Gbureks Geld-Geklimper

Die Euro-Rettung und die Folgen für Anleger

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Ausgerechnet das kleine Griechenland ist der Prüfstein für den Euro. Die Konsequenzen liegen auf der Hand.

Die Kardinalfehler bei der Euro-Rettung
Frau mit einem blauen EU-Schirm vor dem EU-Parlament Quelle: dpa
Alter Mann bei einem Friseur Quelle: REUTERS
Die griechische Nationalflagge wird entfernt Quelle: dpa
Angela Merkel, Jose Luis Rodriguez Zapatero, Quelle: dpa
Demonstranten und Polizisten in Athen Quelle: dapd
Kassenbon mit Mehrwertsteuersätzen Quelle: dpa
Mann läuft an geschlossenen Geschäften vorbei Quelle: REUTERS

Finanziell betrachtet, ist Griechenland nicht mehr zu retten. Es sei denn, aus den Euro-Partnerländern, von der Europäischen Zentralbank (EZB), vom Internationalen Währungsfonds und von unzähligen Gläubigern kommt Hilfe. Trotzdem konzentrieren sich Zentralbanker und Politiker ständig auf die Strukturreformen des Landes, als könnten die einen schnellen Durchbruch zum Erfolg bringen. Wie Peter Praet aus dem EZB-Direktorium, der solche Reformen für möglich hält, „wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden“. Etwas konkreter wird Jean-Claude Juncker, der die Gruppe der Euro-Finanzminister anführt: „Die Strukturreformen kommen zu langsam voran.“
Bei einem derartigen Wenn und Aber ist es geradezu wohltuend, zu hören, was ein erfahrener Unternehmer dazu sagt: „Die Griechen haben keine Wirtschaft. Das Geld ist weg. Sie haben keine Strukturen, um die Steuern einzutreiben.“ So Jürgen Heraeus, Aufsichtsratsvorsitzender der Heraeus Holding. Man stelle sich einmal vor, in Deutschland gäbe es keine Finanzämter. Würden dann noch alle Bürger des Landes Steuern zahlen? Wohl eher nicht. Die Griechen verhielten sich bisher entsprechend. Dass die Reichen unter ihnen vor kurzem an den Pranger gestellt wurden, ist da nur eine Farce mit allzu großem Schaueffekt.

Bis zu 400 Milliarden Euro stehen auf dem Spiel

Wenden wir uns also von den Strukturreformen ab und der Frage zu, was im Fall der Griechenland-Pleite passieren würde: Das Land erhält kein Geld mehr, seine Anleihen werden wertlos, noch mehr griechische Unternehmen als ohnehin schon gehen pleite, die Banken des Landes stehen vor dem Bankrott, Gläubigerbanken aus dem Euro-Raum, aber auch Staaten und die EZB müssen gewaltige Beträge abschreiben, und dann fragt sich alle Welt, welches Euro-Land der nächste Pleitekandidat ist. Ganz zu schweigen von Kollateralschäden, wie Rezession, Währungsturbulenzen und Kurssturz an den Aktienbörsen.
Da es dazu nicht kommen darf, erhält Griechenland von den genannten Gläubigern immer mehr Geld. Die Strukturreformen mögen weiter gehen oder nicht, erfolgreich sein oder ins Stocken geraten, entscheidend für die Rettung Griechenlands sind zunächst nicht sie, sondern das Verhalten und die Geduld aller Gläubiger. Das Ganze verläuft getreu dem Motto: Schuldet jemand eine Million Euro, hat er ein Problem; schuldet er dagegen hundert Millionen, hat die Bank ein Problem – im Fall Griechenland mit dem Unterschied, dass hier nicht Millionen im Spiel sind, sondern ein Betrag irgendwo zwischen 350 und 400 Milliarden Euro.

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