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Gbureks Geld-Geklimper

Dem Goldpreis und den Goldaktien auf der Spur

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Jenseits des allgemeinen Interesses tut sich bei dem Edelmetall einiges. Die Spurensuche beginnt beim Spot- und Terminpreis und endet mit aufgeblasenen Bilanzen der Notenbanken.

Seit einigen Tagen notiert der Goldpreis nach vielen Monaten enttäuschender Entwicklung wieder über 1.300 Dollar je Feinunze. Quelle: dpa

Seit einigen Tagen notiert der Goldpreis nach vielen Monaten enttäuschender Entwicklung wieder über 1.300 Dollar je Feinunze, der international gängigen Messlatte. Aber Hand aufs Herz, haben Sie das bewusst registriert? Falls nicht und falls Sie das Edelmetall ohnehin schon abgeschrieben haben, sollten Sie sich zumindest die folgenden Überlegungen durch den Kopf gehen lassen: 1. Der Goldpreis verspricht eine für Anleger besonders interessante Entwicklung. 2. Minenaktien haben nach dem Kurseinbruch der vergangenen Monate viel Erholungspotenzial. 3. Die Bilanzsummen der EZB und der US-Notenbank Fed übersteigen ihre Goldreserven bereits jetzt in einem bedenklichen Ausmaß.

Wie die Deutschen ihr Geld anlegen
Aktien waren 2012 der Renner an der Börse. Trotzdem griff gerade einmal jeder fünfte deutsche Anleger zu den Anteilsscheinen. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes, die das Anlageverhalten der Deutschen untersuchte. Handelsblatt Online zeigt, wo die Deutschen 2012 ihr Geld investierten und welche Anlageprodukte die Anleger dieses Jahr im Visier haben. Quelle: gms
Senioren sind Top-AnlegerDer Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Im Gesamtdurschnitt gibt mit 54 Prozent etwas mehr als die Hälfe der Befragten an, über entsprechende Finanzanlagen zu verfügen. Unter den Frauen beträgt der Anteil 53 Prozent, unter den Männern 55 Prozent. Mit 47 Prozent bilden Anleger im Alter von 18 bis 39 Jahren die kleinste Anlegergruppe. Die größte Gruppe bilden mit 65 Prozent Anleger ab 60 Jahren. Quelle: gms
Freud und Leid bei den AnlegernTrotz eines weiteren Euro-Krisenjahr stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Auf das gesamte Jahr hochrechnet legte der Leitindex um gut 30 Prozent zu. Knapp die Hälfte ( 48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden. Quelle: dpa
Festgeld und Tagesgeld besonders beliebtIm laufenden Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold, war mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen. Quelle: gms
Frauen mögen Festgeld und meiden AktienWährend Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar. Quelle: dpa
Potenzial für Immobilien und GoldNeben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. 2012 investierten gerade einmal 17 Prozent in Immobilien. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen. Quelle: obs
Geringe Risikobereitschaft bei der AnlageTrotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Renditen zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit. Quelle: gms

Zu den Faktoren, die den Goldpreis derzeit stark beeinflussen, hat der Goldhändler Degussa am 19. Juli eine bemerkenswerte Studie vorgelegt. Derzufolge ist der Spotpreis des Goldes, also sein aktueller Preis, Anfang Juli über den Terminpreis gestiegen, der sich auf die Zukunft bezieht und üblicherweise höher als der Spotpreis liegt. Einen solchen Zustand nennt man Backwardation im Gegensatz zum üblichen Contango. Der höhere Spotpreis ist auf eine steigende physische Nachfrage zurückzuführen, nach Degussa-Recherchen durch Leihgold zur Finanzierung von Shorts (Spekulation auf einen fallenden Preis), durch Goldkäufe aus Asien und durch die Absicherung von Minen gegen einen fallenden Preis.

Besonders günstige Kaufchancen

Das Besondere am Backwardation-Status ist, dass er selten vorkommt – und wenn, dass er dann in der Regel mit einem relativ niedrigen Goldpreis einhergeht, wie etwa Anfang März 2001, Mitte November 2008 und zuletzt eben Anfang Juli dieses Jahres. Die genannten Zeitpunkte boten jeweils besonders günstige Kaufchancen. Das ist zwar keine Garantie für die Zukunft, aber ein sehr starkes Indiz und besser durchdacht als all das, was die meisten Kommentatoren aktuell verbreiten, wenn es um die Erforschung der Ursachen für die jüngsten Bewegungen des Goldpreises geht.

Wobei in letzter Zeit als weiteres Argument für dessen möglichen Anstieg die Höhe der Kosten verschiedener Minen in den Vordergrund rückt. Auf einen Nenner gebracht, lautet die Überlegung dazu: Je höher die Kosten, desto eher werden die betroffenen Minen gezwungen sein, einen Teil ihrer Goldförderung aufzugeben - mit dem Effekt, dass das weltweite Angebot an Gold sinkt und dessen Preis steigt.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Yamana kontra Gold Fields

Die Frage ist allerdings, ob die Minenbosse sich tatsächlich so verhalten werden. Laut Degussa klaffen die laufenden Produktionskosten der führenden Goldminenkonzerne zwischen 365 Dollar je Unze für Kanadas Yamana und 860 Dollar je Unze für Südafrikas Gold Fields weit auseinander, die Kosten einschließlich Abschreibungen, Verwaltungskosten und einigen Steuern nicht minder: Yamana 800, Gold Fields 1.360 Dollar. Zwar ist die Aktie von Gold Fields in den beiden vergangenen Jahren folgerichtig tiefer abgestürzt als die von Yamana, aber wenn der Goldpreis weiter steigt, müsste die Hebelwirkung nach oben bei der Gold Fields-Aktie ungleich stärker sein.

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