WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Gbureks Geld-Geklimper Gewinne und Dividenden mit Schönheitsfehlern

Seite 2/2

Analyst ist nicht gleich Analyst

Es wird noch gruseliger, wenn Unternehmen die von ihnen ermittelten Gewinne in Kennzahlen verpacken. Das gilt über das Kurs-Gewinn-Verhältnis hinaus beispielsweise für das Kurs-Cashflow-Verhältnis (Cashflow ist der Finanzüberschuss, wenn man so will, auch eine Art Gewinn). Besonders weit verbreitet ist die Umsatzrendite, also der – wie auch immer definierte – Gewinn im Verhältnis zum Umsatz und das Ergebnis mal 100.

Unternehmen, die ihre Rentabilität extra hervorheben wollen, greifen gern zu Roce (Return on capital employed = Gewinn auf das investierte Kapital), nicht zu verwechseln mit der verwandten Eigenkapitalrendite, die wiederum Teil der Gesamtkapitalrendite ist. Und wer viel mit Immobilien zu tun hat, stößt schon mal auf den Begriff Stadtrendite, die so viel bedeuten soll wie: In Städten ist mit Immobilien mehr Geld zu verdienen als auf dem Land.

So sieht die Geldanlage der Deutschen aus

Unternehmen verwenden Kennzahlen als Steuerungsgrößen. Analysten verwenden sie für Vergleiche, um zu ermitteln, ob eher VW- oder BMW-Aktien kaufenswert sind. Und private Anleger sind gut beraten, sich erst gar nicht im Kennzahlendickicht zu verstricken.

Die Gilde der Analysten ist bekanntlich zweigeteilt: Die einen – im Börsenjargon Buy side-Analysten genannt - arbeiten primär für Fondsgesellschaften, Vermögensverwalter, Banken und Versicherer; sie stellen ihre Studien nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Dagegen sorgen die anderen – Sell side-Analysten genannt - mit optimistischen Annahmen und Aussagen, die mithilfe dehnbarer Begriffe und Kennzahlen möglich sind, für positive Stimmung, damit möglichst viele Anleger die von ihnen bejubelten Aktien kaufen.

Masse zählt mehr als Klasse

In Zeiten wie jetzt, da die Stimmung an der Börse euphorisch ist, lässt sich mit den aus Gewinnen, Kennzahlen und den von ihnen abgeleiteten Prognosen oder Empfehlungen ein appetitliches Anlagemenü zaubern. Fondsmanager, die darauf verzichten und sich stattdessen antizyklisch verhalten, laufen Gefahr, von Konkurrenten abgehängt zu werden – jedenfalls so lange, bis sich ihr Verhalten entgegen dem allgemeinen Trend doch noch als richtig erweist.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Nur wird das ihre Arbeitgeber trotzdem nicht froh stimmen, weil im jetzigen Performancerennen der Fonds Masse in Form des Fondsvermögens mehr zählt als Klasse mit antizyklischer Anlagestrategie.
Den meisten Anlageprofis sind diese Zusammenhänge bewusst. Und was bleibt den weniger mit Aktien beschäftigten privaten Anlegern übrig? Sofern sie Aktien besitzen, lassen sie die Gewinne laufen, nicht ohne sukzessive Stoploss-Orders nachzuschieben.

Haben sie dagegen keine Aktien, verfolgen sie am besten das Geschehen, ohne sich – bis auf das eine oder andere Trading – zu engagieren. Den ganzen Zahlenzauber mit Kennzahlen, Gewinnen und Renditen, die mal so und mal anders interpretiert werden können, überlassen sie dagegen am besten den anderen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%