Gbureks Geld-Geklimper

Das gefährliche Spiel mit der Liquidität

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Notenbanker denken nicht daran, mit der lockeren Geldpolitik aufzuhören. Das wirkt sich verstärkt auf die Entscheidungen der Anleger aus – zum Teil mit unabsehbaren Konsequenzen.

Die internationalen Notenbanken fluten die Märkte weiterhin mit Geld. Für Anleger hat das Konsequenzen. Quelle: REUTERS

Kaum hatte Fed-Chef Ben Bernanke am Mittwoch gleich zu Beginn seiner mit Spannung erwarteten Rede die Fortsetzung der extrem lockeren Geldpolitik mit de facto null Zinsen angekündigt, da fühlten sich viele Anleger - nicht allein amerikanische - in ihrem Aktienoptimismus bestätigt. Besonders solche, die so rechnen: vier Prozent Dividendenrendite minus zwei Prozent Inflation gleich zwei Prozent Realzins. Wobei die Zahlen je nach Entwicklung der Aktienkurse und damit der Dividendenrendite sowie der Inflationsrate austauschbar sind, Hauptsache, unter dem Strich kommt ein Plus heraus.

Ähnlich rechnen seit längerer Zeit auch die Fans von Immobilien, allerdings unter Hinzunahme einer weiteren Komponente: Fremdkapital. Dann sieht die Rechnung wie folgt aus: vier Prozent Mietrendite minus zwei Prozent Fremdkapitalzins gleich zwei Prozent – allerdings nicht Real-, sondern Nominalzins. Doch damit die Rechnung aufgeht, dichten die Fans eine jährliche Wertsteigerung ihrer Immobilie hinzu. Nehmen wir an, auch zwei Prozent, dann landen wir unter dem Strich wieder bei zwei Prozent.

Politisch gewollte Enteignung

Zahlenspiele dieser Art mögen noch so befremdlich erscheinen, die Befürworter von Anlagen in Aktien, zum Beispiel Banken oder Sparkassen, und in Immobilien, zum Beispiel Bausparkassen oder Immobilienmakler, sind sich nicht zu schade, sie ständig zu wiederholen. Allein die Tatsache, dass Dividendenrenditen täglich mit den Aktienkursen schwanken und dass jegliche Wertsteigerung von Immobilien in den Sternen steht, sollte Warnsignal genug sein - und Anlass, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Bei diesen Aktien steigt die Dividende

Aktienkurse wie Immobilienpreise werden zurzeit von viel überschüssiger Liquidität und von der Tatsache nach oben getrieben, dass Anlagen auf Sparkonten, in Tages- und Festgeldern, Anleihen, Renten- und Geldmarktfonds nach Abzug der Inflationsrate – sei diese auch noch so klein und weiter rückläufig – eine negative Realverzinsung mit sich bringen. Das nennt sich finanzielle Repression – treffender wäre: Enteignung – und ist nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch so gewollt. Letzteres deshalb, weil Staaten sich billig verschulden können, vor allem solche wie die USA und Deutschland, deren Anleihen so wenig Ertrag abwerfen, dass die Staaten unter Berücksichtigung der Inflationsrate daraus ein Geschäft machen.

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