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Gbureks Geld-Geklimper

Der Gold-Krimi und seine Folgen

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Wie schlimm muss es um Staatsschulden und Währungen, ja um das ganze Finanzsystem bestellt sein, wenn der Goldpreis offenkundig manipuliert wird? Die Antwort birgt Überraschungen.

Warum Investoren wieder auf Gold setzen
Muster-Banknoten und Goldbarren Quelle: dpa
Goldbarren liegen in der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main Quelle: dpa/dpaweb
Die Rückseite einer Krügerrand-Goldmünze vor Goldbarren Quelle: dpa
American investor Jim Rogers, chairman of Rogers Holdings Quelle: AP
President and Portfolio Manager of Paulson & Co. John Paulson Quelle: REUTERS
An Indonesian customer holds a 10 grams fine gold Quelle: dpa
Der US-Milliardär und Investor George Soros Quelle: dpa

Der Bild-Zeitung gebührt das Verdienst, für Anleger ein zuverlässiger Kontra-Indikator zu sein. Das war zum Beispiel der Fall, als der Goldpreis an einem heißen Tag im August 2011 zum Höhenrausch ansetzte und die Titelseite des Boulevardblatts vor lauter Degussa-Goldbarren  mitsamt fetter Überschrift erstrahlte. Und kaum war der Preis des Edelmetalls am vergangenen Montag wie vom Blitz getroffen – dazu gleich mehr – abgestürzt, titelte Bild: „“Goldrausch ist am Ende“.

Die vermeintlichen Ursachen waren schnell gefunden: technische Gründe, Chinas Konjunktur schlechter als erwartet, drohende zyprische Goldverkäufe, Schieflagen indischer Investoren, langsamerer Anstieg der Verbraucherpreise, Gold als Anti-Inflationswährung weniger attraktiv, Prognosen der US-Investmentbank Goldman Sachs und so weiter. All das zu diskutieren, hat sich dann gleich am Dienstag und Mittwoch erübrigt, weil inzwischen starke Zweifel aufgekommen sind, ob es beim Preissturz mit rechten Dingen zuging.

Anomalien, wohin man blickt

Zitieren wir dazu Robert Hartmann, Geschäftsführer des renommierten Edelmetallhändlers pro aurum, über den sehr hohe Edelmetallumsätze – auch von Banken – abgewickelt werden: „Schon seit einigen Wochen ereignen sich Dinge am Goldmarkt, die gelinde gesprochen außergewöhnlich sind.“ Das war bereits Anfang Februar zu beobachten, und zwar bei Puts auf das Edelmetall (Gold-Verkaufsoptionen). Wer Puts kauft, spekuliert auf fallende Preise. Hartmann: „Kurz nach diesem ersten Akt folgten in unregelmäßigen Abständen sehr hohe Verkäufe just zur Eröffnung der Edelmetallbörse in New York. Teils wurden zirka 31 Tonnen Gold und mehr unlimitiert zum Verkauf angeboten. Verkaufsorders in dieser Größenordnung unlimitiert in den Markt zu stellen, ist eher ungewöhnlich, da hier ein erhöhter Preisdruck ausgeübt wird, der sicherlich zu ungünstigeren Erlösen für den Verkäufer führt.“

Der Edelmetallausblick 2013 der Commerzbank

Also ein wahrer Gold-Krimi, allerdings ein außergewöhnlicher, denn er erstreckt sich über mehrere Tatorte mit „weiteren Anomalien“, wie Hartmann die folgenden Merkwürdigkeiten umschreibt: Seit der vergangenen Woche seien beim Produzenten von Krügerrand-Münzen keine Kaufaufträge mehr möglich. Die niederländische Großbank ABN Amro habe ihren Kunden mitgeteilt, es sei nicht mehr möglich, sich den Edelmetallbestand physisch ausliefern zu lassen. Vor allem Anleger aus Asien haben ihre mit Gold unterlegten Fonds (ETF) massenweise in physisches Gold getauscht. Die Goldbestände an der New Yorker Terminbörse Comex sind zuletzt spürbar zurückgegangen. Seit Wochen notieren die Spotpreise für die sofortige Auslieferung höher als die Preise für die spätere Auslieferung, ein Zeichen dafür, dass Gold knapp geworden ist.

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