WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Gbureks Geld-Geklimper

Der Mythos Gold lebt

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Das Edelmetall ist dank kräftiger Unterstützung durch den Bundesrechnungshof und die Medien auch in breiten Bevölkerungskreisen immer populärer. Peinlich dagegen, wie die Bundesbank mit dem Thema umgeht.

Die Länder mit den größten Goldreserven
Platz 10: Indien Quelle: REUTERS
Platz 9: Die Niederlande Quelle: REUTERS
Platz 8: Japan Quelle: REUTERS
Platz 6: Schweiz Quelle: AP
Platz 7: Russland Quelle: dpa-tmn
Platz 5: China Quelle: dapd
Platz 4: Frankreich Quelle: dapd

Am 2. und 3. November ist es wieder so weit: In der Eventarena auf dem Münchner Olympiagelände treffen private und institutionelle Anleger auf Edelmetallhändler, Minenexperten, Fondsmanager und eine bunte Schar von Rednern, denen man nicht gerade nachsagen kann, dass sie etwas gegen Gold, Silber oder Sachwerte aller Art haben. Dieses Mal wird ein Thema besonders großes Interesse wecken: Der deutsche Goldschatz, von dem es heißt, er sei 3396 Tonnen schwer, etwa 133 Milliarden Euro wert und befinde sich zu zwei Dritteln in der Obhut unserer amerikanischen, britischen und französischen Freunde.

Alles nur gelogen? Der Bundesrechnungshof will es jedenfalls genauer wissen und hat deshalb regelmäßige Stichproben der deutschen Goldbestände angemahnt. Seitdem überschlagen sich die Peinlichkeiten: Die Bundesbank, die in ihrer Bilanz Gold und Goldforderungen seltsamerweise in nur einem Posten zusammenfasst, kritisiert den Bundesrechnungshof mit dem albernen Hinweis, der gewünschte Prüfumfang entspreche „nicht den Usancen zwischen Notenbanken“. Im Übrigen gebe es keine Zweifel „an der Integrität, Reputation und Sicherheit der ausländischen Lagerstellen“.

Kampf gegen den Mythos Gold

Das wiederum veranlasst Peter Boehringer, der sich an die Spitze der Bewegung „Holt unser Gold heim“ gesetzt hat, mit dem Hinweis auf „fast 10.000 nichtanonyme“ Mitstreiter zu triumphieren. Inzwischen haben neben der Bild-Zeitung auch ARD und ZDF das Thema entdeckt. Und weil sie ihm offenbar eine politische Bedeutung beimessen, lassen sie die CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder und Marco Wanderwitz zu Wort kommen. Der Anlass ist wiederum eine Peinlichkeit auf Seiten der Bundesbank, deren Vorstand Carl-Ludwig Thiele den beiden schrieb, die britische und die französische Notenbank gewährten „Besuchern keinen Zutritt zu ihren Tresoren“.

Goldbarren

Der aktuelle Streit um das deutsche Gold ist nur eine Episode im Kampf der Politiker - mit kräftiger Unterstützung der Notenbanken -, den Jahrtausende alten Mythos des Edelmetalls bloß nicht zu sehr in die Köpfe breiter Bevölkerungskreise dringen zu lassen. Beispiele aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg: Der Goldpool vom Oktober 1961, der den Goldpreis in Schach halten sollte, aber schon im März 1968 kläglich versagte; die Weigerung der USA vom August 1971, Gold gegen Dollar herauszurücken; der widersinnige Verkauf britischen Goldes zu Tiefstpreisen kurz nach der Jahrtausendwende; und etwa zur selben Zeit der Druck der USA auf die Schweiz, sich von einem großen Teil der Goldbestände zu trennen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%