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Fondsmanager Martin Brückner im Interview Trotz Kursrutsch ist Gold noch teuer

Privatanleger sind verunsichert, flüchten sich in Niedrigzinszeiten in Immobilien und Sachwerte. Fondsmanager Martin Brückner über Renditen, Risiken für Aktien und die Frage, ob er jetzt Gold kaufen würde.

Martin Brückner Quelle: Presse

WirtschaftsWoche: Herr Brückner, trotz der weltweiten Niedrigzinsen haben Sie einen Großteil Ihrer Kundengelder in Rentenpapiere investiert. Verzichten Sie so nicht auf zu viel Rendite?

Wir setzen Aktien und Derivate ein und kommen durch das Management von Laufzeiten, Bonitäten und das bewusste Beimischen von Unternehmensanleihen auf eine durchschnittliche jährliche Rendite von fünf bis sieben Prozent. Rendite um jeden Preis wäre auch zu gefährlich. Uns geht es vor allem um die Risikominimierung. Die aktuellen Höchststände an den Börsen täuschen über die noch immer immanenten Krisenrisiken hinweg; es kann jederzeit zu heftigen Rückschlägen an den Aktienmärkten kommen.

Droht auch den Anleihen ein Kurssturz, durch eine mögliche Zinswende?

Das befürchten wir nicht, zumindest nicht akut. Von der Zinswende reden einige immer, ich sehe das aber derzeit nicht. Lediglich am langen Ende...

...also bei Anleihen mit Restlaufzeiten von zehn Jahren oder mehr...

...gab es einen leichten Anstieg, in den USA etwa um einen Prozentpunkt. Dort waren die Renditen aber auch unhaltbar niedrig, weil Investoren massenhaft in vermeintlich sichere US- und deutsche Staatsanleihen geflüchtet waren. Auch die Gelddruckprogramme der Notenbanken, Quantitative Easing genannt, drückten die Zinsen am lange Ende. Das normalisiert sich nun ein Stück weit. Eine echte Zinswende im Sinne kräftig steigender Leitzinsen sehe ich aber nicht, schon gar nicht in Europa, hier könnten die Zinsen eher noch sinken.

Anleger, die Neugeld anzulegen haben, sind also weiter gekniffen?

Ja. Ich denke, dass das aktuelle Niedrigzinsumfeld noch mindestens bis 2015 anhalten wird. Auch danach werden die Notenbanken die Zinsen nicht nennenswert anheben. Wahrscheinlicher ist, dass man die Gelddruckprogramme zurückfährt. Deren Effekte auf die Unternehmen und Konsumenten nutzen sich ab, weil das neue Geld nicht dorthin fließt, wo es gebraucht wird, das ist auch der US-Notenbank Fed nicht verborgen geblieben. Zinserhöhungen hingegen hätten einen unmittelbaren Effekt auf die Wirtschaft, da wird man weiterhin vorsichtig sein.

Bisher haben die Notenbanken mit jedem neuen Aufflammen der Krise ihre Gelddruckprogramme wieder hochgefahren.

Sicherlich, diese Gefahr bleibt. Bei einem starken Einbruch der chinesischen Konjunktur etwa, der die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zöge, würde auch wieder mehr Geld gedruckt. Bleiben solche Extreme aber aus, wird man die Programme zurückfahren. Innerhalb der Fed gibt es zahlreiche Gegner, deren Stimmen mehr Gewicht bekommen, und die Amtszeit von Ben Bernanke endet ja bald. Am langen Ende könnten dadurch die Kurse der Staatsanleihen weiter fallen.

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