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Frist ausgelaufen Weiterhin Verwirrung bei Prokon

Prokon-Anleger müssen abstimmen. Ziehen zu viele Investoren ihr Kapital aus dem in Schieflage geratenen Windkraftbetreiber ab, droht die Insolvenz. Bisher steht nur jeder Zweite zu Prokon, die Zahlen geben Rätsel auf.

Trotz massiven Drucks auf seine 75.000 Anleger, kein Kapital abzuziehen und bestehende Kündigungen rückgängig zu machen, droht Prokon weiterhin die Insolvenz. Quelle: dpa

Vorerst hat sich die Schlinge um Windanlagen-Finanzierer Prokon nicht zugezogen. Am Montag lief die selbstgesetzte Frist des Unternehmens aus dem schleswig-holsteinischen Itzehoe zur Einreichung eines Insolvenzantrags läuft ab. Prokon hatte von seinen Anlegern gefordert, bis zum heutigen Montag schriftlich zu bestätigen, dass sie ihr Genusskapital in dem Unternehmen belassen. Ziehen zu viele ihr Kapital ab, ist für Prokon der Ofen aus. Klarheit konnte das Unternehmen allerdings nicht schaffen. „Zurzeit überschneiden sich der Eingang und die Erfassung von Kündigungen und Kündigungsrücknahmen. Wir werden die Daten am Wochenende abgleichen und zeitnah wieder zur Verfügung stellen“, lautete am Montag der jüngste Eintrag auf der Internet-Seite des Unternehmens. Prokon ist telefonisch für Medien nicht erreichbar und beantwortet keine schriftliche Anfragen.

Laut aktueller Daten von Prokon haben Investoren bisher etwas mehr als 50 Prozent des Genussrechtskapitals zugesichert. Nur knapp 39.000 der insgesamt rund 75.000 Anleger wollen ihr Kapital von rund 753 Millionen Euro im Unternehmen lassen (Stand 17.30 Uhr). Damit wäre das angepeilte Ziel von 95 Prozent deutlich verfehlt. Prokon-Chef Carsten Rodbertus hatte in einem Schreiben vom 10. Januar seinen Anlegern erklärt, noch im Januar drohe eine Planinsolvenz, falls mehr als fünf Prozent des Genussrechtskapitals abgezogen würden.

Doch die Zahl der Kündigungen stiftet Verwirrung. Noch am Freitagvormittag war bekanntgeworden, dass Anleger 227 Millionen von 1,4 Milliarden Euro an Genusskapital gekündigt haben. Mittlerweile gibt Prokon auf seiner Internetseite an, Anleger hätten lediglich etwas mehr als 100 Millionen Euro an Genusskapital gekündigt. Das sind etwas mehr als acht Prozent des gesamten Genusskapitals, und rund 127 Millionen Euro weniger als am Freitag. Einige Anleger, so Prokon, hätten ihre Kündigung zurückgenommen. Laut Webseite haben die widerrufenen Kündigungen aber nur einen Wert von 65 Millionen Euro. Prokon wertet weiter Daten aus, mit einem endgültigen Ergebnis der Abstimmung wird erst am Dienstag gerechnet.

Ob es tatsächlich zu einer Insolvenz kommt, ist also weiter offen - zumal Prokon am Freitag selbst Zweifel geäußert hatte. Rodbertus zitierte einen erfahrenen Insolvenzberater, nach dessen Einschätzung die gekündigten Genussrechte möglicherweise keine fälligen Forderungen im Sinne des Insolvenzrechts seien. Da sonst keine offenen Forderungen anderer Gläubiger vorlägen, gebe es auch keine Zahlungsunfähigkeit. Derzeit kann Prokon weder Zinsen noch gekündigtes Genusskapital ausbezahlen. Das Unternehmen, das in erneuerbare Energien investiert, hat sein Geschäft fast komplett über kurzfristiges Genusskapital finanziert und ist in eine Liquiditätsklemme geraten. Prokon beschäftigt rund 1300 Mitarbeiter.

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