiv gemanagten Fonds, wenn der Anleger sein Depot selbst zusammenstellen kann. Beratung für die ETFs gibt es in Bankfilialen häufig nur dann, wenn der Anleger extra zahlt, denn ETFs geben üblicherweise keine Abschlussfolgeprovision an Finanzverkäufer weiter. Da sie ihre Dienste verständlicherweise aber auch nicht kostenlos anbieten können, haben es ETFs bei ihnen schwer.

Rabatte auf Ausgabeaufschlag

Beim Kauf eines Fonds wird häufig eine als Ausgabeaufschlag bezeichnete Gebühr verlangt. Die fließt meist komplett an den Verkäufer oder die beratende Bank. Es ist ihr Honorar, für die Beratungszeit, die nötige Infrastruktur und bereitgestellte Informationen. Onlinebanken und manche Vermittler verzichten aber längst auf die üblicherweise als Ausgabeaufschlag bezeichnete Kaufgebühr, die zwischen drei und fünf Prozent der angelegten Summe ausmachen kann. Rabatte auf den Ausgabeaufschlag sind ebenfalls bei vielen Fondsplattformen üblich, nicht aber in Bankfilialen. Mitunter lassen sich diese Kosten aber auch in den Filialen wegverhandeln, wenn der Kunden damit droht, sein Depot ansonsten zu verlagern.

Rückerstattung von Kickbacks

Aus dem Druck, bei der Fondsanlage Kosten zu sparen, entwickeln sich neue Geschäftsmodelle wie das von Envestor. Envestor ist ein Onlineanbieter, der Anlegern Teile der Abschlussfolgeprovision quartalsweise zurückerstattet und auf Ausgabeaufschläge verzichtet. Gegründet hat Envestor.de von Michael Weisz, der seit zwei Jahrzehnten bei verschiedenen Fondsvertrieben gearbeitet hat. Envestor kooperiert mit verschiedenen renommierten Fondsdepot-Banken, bei denen das Geld des Anlegers liegt und die für den Kunden dann Envestor als Berater einsetzen. Die Abschlussfolgeprovisionen gehen dann zwar zunächst an Envestor, aber bis zu 70 Prozent werden pro Quartal auf das Girokonto des Anlegers zurückgezahlt. Eine extra Servicegebühr fällt nicht an. Ähnliche Modelle bieten auch Rentablo.de, Profinance-direkt.de oder Moneymeets.de. Anleger sollten aber bei Rabattangeboten auch immer darauf achten, dass die Gelder und das Depot bei renommierten Banken liegen und die Berater die Kundengelder nicht auf eigene Konten umleiten können.

Fonds ohne Kickbacks

Berater und auch Onlinebanken gehen ja nicht leer aus, wenn sie auf die Kaufgebühren verzichten, weil sie auch noch die jährlich an sie fließenden Abschlussfolgeprovision bekommen. Sie können ein Drittel und mehr von den jährlichen Gesamtkosten eines Fonds ausmachen. Die Fondsgesellschaft leitet die im Volksmund auch Kickbacks genannten Provisionen aus ihrer Verwaltungsvergütung an die Banken weiter. Die Höhe der Zahlung wird dem Anleger jetzt jährlich mitgeteilt. Unter dem Punkt „Kosten für Wertpapierdienstleistungen“ bekommt der Anleger in der jährlichen Information einen genauen Überblick, was sein Berater oder seine Bank an ihm verdienen. Der jährliche Obolus ist eine Art Belohnung dafür, dass der Berater den Kunden motiviert, den Fonds zu behalten. Weil hier das Risiko besteht, dass der Berater weniger an das Wohl des Kunden als an seine Bestandsprovision denkt, sehen Anlegerschützer diese Prämien kritisch. Im europäischen Ausland sind sie zum Teil sogar verboten

Fondsgesellschaften in Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz legen neue Tranchen für Fonds auf, deren Gebühren wesentlich niedriger sind, weil die Kickback-Kosten jetzt entfallen. Diese günstigen Fonds können Anleger teilweise auch in Deutschland kaufen. Namhafte Fondsanbieter wie etwa Aberdeen, BNP Paribas, BNY Mellon, Capital Group, Goldman Sachs und Kames haben ihre Clean-Fee-Fonds bereits in Deutschland zugelassen. Wer die richtigen ISIN-Bestellnummern kennt, kann die billigen Tranchen ordern und so die jährliche Managementgebühr senken. Mehrere Fondsgesellschaften offerieren in Großbritannien die Günstig-Fonds für jeden Kleinanleger, verlangen in Deutschland aber eine Million Euro Minimuminvestment. Das gilt zum Beispiel für die Y-Anteilsklasse von Fidelity und die D-Anteilsklassen von Jupiter.

Auch Flossbach von Storch verlangt beim Vorzeigefonds Multiple Opportunities bei der Kickback-freien Tranche mit dem Kürzel II IT mindestens eine Million Euro Mindesteinsatz. Wer die überweist zahlt etwa ein Drittel weniger. BNY Mellon, führt die spesenreduzierten Fonds unter der Kennung W. Zugelassen ist zum Beispiel der Anleihefonds BNY Mellon Asian Bond W(IE00BNGX4678). Beim US-Fondshaus Capital Group tragen die „Sauber"-Fonds den Buchstaben Z. Ein von Morningstar mit fünf Sternen benotetes Produkt ist der Europa-Aktienfonds Capital Group European Growth and Income Z.

Goldman Sachs kennzeichnet seine Fonds ohne Bestandsprovision mit dem Buchstaben R oder mit RDR. Die günstigen Fonds der DWS tragen das Kürzel RD. Beim Anleihespezialisten Kames aus London sind die neuen Varianten mit dem Buchstaben B versehen wie etwa der weltweit anlegende Hochzinsfonds Kames High Yield Global Bond B. Clean-Fee-Fonds von BNP Paribas sind am Namenszusatz Privilege erkennbar. Ein Beispiel für ein Fünf-Sterne-Produkt ist der Europa-Nebenwertefonds Parvest Equity Europe Small Cap Privilege. Die Managementgebühr beläuft sich auf nur 1,2 Prozent. Mitunter könnten Banken sich dagegen wehren, die günstigen Fonds zu besorgen. Beispielsweise könnte der Kauf daran scheitern, dass die ISIN-Nummern noch gar nicht im System vorhanden sind. Eine stichhaltige Begründung ist das allerdings nicht, schließlich arbeiten die Institute in aller Regel mit großen Fondsvertrieben zusammen, die alle in Deutschland zugelassenen Produkte besorgen können.

Honorarberater suchen

Wer den Eindruck hat, dass sein Berater die Abschlussfolgeprovision nicht verdient hat, der kann sich auch an Honorarberater wenden, die üblicherweise feste und transparente Stundensätze für die Beratung bekommen und dazu noch einen jährlichen Betrag, der aber nicht von den gewählten Fonds abhängt.

Eins aber sollten Anleger bei allen Sparanstrengungen nicht vergessen: Zuerst zählt bei der Auswahl von Fonds deren Qualität. Gibt es einen guten Fonds billiger, sollten Anleger diese Chance nutzen.

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