WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Gbureks Geld-Geklimper

Ein böses Omen für Börsianer

Seite 2/2

Europa hat ein Bankenproblem

Um Europa ist es leider noch schlimmer bestellt, jedoch aus ganz anderen Gründen. Bezeichnend dafür war der Kurssturz vom Mittwoch an der deutschen Börse; er fiel besonders deshalb kräftiger aus als in Amerika, weil Europa ein Bankenproblem hat – zwar nicht erst jetzt, aber in seiner Wirkung auf die Aktienkurse wohl, und das mit zunehmender Tendenz schon seit einigen Wochen.

Das Problem besteht im Wesentlichen darin, dass europäische Banken über zu wenig Eigenkapital im Verhältnis zu ihren Bilanzsummen verfügen. Um es zu beheben, könnten sie neues Eigenkapital aufnehmen, weniger Kredite vergeben und/oder sich von einem Teil ihrer Anlagen trennen.

Die erste Variante erweist sich als illusorisch, zumal die Ergebnisse des Stresstests der Banken durch die EZB erst Ende Oktober vorliegen und dann wahrscheinlich zu neuen Verwerfungen führen werden. Die zweite Variante ist für die Entwicklung der Konjunktur gefährlich, die dritte für die Börsenentwicklung. Die dritte wird gerade fleißig praktiziert.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Damit lässt sich zum größten Teil begründen, warum die deutschen wie auch die anderen europäischen Aktienkurse zuletzt so tief gefallen sind. Wie aus einer Studie der Frankfurt School of Finance & Management und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hervorgeht, würde sich bereits ein Kursrückgang um 10 Prozent verheerend auf die Banken auswirken. Inzwischen ist der Kurssturz viel schlimmer – ein böses Omen für die kommende Kursentwicklung.

Durcheinander von Programmen zu erwarten

Kann EZB-Chef Mario Draghi die europäischen Banken retten? Er wird es zumindest versuchen. Wie man sich das im Einzelnen vorzustellen hat, wird aus den Ergebnissen des Stresstests und anschließend aus der im November beginnenden Arbeit der neuen europäischen Bankenaufsicht hervorgehen, die der EZB untersteht.

Draghi hat schon angekündigt, worin die Kernpunkte der Bankenrettung bestehen sollen: Er will die von ihm in den vergangenen Jahren mehrfach beschworenen unkonventionellen Mittel einsetzen, um den Banken deren Kreditlasten abzunehmen. Dazu gehört in erster Linie der Kauf von Schuldverschreibungen und Asset Backed Securities (ABS), beginnend in der zweiten Oktoberhälfte und gestreckt über mindestens zwei Jahre.

Geldanlage



Nur gibt es da das eine oder andere Problem. So ist der Markt für infrage kommende Schuldverschreibungen mit hoher Bonität und für werthaltige ABS (im Gegensatz zu Zockerpapieren mit demselben Namen, die mit zur Finanzkrise geführt haben) so klein, dass die Wirkung der EZB-Maßnahmen mangels Volumen zu verpuffen droht. Im Übrigen würde die EZB mit ihren großen Käufen die Kurse im Vergleich zu anderen Anlageklassen verzerren.

Und weil sie bereits mehrere Programme zur Bankenrettung laufen hat, kann es schnell zu Wechselwirkungen mit gehörigem Durcheinander kommen – das noch verstärkt werden dürfte, sobald Draghi ganz unkonventionell zu einer mehr oder weniger kaschierten De facto-Fiskalpolitik überginge. Von daher gesehen sollten Anleger von der EZB bis auf Weiteres keine positiven Impulse erwarten. Oder in der Börsensprache formuliert: Die Baisse nährt die Baisse.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%