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Gbureks Geld-Geklimper

Die EZB liefert Spielgeld für Spekulanten

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die Geldpolitik der EZB wird zum entscheidenden Faktor für die Aktienkurse - dieses Mal aber wohl im Rückwärtsgang. Anleger sollten sich schon jetzt darauf vorbereiten, dass es an der Börse bald ordentlich krachen wird.

Der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB). Quelle: dpa

Wetten, dass es in der EZB bald ordentlich krachen wird – und damit auch an den Finanzmärkten? Die jüngsten Ereignisse deuten darauf hin: Nachdem EZB-Chef Mario Draghi Anleihenkäufe in größerem Umfang angekündigt hat, gibt es im EZB-Rat gleich einige Gegenstimmen, nicht nur die von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann.

Macht Draghi seine Ankündigung wahr, gilt es als wahrscheinlich, dass die Teilnehmer an den Finanzmärkten nur mit einem müden Lächeln reagieren, weil sie dies schon vorweggenommen haben, und dass sie sich anschließend von Anleihen und Aktien verabschieden werden. Unternimmt er dagegen nichts, dürften die Märkte ad hoc schockiert reagieren.

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Das Ganze enthält noch eine weitere unangenehme Komponente: Die Regierungen von Euroländern wie Frankreich, Italien und anderen drücken sich vor durchgreifenden Reformen oder schieben sie nicht genug an. Stattdessen verharren sie in Wartestellung, denn die von ihnen herbeigesehnten Staatsanleihenkäufe durch die EZB wären für sie das gefundene Fressen, um ihre lahme Reformpolitik fortzusetzen.

Im Übrigen stehen sie intern unter Druck: vonseiten der Opposition, der Bevölkerung, speziell der vielen Arbeitslosen, und nicht zuletzt vonseiten der enormen Zahl an Zuwanderern.

Schock in Raten oder ad hoc?

Die Freunde der Anleihenkäufe machen es sich einfach, indem sie argumentieren, die Inflation in der Eurozone, derzeit nur noch 0,3 Prozent und wohl weiter auf dem absteigenden Ast, werde eher ins Minus rutschen, als das von der EZB deklarierte Ziel von etwas unter zwei Prozent zu erreichen. Daraus entwickeln sie die These, dass es bald zur Deflation komme, die unbedingt mit allen Mitteln bekämpft werden müsse, eben auch mit Anleihekäufen.

Sie lassen allerdings unter den Tisch fallen, dass die aktuell sehr niedrige und bald weiter fallende Inflationsrate in erheblichem Umfang dem niedrigen Ölpreis zu verdanken ist, der wiederum der Konjunktur in der Eurozone hilft, auf die Sprünge zu kommen.

Man kann die Argumente drehen und wenden, wie man will; am Ende wird entscheidend sein, dass Draghi sich durchsetzt, denn er ist der Boss. Aber nach Abwägung aller Gedanken, die mal für, mal gegen Anleihenkäufe sprechen, mit welcher Maßgabe? Das heißt, wird Draghi auf stur schalten und den Großteil des EZB-Rats hinter sich bringen, oder wird er versuchen, die Weidmann-Fraktion für einen Kompromiss zu gewinnen?

Damit wären wir wieder bei unserer anfänglichen Überlegung angekommen: Schock an den Finanzmärkten in Raten oder ad hoc.

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