Gbureks Geld-Geklimper

Ein böses Omen für Börsianer

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die Aktienkurse werden in Europa und in Amerika weiter fallen, weil Anleger jetzt ihre jahrelang aufgelaufenen Kursgewinne realisieren. Die miese Konjunktur und die begrenzten Mittel der EZB verstärken den Effekt.

Ein Händler blickt besorgt auf die Monitore an der New York Stock Exchange Quelle: dpa

Was sich am gestrigen Mittwoch an den Börsen abgespielt hat, ist wegweisend für die kommende Kursentwicklung in Europa und in den USA: fallende Aktienkurse und Flucht in Anlagen, die als sicher gelten, also Gold und Cash. Die meisten Kommentatoren haben spontan die schwachen amerikanischen Konjunkturdaten als Ursache des Kursrückgangs hüben wie drüben ausgemacht.

So schnell können sie sich verbiegen: Bis zuletzt argumentierten sie, falls die US-Notenbank Fed ihre lockere Geldpolitik fortsetze – der EZB bleibt eh nichts anderes übrig -, sei das positiv für die Börse. Also schade eine gute Konjunktur den Aktienkursen, weil durch sie das Ende dieser Geldpolitik nahe – eine seltsame Begründung.

Reaktionen auf EZB-Zinssenkung und Wertpapierkäufe

Die Wahrheit ist viel einfacher: Institutionelle und private Anleger nehmen unabhängig von dem, was Fed und EZB noch auf der Agenda haben, einfach ihre in drei Jahren aufgelaufenen, zum Teil durch viel Spielgeld aufgeblasenen Kursgewinne mit. Die institutionellen, um ihren Kunden zum baldigen Jahresende zählbare Erfolge präsentieren zu können.

Die privaten, damit die Gattin endlich zu ihrem Wunsch-Sport-Utility-Vehicle kommt und Sohnemann oder Töchterlein mit dem neuesten Smartphone spielen kann. Von Gewinnmitnahmen ist halt noch niemand arm geworden, lautet ein unter Börsianern gängiger Spruch. Und besonders die Deutschen sollten zur Belebung der Wirtschaft endlich mehr konsumieren, fordern gern amerikanische Professoren, die noch nie in Deutschland waren.

Abwärtsspirale in den USA

Sind die USA womöglich unser großes Vorbild, nicht allein in Sachen Konsum? Auf diese Idee könnte man ja beim Vergleich der amerikanischen mit den europäischen Aktienkursen kommen: Der S&P-Index ist dem Dax in den vergangenen Jahren weit davongezogen, wenn man berücksichtigt, dass er ein Kursindex ohne Dividenden, der Dax dagegen ein Performanceindex mit Dividenden ist.

Und auch beim Vergleich der Konjunktur schneiden die USA viel besser ab, niedrige Energiepreise dank Fracking machen es möglich - soll doch die nächste Generation zusehen, wie sie mit den durch diese Methode der Energiegewinnung verursachten Umweltschäden klarkommt.

Die amerikanische Konjunktur basiert auf einer exorbitanten Schuldenwirtschaft. Dazu einige Daten, entnommen einer Studie von Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank: Seit 2008 bis Ende September 2014 ist die Wirtschaftsleistung um 7 Prozent gestiegen, die Staatsverschuldung um 78 Prozent.

In derselben Zeit haben die Konsumentenkredite um 18,5 Prozent zugenommen, die Lebensmittelpakete für Bedürftige um 50 und die Studentenkredite um 90 Prozent. Das Leben auf Pump hat in den USA Tradition. Mit fallenden Aktienkursen wird es zunehmen und eine Abwärtsspirale in Bewegung setzen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%