Gastbeitrag Vom Währungskrieg zum Handelskrieg

In der Weltkonjunktur verfinstern sich die Aussichten. Die Rezession ist überfällig. Die Weltwirtschaft wird bald mit den unerfreulichen Nebenwirkungen einer ultralockeren Geldpolitik konfrontiert werden.

Warum Investoren wieder auf Gold setzen
Muster-Banknoten und Goldbarren Quelle: dpa
Goldbarren liegen in der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa/dpaweb
Die Rückseite einer Krügerrand-Goldmünze vor Goldbarren Quelle: dpa
American investor Jim Rogers, chairman of Rogers Holdings Quelle: AP
President and Portfolio Manager of Paulson & Co. John Paulson Quelle: REUTERS
An Indonesian customer holds a 10 grams fine gold Quelle: dpa
Der US-Milliardär und Investor George Soros Quelle: dpa

Während die Ankündigungen der Gelddrucker-Troika (Fed, EZB und Bank of Japan), nun „all-in“ gehen zu wollen, den Aktienmärkten im September trotz bereits verstärkt aufkeimender Konjunktursorgen nochmals sprichwörtlich Flügel verleihen konnten, hielten sich die liquiditätsfokussierten „Anlagenotstands-Investoren“ im Oktober mit weiteren kurstreibenden Aktienkäufen erst einmal zurück. Schließlich werden sich die vielfach sehr ambitionierten Unternehmensbewertungen eben nicht auf Dauer ohne fundamentale Untermauerung durch Wachstumsaussichten, Gewinne und Dividenden halten lassen, zumal sich über Europa hinaus in nahezu sämtlichen Regionen die Konjunkturdaten zusehends weiter deutlich abschwächen.

Auch beim vermeintlichen Weltkonjunktur-Retter China verlangsamte sich das offiziell vermeldete Wirtschaftswachstum im 3. Quartal 2012 auf „nur“ noch 7,4 Prozent, während Japans Notenbank gar feststellen musste, dass sich das Land mit Blick auf die Exporte, die im September auf Jahressicht nach China um 14,1 Prozent, nach Italien um 31,0 Prozent oder nach Deutschland um 12,9 Prozent zurückgingen, nicht mehr in einer Erholung, sondern in einer – Achtung! Neuer Euphemismus - „pausierenden“ Entwicklung befinde.

Aber auch die in den USA angelaufene Berichtssaison der Unternehmen brachte erhebliche Enttäuschungen und kann relativ zu den Erwartungen gar als die schlechteste Bilanzsaison der vergangenen Jahre angesehen werden. Zwar wurden die zuvor reduzierten Gewinnerwartungen dank eingeleiteter Kostensenkungsprogramme vielfach noch übertroffen. Aber nur noch rund zwei Fünftel der S&P-500-Unternehmen, die ihre Zahlen bisher vorgelegt haben, konnten ihre zuvor ebenfalls  reduzierten durchschnittlichen Umsatzprognosen überbieten. Branchenübergreifend verspüren jenseits des Atlantiks bedeutende Weltkonzerne wie FedEx, Caterpillar, DuPont, Alcoa, Google, Intel und selbst Apple inzwischen jenen heftigen Gegenwind, der auch in den Bilanzen europäischer Konzerne wie Daimler, Scania, Burberry oder Danone tiefe Spuren hinterließ.

Martin Mack von der Hamburger Vermögensverwaltung Mack & Weise Quelle: Bodo Dretzke

Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die nach den Verschuldungs-Boom-Jahren fällige Rezession, die nur mit am PC „produzierten“ Geld der Notenbanken um fast vier Jahre hinausgeschoben wurde, in naher Zukunft eintreten könnte. Mittelfristig dürfte die Weltwirtschaft dann zusätzlich mit den unvermeidlichen Nebenwirkungen der lockeren Geldpolitik der Notenbanker konfrontiert werden. Das wird der Dauerkrise eine neue Dramatik verleihen.

So werden die jeweiligen Regierungen und Notenbanker dieser Welt nicht mit unendlicher Geduld dabei zusehen können, wie zum Beispiel die Fed, die EZB oder die BoJ ihre Währungen immer weiter künstlich herunter manipulieren, um so ihre wirtschaftlichen Probleme per Exportwachstum auf Kosten der Nachbarn lösen zu wollen. „Wir machen jetzt ´dirty floating´ wie alle“, bestätigte jüngst Brasiliens Finanzminister Guido Mantega wie zum Beweis, so dass der vom ihm bereits im September 2010 gebrandmarkte „internationale Währungskrieg“ spätestens seit der konzertierten Aktion der Notenbanken im September 2012 nunmehr als voll entbrannt gelten darf.

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