Gbureks Geld-Geklimper

Durchwursteln statt Währungskrieg

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Ein Abwertungswettlauf wie in den 30er Jahren ist unwahrscheinlich. Anleger sind gut beraten, sich von Unruhe an den Börsen nicht nervös machen zu lassen - und im Zweifel auf überflüssige Finanzprodukte zu verzichten.

Wo das Geld jetzt sicher ist
Bargeld Quelle: Sebastian_Wolf
Goldbarren und -münzenDas Edelmetall ist die Notfallreserve außerhalb des Finanzsystems schlechthin. Wer mit dem Schlimmsten rechnet, hofft, dass er kleinere Goldmünzen gegen Lebensmittel oder Medikamente tauschen kann, wenn Banken ihn nicht mehr mit Bargeld versorgen. Verwahren Anleger ihr Gold allerdings im Bankschließfach, kann es nach einer Bankpleite dauern, bis sie Zugriff bekommen. In Krisenzeiten fällt der Goldpreis mitunter. Großanleger wie Hedgefonds müssen ihren Goldbestand verkaufen, um flüchtende Anleger auszuzahlen. Da in Panikphasen andere Anlagen wie Aktien oder Anleihen stark an Wert verlieren oder illiquide werden, ist Gold dann eine der wenigen Anlagen, die sie noch zu Geld machen können. Quelle: dpa
Spareinlagen: Sparkassen/VolksbankenIhren Kunden versprechen Sparkassen, Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken, dass sie Pleiten der zu ihrer jeweiligen Gruppe gehörenden Institute im Vorfeld verhindern. Meist geschieht das über Fusionen von schwachen mit stärkeren Mitgliedern. Kommt es zu keiner Pleite, muss auch kein Geld gerettet werden. Dadurch sollen auch Zertifikate und Anleihen vor einem Totalverlust sicher sein. Das ist ein Unterschied zu anderen Einlagensicherungssystemen. Die Solidarität funktionierte bislang, könnte aber bei der Schieflage großer Institute überstrapaziert werden. Quelle: dpa
Fresenius Quelle: Pressebild
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Sparschwein Quelle: Edel Rodriguez
Euro-Münzen
Commerzbank Quelle: Reuters
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Schiff Quelle: dpa
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Zertifikate Quelle: dpa

Seit zwei Jahren geistert ein furchterregender Begriff durch die Diskussionen über Konjunktur und Krise: Währungskrieg. Jetzt wieder aus Anlass des Weltwirtschaftsforums in Davos, wenn auch überwiegend hinter vorgehaltener Hand. Aktueller Auslöser ist die Entscheidung Japans, notfalls unbegrenzte Yen-Geldmengen in die Märkte zu pumpen. Pikant daran: Die Initiative dazu ging nicht etwa von Japans Zentralbank aus, sondern von der neuen Regierung unter ihrem Chef Shinzo Abe. So, als würde US-Präsident Barack Obama bestimmen, wie viele Dollars von der Notenbank Fed auf Reisen durch die weite Welt geschickt werden sollen.

Und wie steht es diesbezüglich um den Euro? Haben etwa die Staats- und Regierungschefs der Eurozone da überhaupt ein Mandat? Sie sind sich jedenfalls ganz und gar nicht einig. Also überlassen sie den Euro-Job anscheinend so gut wie ganz dem EZB-Präsidenten Mario Draghi und dessen Gefolgschaft.

Wobei sich die Frage stellt: Übt die EZB, wenn sie Geldpolitik betreibt, diese Funktion nicht doch eher im Auftrag einiger Euroländer aus, etwa der wenigen starken, der vielen schwachen oder beider Ländergruppen als Kompromiss? Oder verfügt Draghi nicht schon über eine Art Schattenregierung, weil die EZB auf dem Umweg über die Geldpolitik ja bereits Fiskalpolitik betreibt? Die Ausgangssituation der drei Währungsblöcke Yen, Dollar und Euro könnte jedenfalls kaum unterschiedlicher sein, und das wird Konsequenzen haben.

Globalisierung verhindert Währungskrieg

Welche Konsequenzen? Bleiben wir zunächst beim hässlichen Wort Währungskrieg. Zum Beispiel bestünde die Möglichkeit, dass alle drei Blöcke versuchen, ihre Währungen mithilfe immer höherer Geldmengen zu schwächen, um auf diese Weise Vorteile für ihre Exportwirtschaft zu ergattern: Je niedriger der Yen im Vergleich zum Dollar notiert, desto mehr Toyotas könnten ihren Weg in die USA finden. Oder je tiefer der Dollar gegen den Euro absackt, desto schwieriger hätten es VW, Mercedes und BMW, ihre Autos in den USA zu verkaufen. Oder wie wäre es umgekehrt mit einer Neuauflage der sogenannten Eurokrise? Und so weiter. Zu Beginn der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts war so etwas ja gang und gäbe.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Doch dieses Mal ist so manches anders. Die USA müssen aufpassen, dass der Dollar nicht über längere Zeit zu schwach notiert, weil er dann seine Funktion als weltweit führende Handelswährung verlieren könnte. International agierende Konzerne wie Apple aus den USA, Sony aus Japan oder VW aus Deutschland lassen ihre Produkte zu einem beachtlichen Teil in China fertigen; die Abwertung ihrer Heimatwährungen brächte folglich nur Teilerfolge. Und das Interesse Deutschlands wie auch der ganzen Eurozone kann allein schon deshalb nicht darin bestehen, den Euro abzuwerten, weil Chinas Währungsreserven mittlerweile zu einem Viertel in Europas Gemeinschaftswährung angelegt sind. Deren Schwäche könnte also nicht zuletzt die Staatsfinanzierung in der Eurozone gefährden, weil die Chinesen dann Euro-Staatsanleihen meiden würden. Man kann das Ganze auch so zusammenfassen: Die Globalisierung verhindert einen Abwertungswettlauf und damit einen Währungskrieg wie in den 30ern.

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