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Gbureks Geld-Geklimper

Die wenig schmeichelhaften Folgen der Zinswende

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Viel spricht dafür, dass wir eine zeitlich langgestreckte Zinswende erleben. Das bedeutet für Anleger: von Bundes- und Unternehmensanleihen bis zu Lebensversicherungen umdenken.

Zehn wichtige Tipps fürs Geldanlagegespräch
Ein Mann hält eine Check-Liste in den Händen Quelle: Fotolia
Staßenschilder warnen Fußgänger vor herabfallenden Steinen Quelle: dpa
Alternativen einfordernOft präsentieren Berater ihren Kunden nur ein Produkt – nach dem Motto „Das habe ich nur für Sie ausgewählt“. Nicht selten sind das die Produkte, für die der Berater die höchste Provision bekommt, aber eben nicht die für den Kunden passenden Anlagen. Sparer sollten unbedingt Alternativen einfordern, um vergleichen zu können. Genauso ist es wichtig, nicht nur eine Bank nach guten Anlagen zu fragen. Gehen Sie lieber zu mehreren Geldinstituten und vergleichen die Angebote. Quelle: Fotolia
Eine Dame in einem Beratungsgespräch Quelle: Fotolia
Ein Mann schaut durch eine Lupe Quelle: Fotolia
KostenrechnungHohe Gebühren fallen auch dann an, wenn der Kunde nicht in Wertpapiere investiert. Bei Bausparverträgen etwa verlangen Banken in der Regel einen Prozent der Bausparsumme als Abschlussgebühr. Anleger sollten eine genaue Übersicht einfordern, auf der alle anfallenden Gebühren und Provisionen aufgeführt sind. Wer ein kompliziertes Produkt wie einen Bausparvertrag nicht braucht, sollte sich nicht scheuen, nach einfacheren Anlagen wie einem Banksparplan zu fragen. Quelle: Fotolia
Ein Beratungsgespräch Quelle: Fotolia

Es gibt Trendwenden, die von heute auf morgen entstehen, und andere, die sich schleichend ankündigen. Die aktuelle deutsche Zinswende gehört zur zweiten Kategorie: Seit Jahren von verschiedener Seite immer wieder mit durchaus plausiblen Argumenten angekündigt und dann doch nicht gekommen, zeichnet sie sich inzwischen seit gut einem Jahr ab. Jetzt muss der Bund Zinsen mit der Eins vor dem Komma für seine fünfjährigen Anleihen zahlen; bis vor Kurzem stand noch die Null davor. Und es würde nicht verwundern, wenn die zehnjährigen bereits in diesem Jahr die Zwei vor dem Komma stehen hätten.

Das Ganze spielt sich kaum unter den Augen der Öffentlichkeit ab. Klar, wenn die Renditen der Anleihen – nicht allein solcher des Bundes – seit Monaten hin und her springen, nehmen davon außer den Profis nur die wenigsten Anleger Notiz. Sollten sie aber, und zwar am besten mithilfe des Bund Future, einem repräsentativen, in vielen Medien veröffentlichten Terminkontrakt, der die Zinsentwicklung besonders sensibel  unter umgekehrten Vorzeichen zu langlaufenden Bundesanleihen wiedergibt. Er erreichte Anfang Mai dieses Jahres mit 147,16 Punkten sein Hoch und fiel zuletzt unter 140 Punkte.

Miese Rendite, miese Kosten, miese Prognosen
Öko-Test: Schatzbriefe brachten mehr als LebensversicherungenLebensversicherungen sind laut einer Stichprobe von "Öko-Test" als Altersvorsorge nicht empfehlenswert. Die Renditen von Lebensversicherungen seien einer Untersuchung des Magazins zufolge in den vergangenen Jahrzehnten in den meisten Fällen niedriger ausgefallen als bei einer Anlage des Geldes in Sparplänen mit Bundesanleihen. Im Vergleich hätten Verbraucher dabei auf 1,23 bis 2,35 Prozent Rendite verzichtet, heißt es in dem Bericht von "Öko-Test". Grundlage sind Policen, die zwischen 1963 bis 2001 abgeschlossen worden waren. Der Untersuchung zufolge brachten die Policen, die der Zeitschrift von der Verbraucherzentrale Hamburg anonymisiert übergeben worden waren, Renditen zwischen 3,10 und 4,49 Prozent pro Jahr. Eine parallele Anlage des Geldes in Schatzbriefen hätte demnach aber Renditen von 4,33 bis 6,73 Prozent gebracht. Auch Policen, die lange vor der jetzigen Niedrigzinsphase abgeschlossen worden seien, seien mit ihren Erträgen somit hinter den Vergleichssparplänen zurückgeblieben, teilte "Öko-Test" mit. Die Gründe lägen zum Teil in den Kosten, die insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren extrem hoch gewesen seien. Die Ablaufrendite sei zudem stets niedriger gewesen als die Prognose des Anbieters, erklärte "Öko-Test". Nur in vier der untersuchten 83 Fälle habe der Kunde am Ende besser abgeschnitten als bei der Vergleichsanlage. Quelle: dpa
TVersicherer wehren sich gegen die AnalyseDer Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hält dagegen. "Wer Kapitallebensversicherungen mit Bundessparplänen vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen. Anders als ein reiner Sparplan verbindet die Kapitallebensversicherung die Vorteile der Risikolebensversicherung mit zusätzlicher Altersvorsorge. Bundesanleihen weisen auch erhebliche Wertschwankungen auf, sind also risikoreicher." Derzeit haben Lebensversicherungen mit dem niedrigen Zinsniveau zu kämpfen, was sich auf die Rendite der Sparer auswirkt. Schuld sind die extrem niedrigen Renditen für krisensichere Staatsanleihen, in die die Anbieter ihre Kundengelder anlegen müssen. Das senkt die Gewinnausschüttung im Vergleich zu früher noch weiter ab. Der wie Öko-Test selbst einräumt "zweifelsohne nicht repräsentative" Test berücksichtigt außerdem nicht die steuerliche Belastung von Bundesanleihen und die Kosten eines entsprechenden Sparplans. Die früher einmal kostenfreie Finanzagentur des Bundes wurde immer nur von wenigen Bürgern genutzt, mittlerweile ist sie für Privatanleger geschlossen. Quelle: dpa
Öko-Test hat 83 abgelaufene Verträge von 39 Versicherern genau untersucht. Insgesamt wurden 76 Kapitallebensversicherungen und sieben Rentenversicherungen mit einer Laufzeit von zwölf und 45 Jahre unter die Lupe genommen. Die Stichprobe basiert auf Beratungsfälle der Verbraucherzentrale Hamburg und wird als nicht repräsentativ angesehen. Es soll lediglich ein Eindruck über die realen Renditen abgelaufener Policen vermittelt werden. Auf den folgenden fünf Seiten werden die Lebensversicherungen jener Versicherer vorgestellt, dessen prognostizierten Renditen pro Jahr am stärksten von den tatsächlichen abgewichen sind. Quelle: dpa Picture-Alliance
Ein Mann, der 1994 im Alter von 49 eine Kapitallebensversicherung mit einer Laufzeit bis 2009 bei der Alten Leipziger abschloss, wurde eine jährliche Rendite von 5,05 Prozent prognostiziert. Real bekam man bei der Versicherung allerdings nur eine jährliche Rendite in Höhe von 3,21 Prozent ausgeschüttet. In Zahlen ausgedrückt betrug die tatsächliche Leistung 52.522,11 Euro, versprochen waren 60.843,73 Euro. Die jährliche Renditeminderung betrug -1,85 Prozent. Quelle: Handelsblatt Online
Auch die Provinzial Nord reiht sich in die Liste der schwächsten Lebensversicherungen ein. Bei einem Eintrittsalter von 43 im Jahre 1994 und einer Laufzeit bis 2011, bekam eine männliche Person die Prognose auf eine Rendite von jährlich 6,06 Prozent. In Wirklichkeit wurde allerdings nur eine Rendite von 3,99 Prozent realisiert. Mit dieser Rendite betrug die tatsächliche Leistung 14.839,84 Euro, wohingegen die prognostizierte Leistung bei 17.974,47 Euro liegen sollte. Die Rendite minderte sich jährlich um -2,07 Prozent. Quelle: dpa
Bei der Saar Union/Delta Lloyd wurde einem Mann 1984 im Alter von 28 Jahren eine jährliche Rendite von 6,34 Prozent versprochen. Nach Vertragsende 2014 wird die Kapitallebensversicherung des Instituts allerdings nur eine magere Rendite von 3,31 Prozent abwerfen. Der prognostizierte Betrag von 192.103,21 Euro wird weit verfehlt. Nach Ablauf des Vertrags stehen dem Mann nur 136.465,44 Euro zu. Die Renditeminderung liegt bei -3,03 Prozent.* *Vertrag mit unkündbarer Beitragsdynamik. Vertrag läuft noch, Berechnung auf Basis der Ablaufprognose aus 2012. Quelle: Handelsblatt Online
2001 schloss eine 63-jährige Frau eine Rentenversicherung bei der Axa ab. Der Vertrag lief 2013 ab. Der Versicherungskonzern hat der Frau eine jährliche Rendite von 7,51 Prozent prognostiziert – real erzielte die Axa jedoch nur 4,43 Prozent. In Euro ausgedrückt wurde aus den versprochenen 155.388,25 Euro nichts. Tatsächlich bekam die Dame nur 115.798,20 Euro. Die Rendite sank pro Jahr um -3,08 Prozent. Quelle: dpa

Deutschland droht etwas Schlimmes

Als Ursache der deutschen und letzten Endes auch der Euroraum-Zinswende wird allenthalben in erster Linie die mehrfach angekündigte Abkehr der US-Notenbank Fed von ihrer extrem lockeren Geldpolitik genannt. Darüber lässt sich allerdings streiten. Denn die Konjunktur in den USA und im Euroraum entwickelt dich doch so unterschiedlich, dass nicht allzu viele Parallelen gezogen werden sollten: Drüben haben wir eine stark von Schulden getriebene, typisch amerikanische Es-wird-schon-werden-Konjunktur; abgesehen davon sind Fed-Ankündigungen ja keine Fakten. Demgegenüber gibt es im Euroraum zwar auch eine schuldengetriebene Konjunktur, aber die weicht von Land zu Land derart ab, dass dabei überwiegend eine Wird-schon-schief-gehen-Mentalität vorherrscht.

Fakt ist, dass wir es in den USA weitgehend mit einem auf Konjunkturhoffnungen basierenden Zinsanstieg zu tun haben. Dagegen nehmen die steigenden Zinsen im Euroraum, dem es an Konvergenz mangelt, und speziell in Deutschland durch ihren Anstieg schon jetzt etwas Schlimmes vorweg: Dass Deutschland sich nach der Bundestagswahl mit großer Wahrscheinlichkeit zugunsten der anderen Euroländer noch viel mehr verschulden muss. Das heißt, es besteht die Gefahr, dass die deutschen Zinsen sich eher denen der schwachen Euroländer anpassen werden als umgekehrt.

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