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Fußball-Geldanlage Gelbe Karte für Schalke-Anleihe

Professionelle Anleger sind kein Fan der spekulativen Anleihe des FC Schalke 04. Der Verein nimmt es sportlich, sammelt er doch fast ein Drittel weniger an Kapital ein, als erhofft.

Die Fußball-Anleihe des Traditionsvereins Schalke 04 hatte an der Börse keinen guten Start. Finanzvorstand Peter Peters ist trotzdem zufrieden Quelle: dpa

Als ein einziger Spieler vom Bundesligist Schalke 04 ist der Verteidiger Benedikt Höwedes bei der Fußball-Europameisterschaft im deutschen Kader vertreten. Zum Vergleich: Meister Dortmund stellt vier Spieler, Rekordmeister Bayern sogar acht Kicker. Da ist es irgendwie auch kein Wunder, dass die Gelsenkirchener nicht vom aktuellen EM-Fieber profitieren können, sondern eher Opfer der Baisse sind. 50 Millionen Euro wollten die Königsblauen mit ihrer neuen Anleihe (ISIN: DE000A1ML4T7) eigentlich einsammeln, um ihre Schulden von insgesamt rund 185 Millionen Euro zu reduzieren. 35 Millionen Euro sind es nur geworden. Die Anleihe wird ab heute an der Börse gehandelt, was sie auch von früheren Anleihen des Vereins unterscheidet, die ausschließlich für Fans gedacht waren. Professionelle Anleger interessiert das allerdings wenig. Der Kurs sank gleich mal um fünf Prozent. Kein guter Start.

Schalke-Finanzvorstand Peter Peters sieht’s jedoch optimistisch: „Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz auf unsere Mittelstandsanleihe. Mit dem Erlös von 35 Millionen Euro können wir die geplanten Maßnahmen zur Ablösung bestehender Verbindlichkeiten umsetzen. Dadurch stärken wir in ganz erheblichem Umfang die finanzielle Unabhängigkeit des Clubs und leisten einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Konsolidierung des FC Schalke 04!“

Der Fan als Investor - Liebesbeweis statt Geldanlage
Der Kassenschlager Erst im November startete der Zweitligist FC St. Pauli die Zeichnungsphase seiner Fan-Anleihe. Papiere zu 100, 500 oder – in Bezug auf das Gründungsjahr – 1910 Euro gab der Kiezclub seither aus.  Vier bis fünf Millionen Euro wollte er damit einsammeln, am Ende wurden es acht. Der Verein musste wegen des Ansturms sogar noch mal nachlegen. Die Anleihe läuft bis 2018. Quelle: dpa
Die Fan-Anleihe ist offenbar auch ein Erfolgsmodell für die Rheinländer: Als deutschlandweit erster Klub zahlte der 1. FC Köln 2011 das komplette Anleihevolumen an seine Gläubiger zurück. Quelle: dpa
Schlechter läuft es für St. Paulis Erzrivalen: Hansa Rostock hatte im Juli 2011 ebenfalls eine Anleihe auf den Markt gebracht und im November erst 300.000 der angepeilten 5 Millionen Euro eingenommen. Eine ähnlich durchwachsene Bilanz hatten die Hauptstädter: 2011 nahm Hertha BSC statt den erwarteten sechs Millionen Euro nur 3,5 Millionen mit den Anleihen ein. Quelle: REUTERS
Der VorreiterDen Anfang in der deutschen Liga hat 2005 Hertha BSC gemacht. In anderen Ländern, wie Großbritannien, sind Vereinsanleihen bereits seit Jahrzehnten Gang und Gäbe, um neben Krediten und dem Einstieg von Investoren an frisches Geld zu kommen. Quelle: dpa
Die ZinsenDie meisten Vereine wählen einen Zinssatz, der deutlich über dem eines klassischen Sparbuchs liegt: fünf bis sechs Prozent. Über die Anleihen ist der Fan an seinem Lieblingsverein beteiligt und kann sich wie im Fall des 1. FC St. Pauli (mit Vereins- oder Totenkopfemblem) oder Arminia Bielefeld auch die „Schmuckurkunden“, die ihren Besitzer als Financier adeln, ins eigene Wohnzimmer hängen. Quelle: dpa
Die ErfolgsboniEinige Vereine locken ihre potentiellen Investoren noch mit besseren Ertragsaussichten. So hätte es auch Hansa Rostock gelingen können: Wäre der Klub in die erste Liga aufgestiegen, hätte der Ost-Verein einen zusätzlichen Ertrag von zwei Prozent zum jährlichen Basiszins von fünf Prozent auszahlen wollen. Quelle: dapd
Die ProfiteureDie Vereine erschließen zunehmend das Anleihe-Modell als Finanzierungsquelle. Auch Schalke 04, 1. FC Nürnberg, der 1. FC Köln, 1860 München und Arminia Bielefeld gaben bereits Anleihen aus. Quelle: AP

Befriedigende Bewertung

Der Kupon der Anleihe, die sieben Jahre läuft, beträgt 6,75 Prozent. Die Stückelung liegt bei für Mittelstandsanleihen üblichen 1.000 Euro. Die Ratingagentur Creditreform gibt Schalke die Note BB, was so viel heißt wie „befriedigende Bonität bei mittlerem Insolvenzrisiko“. Das ist leider nicht typisch Mittelstand. Der erhält im Schnitt die bessere Note BBB und bietet bei kürzerer Laufzeit fast das Doppelte an Rendite. Sollte Schalke absteigen, wäre die Anleihe darüber hinaus ausfallgefährdet.

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Auf der anderen Seite sind die Aussichten für Schalke 04 nicht schlecht  - nur ein EM-Teilnehmer hin oder her. Mit 224 Millionen Euro Jahresumsatz, 19 Prozent mehr als im Vorjahr, hat der Traditionsverein 2011 ein Rekordjahr abgeschlossen. Fußball ist zudem ein Wachstumsmarkt. Allein die Zahl der Stadionbesucher in der Bundesliga legte in den vergangenen zehn Jahren von knapp neuen auf rund 13 Millionen zu. Anleger müssen aber schon an den Erfolg glauben - so wie die Fans bei der EM-, ansonsten gibt es bessere Investments.

 

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