WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Fußball-Anleihen Das Geschäft mit dem Fan

Seite 2/2

Geringes Ausfallrisiko, geringe Renditen

Gerade für Mannschaften mit einer vergleichsweise geringen Bonität können Anleihen die Finanzierung erleichtern. "Vereine profitieren durchaus, denn sie können sich über ihre Fans, die sehr stark emotional an die Klubs gebunden sind, Fremdkapital besorgen", sagt Christian Keller, Professor für Sportmanagement an der SRH Hochschule Heidelberg und Autor des Buches "Steuerung von Fußballunternehmen. Finanziellen und sportlichen Erfolg langfristig gestalten".

Besonders in Krisenzeiten, wenn Banken ihre Kreditvergabe reduzieren, seien derartige Anleihen für die Vereine sinnvoll, denn die Fans denken weniger an die Rendite als an ihre Liebe zum Verein. Dennoch können auch sie profitieren, immerhin ist die Verzinsung höher als die der meisten Sparbücher. Zudem ist das Ausfallrisiko vergleichsweise gering. Bisher ist noch keine der Vereinsanleihen ausgefallen.

"Allerdings besteht gerade bei kleinen Vereinen die Gefahr, dass die Teams die Anleihe nicht bedienen können", sagt Keller. Im Fall von Alemannia Aachen musste die Stadt helfend einspringen, als die Rückzahlung der Fan-Kredite in Gefahr geriet. "Für rationale Anleger sind Investments in Fußballclubs im Allgemeinen jedoch nicht besonders interessant, da die entsprechende Renditephantasie fehlt", meint Keller. Da die meisten Vereine schon zufrieden seien, wenn am Ende des Geschäftsjahres eine schwarze Null auf dem Papier stünde, dürften Anhänger und Investoren keine hohen Renditen erwarten.

St.Pauli-Fans haben vollstes Vertrauen in ihren Verein

Selbst Deutschlands einziger börsennotierter Klub, Borussia Dortmund, hat seinen Anlegern seit dem Börsengang Ende Oktober 2000 noch keine Dividende zahlen können.

Da die Bonität der Vereine unmittelbar an deren sportliche Leistung gekoppelt ist, sind solche Investments also durchaus mit einigen Risiken behaftet. Anleger sollten sich deshalb vorher genau informieren, wofür die Vereine das frisch gewonnene Kapital verwenden wollen. "Beim Fussball wird zwischen Investments in Steine und Investments in Beine unterschieden", sagt Keller. Wird das Geld in neue Spieler gesteckt, sei das mit einem höheren Risiko behaftet, als wenn es dem Ausbau der Infrastruktur diene.

Die Anleger des FC St. Pauli können dementsprechend optimistisch in die Zukunft blicken, schließlich soll das zusätzlich zur Verfügung stehende Kapital in den Umbau von Stadion und Trainingsgelände fließen. Außerdem haben die St. Pauli-Fans bereits einmal bewiesen, dass sie vollstes Vertrauen in ihren Verein haben. Im Rahmen der "Retter"-Kampagne, einer Spendenaktion im Jahr 2003, sammelten sie innerhalb von nur drei Monaten insgesamt mehr als 1,95 Millionen Euro an Spenden ein. Das Geld war nötig, um den Abstieg in die Oberliga zu verhindern. Der Deutsche Fußball-Bund drohte damals aufgrund einer Liquiditätslücke mit Lizenzentzug.

Dementsprechend selbstsicher ist auch der Werbe-Slogan für die neuen St. Pauli-Anleihen: "Auf St. Pauli regeln wir das unter uns!"

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%