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Gbureks Geld-Geklimper

Der trügerische Schein der Sicherheit

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die Deutschen legen ihr Geld gern dort an, wo sie es sicher wähnen. Doch das kann sich schnell als verlustreich erweisen. Nur wer früh genug viel Zeit in Recherchen investiert, geht auf Nummer sicher.

Die Deutschen legen ihr Geld gerne dort an, wo sie es sicher wähnen. Doch das kann sich schnell als verlustreich erweisen. Quelle: dpa

In der Investmentbranche gilt der Spruch: Fonds werden nicht gekauft, sondern verkauft. Das heißt, die Initiative zum Kauf geht in der Regel von Banken, Sparkassen und Finanzvertrieben aus - eben von Verkäufern - und nicht von deren Kunden. Der Spruch lässt sich auf die Versicherungsbranche übertragen, sonst wären die Deutschen nicht bis zum Anschlag mit Lebenspolicen eingedeckt. Um genau zu sein: mit 93,2 Millionen Verträgen per Ende 2012, deren Löwenanteil auf Kapital- und Rentenversicherungen entfällt.

Drei Aktientipps für vorsichtige Anleger
E.On - Aktie wieder unter StromAls größter Kernkraft-Nutzer hat E.On besonders unter der Energiewende gelitten. E.On hat aber auch mehr und konsequenter als die Konkurrenten RWE und Vattenfall in Erneuerbare investiert, was sich langfristig auszahlen dürfte. Außerdem hat E.On die Krise genutzt, um sich von schwach rentablen Beteiligungen zu trennen, und hat Schulden abgebaut. Quelle: Bloomberg Quelle: dpa
Ein Joker könnte das Geschäft mit Flüssiggas werden, das die E.On-Tochter Ruhrgas ausbaut. Dem flüssigen Brennstoff gehört nach Meinung von Versorgungsexperten die Zukunft. Umsatz 2012 (in Mrd. €): 111,5 Kurs/ Stoppkurs (in €): 18,76/ 16,30 Börsenwert (in Mrd. €): 37,5 Dividendenrendite (in %): 5,3 KGV 2012/ 2013: 8,7/ 10,4 Chance/Risiko: 5/4 Stand: 4. Oktober 2012
Deutsche Telekom - Rendite bleibt attraktivZwar läuft das Stammgeschäft (Deutschland) schleppend, doch zeichnet sich im Ausland Besserung ab. Die Mobilfunk-Tochter T-Mobile USA soll mit Konkurrent Metro PCS fusionieren. Der Markt senkte darüber erst mal den Daumen: zu klein, zu teuer. Doch langfristige Synergien werden unterschätzt. Das neue Unternehmen wäre immerhin fast so groß wie die Nummer drei im US-Markt (Sprint). Quelle: dapd
Das Versprechen der Deutschen Telekom, die Dividende nicht zu kürzen, läuft zwar 2013 aus; doch mehr als fünf Prozent Rendite sind auch in den kommenden Jahren drin. Umsatz 2012 (in Mrd. €): 58,1 Kurs/ Stoppkurs (in €): 9,61/ 8,20 Börsenwert (in Mrd. €): 41,5 Dividendenrendite (in %): 7,3 KGV 2012/ 2013: 15,2/ 15,0 Chance/Risiko: 6/5 Stand: 4. Oktober 2012
K+S - Teuer, aber gutSicher, es gibt günstiger bewertete Aktien im Dax. Doch wer K+S nur nach Kurs- Umsatz und KGV bewertet, springt zu kurz. Beim einzigen deutschen Rohstoffkonzern müssen auch die Reserven in die Betrachtung mit einfließen. Und davon hat K+S eine Menge, sie dürften noch bis Ende des Jahrhunderts reichen. Quelle: AP
K+S In Kanada sollen neue Vorkommen von 160 Millionen Tonnen Kali erschlossen werden, dem wichtigsten Grundstoff für Dünger. Die Düngernachfrage steigt weiter, weil Ackerland knapper wird, die Weltbevölkerung aber wächst. Umsatz 2012 (in Mrd. €): 4,2 Kurs/ Stoppkurs (in €): 39,46/ 31,30 Börsenwert (in Mrd. €): 7,6 Dividendenrendite (in %): 3,3 KGV 2012/ 2013: 12,3/ 11,1 Chance/Risiko: 6/5 4. Oktober 2012

Dahinter steckt das Sicherheitsbedürfnis der Deutschen. Oder besser gesagt, es war ausschlaggebend, als der sogenannte Garantiezins noch in luftiger Höhe schwebte, zum Beispiel bei vier Prozent im Jahr 2000. Mittlerweile ist er auf dem harten Boden von 1,75 Prozent gelandet. Die Versicherungsbranche war indes noch nie um Alternativen verlegen, wenn es darum ging, den gesättigten Markt mit neuem Futter zu versorgen: erst mit Fondspolicen, später mit Riesterverträgen, zuletzt mit Policen ohne Garantiezins, angeboten von Branchengrößen wie Allianz und Ergo. Nur löst sich das Sicherheitsmotiv der Anleger bezüglich Lebensversicherungen dadurch allmählich in Luft auf. Also werden sie Sicherheit zunehmend anderswo suchen. Aber wo?

Prozente täuschen Sicherheit vor

Deutsche Anleger haben im Gegensatz zu angelsächsischen oder nordischen ein ganz anderes Verständnis von dem, was sicher ist. Alles, was schwankt, erscheint den meisten von ihnen unsicher bis gefährlich. Also jagen sie vermeintlichen Tages- und Festgeldschnäppchen sowie scheinbar attraktiven Zinsen von Unternehmensanleihen hinterher, statt ihr Heil beispielsweise in Aktien oder Aktienfonds zu suchen. Dass die mit einem Kupon von 5,875 Prozent ausgestattete Anleihe der auf Billigbaumärkte spezialisierten Pleitefirma Praktiker vor gerade mal zwei Jahren doppelt überzeichnet war, spricht da ebenso Bände wie die problemlos untergebrachte Anleihe des pleite gegangenen Solarunternehmens Solen mit einem inzwischen wertlos gewordenen Kupon von 7,5 Prozent. Wem das immer noch nicht Warnung genug ist, sollte einmal intensiv darüber nachdenken, wie es wohl um die Sicherheit der zurzeit in zahlreichen Fernsehspots angepriesenen Anleihen und sonstigen Renditelockvögel bestellt sein mag.

10 Tipps für Börseneinsteiger

Feste Prozentzahlen - sei es der Garantiezins von Lebensversicherungen, sei es der Kupon von Unternehmensanleihen - täuschen Sicherheit vor, wo sie nicht ist. Das gilt auch für Aktienanleihen, deren Emittenten früher mit zweistelligen Zinsen warben; heute haben sie das nicht mehr nötig, da reichen Zinsen irgendwo zwischen 5 und 10 Prozent. Und es gilt für Garantiefonds, deren Garantie Anleger teuer bezahlen müssen.

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