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Gbureks Geld-Geklimper

Der Wirtschaftskrieg eskaliert

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Im Streit zwischen Europa und Amerika geht es zur Sache. Für Anleger erwachsen daraus nicht nur Risiken, sondern auch große Chancen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU, r) und Bundesbankpräsident Jens Weidmann Quelle: dpa

Dienstagabend in der Deutschen Bundesbank: Ihr Präsident Jens Weidmann lobt die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels, bei denen es sich um einen Fiskalpakt, aber nicht um eine Fiskalunion handle. Mittwochnachmittag im Deutschen Bundestag: Kanzlerin Angela Merkel sagt, "wir reden nicht mehr nur über Fiskalunion, sondern haben angefangen, sie zu schaffen." Die Märkte nehmen solche verwirrenden Aussagen zur Kenntnis und reagieren mit hektischen Ausschlägen: beim Euro unter 1,30 Dollar, bei Aktienkursen kräftig, bei Edelmetallpreisen heftig.
Ist das der Anfang vom Euro-Ende? Oder speziell aus Sicht von Aktien- und Edelmetallanlegern: der Beginn eines jahrelangen Absturzes? Ganz und gar nicht. Denn der Euro wird in irgendeiner Form, die erst noch langwierig ausgehandelt werden muss, weiter bestehen, wobei die Zahl der Euro-Mitgliedsländer durchaus variieren kann. Die fallenden Aktienkurse nehmen eine Rezession vorweg, die auch vom Euro-Schicksal abhängt und über deren Schärfe sich diskutieren lässt. Die fallenden Edelmetallpreise sind primär auf Verkäufe von spekulierenden Hedgefonds zurückzuführen, am Mittwoch zusätzlich dadurch angeregt, dass die von Charttechnikern viel beachtete 200-Tage-Linie den Goldpreis in Dollar von unten nach oben geschnitten hat.

Hardliner kontra Pragmatiker

Das Ganze wird in Europa einerseits vom erbitterten Streit zwischen den der reinen Stabilitätslehre verpflichteten Hardlinern und den vor einer Deflation oder sogar Depression warnenden Pragmatikern überlagert, andererseits vom eskalierenden Wirtschaftskrieg zwischen dem Euro-Raum und den USA, der zusätzlich durch einige US-Politiker und die Ratingagenturen befeuert wird. Bundesbank-Präsident Weidmann, der gern mit Gleichnissen argumentiert, hat den strikten Stabilitätskurs am besagten Dienstagabend so verteidigt: Ist ein Ei erst einmal kaputt (wird die Staatsfinanzierung über die Geldpolitik ermöglicht), lässt es sich nicht wieder in den ursprünglichen Zustand bringen (ist die Stabilität des Geldwerts dahin). Dagegen plädiert zum Beispiel Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, schon seit Monaten für die Abkehr von der reinen Lehre; und er wirft der Bundesregierung vor, durch ihr Zögern die Spekulation gegen Europa zu fördern.
Der Wirtschaftskrieg zwischen den beiden Währungsblöcken diesseits und jenseits des Atlantiks nimmt mittlerweile skurrile Züge an. Da lässt sich der britische Premier David Cameron zu Hause feiern, weil er als einziger die Beschlüsse des EU-Gipfels nicht mitgetragen hat, doch im Grunde hat er vor allem Lobbyist für den Finanzplatz London und indirekt New York gespielt. Die amerikanischen Ratingagenturen veranstalten sogar ein Kesseltreiben gegen Europa, indem sie mal diesem, mal jenem Land mit der Herabstufung der Bonität drohen und ihre Drohungen von Fall zu Fall wahrmachen. Weidmann attestiert ihnen „inzwischen ein Eindringen in wirtschaftspolitische Fragen“, allerdings haben sie seiner Meinung nach dafür "keine außergewöhnliche Kompetenz".

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