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Gbureks Geld Geklimper

Die Folgen der Zinswende für Anleger

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Anleihen haben ihre beste Zeit hinter sich, Tagesgeld ist im Kommen, finanzielle Repression droht, und Aktien müssen noch Verkäufe durch Fonds verkraften.

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An den Börsen geht es derzeit hoch her. Quelle: dapd

Seit einigen Tagen drehen die deutschen Zinsen, von der breiten Öffentlichkeit kaum bemerkt, recht kräftig nach oben. Das heißt konkret, zehnjährige Bundesanleihen rentieren plötzlich um 1,5 Prozent, nachdem sie noch vor einer Woche kurzfristig unter 1,2 Prozent gefallen sind. Oder auf den entsprechenden Terminkontrakt Bund Future bezogen, der die Rendite der Bundesanleihen unter umgekehrten Vorzeichen widerspiegelt: Er ist von über 146 auf unter 142 Prozent gefallen. Vor einer Woche stand hier zu lesen, er zeige „den ganzen Wahnsinn der Spekulation mit Bundesanleihen“.

Dieser Wahnsinn hat nun ein jähes Ende gefunden, doch was folgt ihm? Oder konkret gefragt: Ist das die Zinswende? Für die richtige Antwort empfiehlt sich ein kurzer Blick in die Vergangenheit. Da gab es nämlich, gemessen an der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, bereits etliche Wendeversuche. Die scheiterten jedoch entweder an der Deflation im Allgemeinen oder an der Finanz- und Wirtschaftskrise mit anschließender Geldschwemme im Besonderen.

Jetzt ergibt sich eine ganz neue Konstellation: Vor dem Hintergrund doppelt und dreifach so hoher Renditen anderer Euroländer werden Bundesanleihen auf einmal in den Strudel der Eurokrise gerissen, weil Deutschland sich nicht mehr länger den Forderungen von Seiten Frankreichs, Italiens, Spaniens usw. nach mehr Solidarität entziehen kann. Das nimmt die Börse vorweg, und schon ist die Zinswende da.

Warum Kunden ihrem Banker misstrauen
Die Finanzkrise hat das Vertrauen der Finanzanleger negativ beeinflusst. Zu diesem kommt die aktuelle Studie der Nürnberger Puls Marktforschung unter 1.000 deutschen Bankkunden. Deren deutliche Mehrheit ist inzwischen der Meinung, sich eigenständig über Geldanlagen informieren zu müssen. Quelle: dpa
74 Prozent der Befragten geben an, dass man bei reinem Vertrauen in den Berater ohne eigene zusätzliche Information „selbst Schuld“ bei Verlusten sei. Dies sehen speziell Männer, Ältere und Besserverdienende so. Quelle: dpa-tmn
Beratungsgespräch in einer Bank Quelle: Fotolia
Auch bei der Frage, welchen Informationsquellen die Bankkunden vertrauen, kommt die Studie zu einem ernüchterndem Ergebnis: Eigentlich keiner so richtig. Aber: „Die persönliche Beratung bei unabhängigen Stellen, wie etwa der Verbraucherberatung, werden von heutigen Kunden noch am ehesten als vertrauenswürdig angesehen,“ fasst Dr. Konrad Weßner, Puls-Geschäftsführer, zusammen. Quelle: picture-alliance
Gerade mal 17 Prozent der Befragten vertrauen dem persönlichen Berater, 15 Prozent unabhängigen Institutionen. Quelle: dpa
Die Weiten des Internets taugen bei der Mehrheit auch nicht für Anlagetipps, sondern als reine Informationsplattform wie etwa zu Aktienkursen. Quelle: dpa
Das Beratungsprotokoll findet bei Anlegern mehr Anklang als vermutet: 95 Prozent derjenigen, die ein Protokoll erhalten haben, lesen es durch. Die Hälfte von ihnen ausführlich, die anderen überfliegen es zumindest. Quelle: dpa

Tagesgeld schlägt Anleihen

Die nächsten Fragen, die sich aufdrängen: Was wird die Bundesregierung in der Person des absolut gewieften Finanzministers Wolfgang Schäuble unternehmen, um die kommenden Mehrausgaben aufgrund höherer Zinsen zu kompensieren, und wie sollen sich Anleger im Hinblick auf ihre Zinsgeschäfte verhalten? Beide Fragen sind relativ leicht zu beantworten: Schäuble wird sich bis zur Bundestagswahl im nächsten Jahr durchwursteln, die Steuern nicht erhöhen und so tun, als werde alles im Guten enden. Nach der Wahl, so viel ist bereits heute sicher, wird die nächste Regierung die Rechnung servieren. Anleger, die nur Geld parken wollen, verkaufen am besten ihre Anleihen mit mehr als zwei Jahren Restlaufzeit (nicht allein die des Bundes) und greifen angesichts der beschriebenen Zustände zum guten alten Tagesgeld. Dieses wird zurzeit nur bis maximal etwa 2,5 Prozent verzinst, aber der Zins steigt erfahrungsgemäß mit dem allgemeinen Zinsniveau.
Apropos Tagesgeld: Auf der Internetseite fmh.de sind entsprechende Angebote zu finden, darüber hinaus auch die günstigsten Konditionen für Baukredite. Schon ab 2 Prozent Tagesgeldzins muss man aufpassen, weil es viele Lockvogelangebote gibt, die nur für eine begrenzte Zeit, ab einem bestimmten Betrag (oder bis zu ihm) gelten, die nur in Verbindung mit anderen Angeboten realisierbar sind, zum Beispiel mit Fonds, oder die von wackeligen Banken mit schlechtem Service stammen. Auf jeden Fall wichtig: Die staatlich garantierte Einlagensicherung ist auf 100.000 Euro pro Person begrenzt, bei Gemeinschaftskonten (etwa solchen von Eheleuten) auf 200.000 Euro. Höhere Beträge sollten also auf mehrere Institute verteilt werden; das ist im Übrigen prinzipiell zu empfehlen.

Die finanzielle Repression kommt

Nachdem die Inflationsrate wieder unter 2 Prozent gefallen ist, stellt sich natürlich die grundsätzliche Frage, welchen Sinn eine Tagesgeldanlage ergibt, deren Verzinsung nur bei besonders günstigen Banken darüber, aktuell in der Regel aber darunter liegt. Zumal die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent zuzüglich Soli an den Zinsen nagt und der Sparerpauschbetrag von 801 Euro pro Person und Jahr (1602 Euro für Eheleute) ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Real landen Anleger also allemal im Minus. Die folgende Antwort liegt nahe: Es gilt, ein noch größeres Minus mit Anleihen zu vermeiden, denn deren Kurse werden mit dem steigenden Zinsniveau fallen. Ansonsten hat Tagesgeld ja nicht die Funktion, Anleger reich zu machen, sondern ihnen einen gewissen finanziellen Spielraum zu gewähren.

Die zehn erfolgreichsten Börsen
Platz 10: Österreich Quelle: dpa
Platz 9: Niederlande
Platz 8: Großbritannien Quelle: dpa
Platz 7: Deutschland
Platz 6: Frankreich Quelle: dpa
Platz 5: USA Quelle: dpa
Platz 4: Schweiz Quelle: AP

Die Abgeltungsteuer, die in der nächsten Legislaturperiode mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erhöht wird, gehört zusammen mit dem mickrigen Sparerpauschbetrag zu den Vorboten der finanziellen Repression. Darunter versteht man die staatliche Kapitallenkung. Bei solchen Vorboten wird es nicht bleiben. Denkbar sind beispielsweise auch Zwangsanleihen, ein gesetzlich vorgeschriebener Höchstzins, eingeschränkte Bargeldabhebungen und/oder allerlei Kapitalverkehrskontrollen. Aus der zurzeit viel diskutierten Finanztransaktionssteuer dürfte sich über kurz oder lang ebenfalls ein Repressionsinstrument entwickeln.

Positive Signale für Aktien

Nicht unmittelbar, aber mittelbar repressiv werden 2013/14 die EU-Vorschriften zur Unterlegung der Aktiva von Versicherern mit Eigenkapital wirken, bekannt unter dem Stichwort Solvency II und flankiert von ähnlichen Vorschriften für Banken, hier bekannt als Basel III. Um nur ein Beispiel zu nennen: Von Versicherern gehaltene Aktien und Immobilien sollen mit mehr Eigenkapital unterlegt werden als etwa Staatsanleihen. Ein Großteil der Versicherer hat Aktien in einer Art vorauseilendem Gehorsam schon auf eine Größenordnung zurechtgestutzt, die bestenfalls als Restposten zu bezeichnen ist.

Das kann man durchaus als ein positives Zeichen für den deutschen Aktienmarkt werten, denn damit ist dieser zumindest vom Verkaufsdruck der Versicherer weitgehend befreit. Jetzt muss er noch Verkäufe von Seiten einiger Fonds verkraften, wobei der Konzentrationsprozess in der Fondsbranche ausschlaggebend sein dürfte. Für private Aktienkäufer ergeben sich dadurch erhebliche Kaufchancen, vorausgesetzt, sie greifen immer bei zwischenzeitlichen Rückschlägen zu und verteilen ihre Käufe über einige Monate.

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