Gbureks Geld-Geklimper

Der ungleiche Dreikampf von Aktien, Gold und Immobilien

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die drei Anlageklassen gelten allenthalben als Schutz vor Inflation. Doch das ist längst nicht die ganze Wahrheit. Obendrein hat sich in den Köpfen der Anleger so manches Vorurteil festgesetzt.

Alle Dax-Aktien im Härtetest

Es gibt eine ganze Reihe von Antworten auf die Frage, warum die Inflationsrate 2014 in der Eurozone, in Amerika und Asien steigen wird. Die beste lautet: Weil die Zentralbanken es so wollen und weiterhin alles dafür unternehmen werden, dass es so kommt. Wer daran zweifelt, sollte sich im Internet oder in öffentlich zugänglichen Archiven die Aussagen der Zentralbanker aus den vergangenen Monaten zu Gemüte führen.
Inflation bedeutet Geldentwertung. Landläufige Meinung ist, dass Aktien, Gold und Immobilien einen gewissen Schutz vor vor ihr und vor ihrer neuzeitlichen Folge bieten, der finanziellen Repression, also der Enteignung durch negative Realzinsen. Diese Meinung hat viel für sich. Allerdings sind im Detail einige Unterschiede zu beachten, denn es handelt sich um grundverschiedene Anlageklassen, deren Schutzfunktion nicht immer und überall gilt.

Was Experten für den Kapitalmarkt 2014 erwarten
Jeden Winter veröffentlichen die internationalen Banken ihren Kapitalmarktausblick für das kommende Jahr: Wie entwickeln sich einzelne Währungen, Staatsanleihen, die Inflation, das Wirtschaftswachstum einzelner Länder und Wirtschaftsregionen oder die Leitindizes. Als Rückversicherung geben viele Geldhäuser neben ihren Prognosen aber auch gleich noch mit an, dass natürlich alles ganz anders kommen kann. So gab beispielsweise der Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg, Uwe Burkert, zum Abschluss seines Kapitalmarktausblickes zu, dass gleich ein ganzes Bündel möglicher Gefahren die Zuversicht der Investoren ins Wanken bringen und sämtliche Aktienprognosen über den Haufen werfen könnte. So könnte die Angst vor dem Platzen von Preisblasen an den Finanzmärkten für Verunsicherung sorgen. Im Folgenden also die Analystenprognosen - wie immer ohne Gewähr. Quelle: Fotolia
Aktienprognose von SchroedersDie Experten der britischen Vermögensverwaltung Schroeders gehen davon aus, dass europäische Aktien auch 2014 ein starkes Aufwärtspotenzial haben.
Schroeders zur Entwicklung bei den BankenMit Blick auf die viel befürchtete Bankenkrise in Europa kann Bateman beruhigen: „Das Risiko einer systemischen Bankenkrise in Europa ist praktisch nicht mehr vorhanden. Die Banken in der Region haben den Fremdkapitalanteil und die Risikopositionen in ihren Bilanzen abgebaut und geben Aktien aus. Der Sektor ist also auf dem richtigen Weg, um die in Basel III festgelegte Kernkapitalquote von zehn Prozent bis Ende 2013 umzusetzen – weit vor der gesetzlich vorgesehenen Frist.“ Außerdem werde die Europäische Zentralbank (EZB) 2014 die Vermögensqualität im Bankensektor prüfen. Und auch wenn einzelne Banken vermutlich zusätzliches Kapital benötigen werden, geht der europäische Aktienexperte davon aus, dass das Vertrauen damit nicht nur wiederhergestellt, sondern auch signalisiert werde, dass die europäischen Banken kein systemisches Risiko mehr darstellen. Während spanische Banken aufgrund von Immobilienkrediten mit Schwierigkeiten zu kämpfen hätten, würden notleidende Kredite auch den italienischen Banken gewisse Unsicherheiten bescheren. Quelle: dpa
DAX-Prognose der TargobankDer Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang blickt optimistisch in das kommende Börsenjahr: „Wir sehen für den DAX ein Rückschlagpotenzial bis 8.300 Indexpunkte, erwarten ihn aber zum Jahresende 2014 bei rund 10.700 Zählern“, sagt er. Obwohl der deutsche Leitindex in den letzten zwei Jahren gut 30 Prozent zugelegt habe, sei er noch nicht überwertet.
Rohstoffausblick der TargobankBei den Rohstoffmärkten werde sich auch 2014 nicht viel tun, so Lang. Jedenfalls lasse die Aufwärtsbewegung weiter auf sich warten. Quelle: dpa
Targobank zur Inflation und GeldpolitikChefvolkswirt Lang geht davon aus, dass die US-Notenbank FED unter neuer Führung eine Wende in der Geldpolitik einleiten, aber sehr, sehr viel Augenmaß walten lassen wird.
Targobank zur Weltkonjunktur und den Anleihemärkten

Anleger scheren sich zu wenig um Pro und Kontra

Aktienkurse schwanken. Im besten Fall gesellen sich zu Kursgewinnen hohe Dividenden. Nach mehr als zehn Jahren liegt eine repräsentative Aktienauswahl erfahrungsgemäß fast immer im Gewinn, auch dann, wenn der Kauf zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt stattfand. Der Goldpreis schwankt ebenfalls, das Edelmetall wirft nicht einmal eine Rendite ab. Doch im Zweifel bleibt seine Kaufkraft und seine Funktion als Versicherung gegen Finanzkrisen auch über Jahrzehnte erhalten. Immobilienpreise schwanken zwar, aber in welchem Ausmaß, das weiß man erst nach einer Transaktion. Die Mietrendite von Immobilien oder ihre Schwester, die Mietersparnis im Fall der Eigennutzung, ist eine weitere spezifische Komponente dieser Anlageklasse.
Seltsamerweise wägen die wenigsten Anleger das Pro und Kontra der drei Anlageklassen ab, bevor sie sich für die eine oder andere entscheiden. Die meisten sind entweder auf Aktien oder auf Gold oder auf Immobilien eingeschworen. Ein großer Fehler. Er hat weniger mit der Verbohrtheit als mit dem Zeitbudget der Anleger zu tun – man kann sich halt nicht um alles kümmern.

Aktien sind nicht mehr alternativlos

Die Kurse der gängigen Aktien, etwa aus Dax oder MDax, müssen nach ihrem fulminanten Anstieg 2012 und 2013 im laufenden Jahr nicht zwangsläufig weiter wie von Zauberhand gezogen steigen, sondern dürften wegen ihrer mittlerweile hohen Bewertung auch mal kräftig fallen. Die häufig vertretene Meinung, Aktien seien alternativlos, ist jedenfalls von gestern.
Aktien sind wunderbare Anlagen, wenn man sie zu niedrigen Kursen kauft und zu hohen wieder verkauft. Ihre leichte Liquidierbarkeit sticht wohltuend von den Schwierigkeiten ab, die der Verkauf von Immobilien bereiten kann. Und die Spekulation mit Aktien kann viel Spaß machen. Doch wehe, wenn man auf die falschen setzt oder wenn das Timing einfach nicht stimmen will, was beides sogar erfahrenen Börsianern immer wieder mal passiert. Wer Anlagefehler jedoch wegzustecken versteht und auf dem Konto Erfahrung verbucht, kann im Lauf der Jahre zu einem erfolgreichen Spekulanten werden.

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