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Gbureks Geld-Geklimper

Geld anlegen in der Euro-Länder-Krise

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die Krise rund um den Euro kommt in die ganz heiße Phase. Sogar eine Weltwirtschaftskrise ist möglich.

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Der Bundestag im Berliner Reichstag Quelle: dapd

Theoretisieren, wünschen, fordern, kritisieren, ignorieren – spätestens die Haushaltsdebatte am Mittwoch im Bundestag hat gezeigt, dass deutsche Politiker mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Spitze den Ernst der Lage im Euro-Raum entweder noch nicht erkannt haben oder – was eher zutreffen dürfte - in Kenntnis der prekären Lage lieber um den heißen Brei herumreden und auf Zeit spielen. Zeit, die sie jedoch nicht gewinnen, sondern verlieren, weil mit jedem verlorenen Tag die Gefahr einer wirtschaftlichen Depression wächst – und nun, nach der misslungenen Auktion von Bundesanleihen, sogar deren Ende als sicherer Hafen. Analysieren, mögliche Entwicklungen simulieren, informieren, diskutieren, handeln – diese Tugenden erfolgreicher Politik bleiben weitgehend auf der Strecke.

Welche Börsen die Verluste wettmachten
Die Börse in Athen Quelle: dpa
Händler an der Börse Tokio Quelle: dpa/dpaweb
Finanzexperte Robert Halver an der Frankfurter Börse. Quelle: dpa
Ein Fußgänger vor der Londoner Börse Quelle: AP
Händler an der New Yorker Börse Quelle: dapd
Investoren vor der Börse in Mumbay. Quelle: REUTERS
Ein Besucher an der Börse in Zürich. Quelle: REUTERS

Versuchen wir uns hier wenigstens mit der Analyse, denn schon sie allein führt zu so mancher interessanten Erkenntnis, und konzentrieren wir uns danach auf die Belange von Anlegern. Anders als 2008 haben wir es weniger mit einer Bankenkrise, sondern eher mit einer Staatenkrise zu tun. Solange Entscheidungen und die Haftung für die Euro-Zone in unterschiedlichen Gremien angesiedelt sind, bleibt sie äußerst labil. Im Gegensatz zu Großbritannien, zu den USA oder zu Japan fehlt im Euro-Raum die einheitliche politische Willensbildung und Durchsetzungskraft. Risiken, die der Euro mit sich bringt, werden nicht politisch angegangen, sondern auf die Europäische Zentralbank abgewälzt. Die politische Union, egal ob mit oder ohne Vorstufe der Fiskalunion, braucht bis zur Unterzeichnung aller dafür notwendigen Verträge mindestens noch ein Jahrzehnt. Auf dem Weg dahin wird so manches Euro-Mitgliedsland die Gemeinschaftswährung verlassen.

Aktienkurse nehmen Krise vorweg

Letzteres ergibt sich allein schon daraus, dass etwa Italien und Spanien, von Griechenland ganz zu schweigen, auf Dauer unbezahlbar hohe Zinsen für Staatsanleihen berappen müssen und ihrer Bevölkerung viel zu hohe Opfer bei den Steuern und Kürzungen von Sozialleistungen abverlangen. Das kann nicht lange gut gehen, weil es unweigerlich zur Wirtschaftskrise und zu erheblichen sozialen Unruhen in diesen Ländern führt. Die Folgen wären dann auch für Deutschland unangenehm, möglicherweise sogar verheerend, weil deutsche Exporte immerhin noch zu etwa 40 Prozent in den Euro-Raum gehen. Ihr Rückgang hier könnte durch Exporte in die nicht zur Euro-Zone gehörenden EU-Länder, in die USA, nach China und in andere Schwellenländer nur bedingt kompensiert werden.

Entscheidungen hinausgezögert

Dax-Tafel in der Frankfurter Börse Quelle: dpa

In solchen Überlegungen liegt die Antwort auf die Frage, warum der Deutsche Aktienindex Dax, seine Unterindizes, aber auch andere europäische Indizes, ja sogar der Dow Jones in den USA, der Nikkei in Japan und der chinesische Shanghai A Shares-Index nach ihrem heftigen Hin und Her während der vergangenen Monate wieder nach unten tendieren: Die Börsianer nehmen ganz einfach vorweg, dass der Euro-Raum zum Teil auseinanderbrechen könnte, dass die Politiker der Euro-Länder einschließlich der EU-Gremien und der Europäischen Zentralbank Entscheidungen viel zu lange vor sich her schieben und dass eine Weltwirtschaftskrise droht, falls der europäische Virus die amerikanischen und asiatischen Wirtschaftsräume ansteckt. 

Fonds haben schwer enttäuscht 

Die Ansteckungsgefahr ist vor allem deshalb so groß, weil die Länder außerhalb der Euro-Zone in Bezug auf ihre Schuldenquoten viel anfälliger sind. Legt man die von der Bremer Landesbank errechneten Daten zugrunde, dürfte die Neuverschuldung der Euro-Zone 2011 im Durchschnitt 4,3 Prozent des Bruttoninlandsprodukts (BIP) ausmachen, die der USA 9 Prozent, die von Großbritannien 10 Prozent und die von Japan sogar noch mehr, jedoch nicht genau ermittelbar. Beim Gesamtschuldenstand in Prozent des BIP kommt die Euro-Zone auf 85 Prozent, dann folgen Großbritannien mit 90 und die USA mit 100 Prozent, während Japan es auf über 230 Prozent bringt.

Seit erst die Bankenkrise und dann die Euro-Länder-Krise ausgebrochen ist, haben es die Vermögensverwalter und erst recht die Fondsmanager besonders schwer, für ihre Anleger befriedigende Ergebnisse zu erwirtschaften. Das ergibt sich aus dem jetzt vorgelegten Feri Euro Rating, wobei Absolute Return-Fonds, die an keinerlei Index- oder sonstige Vorgaben gebunden sind und deshalb eigentlich besonders gut punkten müssten, schwer enttäuscht haben. Danach erwirtschaftete in den vergangenen drei Jahren nur ein Viertel von ihnen einen realen Kapitalerhalt, und lediglich 14,5 Prozent erfüllten die Anforderungen an Rendite und Risiko.

Timing in der heißen Phase

Gold to go: Goldautomat in Essen Quelle: dpa

Die Feri-Daten belegen ein Mal mehr, in welcher Bredouille sich besonders Fondsmanager befinden. Abgesehen davon, dass sie auf die richtigen Aktien, Anleihen, Länder- und Branchen- Schwerpunkte setzen müssen, sind sie auch Gefangene des Verhaltens ihrer Anleger: Deren Fondskäufe fallen oft in Zeiten hoher Kurse, sodass Fondsmanager dann gezwungen sein können, das Anlegergeld prozyklisch in Aktien, Anleihen oder sonstige Papiere zu investieren. Und wenn Anleger ihre Fondsanteile in Zeiten niedriger Kurse verkaufen, zwingen sie die Fondsmanager zu prozyklischen Verkäufen. Ob freie Vermögensverwalter es da besser haben, lässt sich nicht ermitteln, weil ihre Ergebnisse nur zum Teil transparent sind und weil viele von ihnen inzwischen Fonds verwalten, mit denen sie ebenfalls vor dem hier beschriebenen Dilemma stehen.

Rat für private Anleger

Sind private Anleger also gerade im Zuge der Euro-Länder-Krise mit den aus ihr entstehenden Kurseskapaden besser beraten, ihr Glück auf eigene Initiative zu versuchen? Falls sie dafür genug Zeit mitbringen, im Prinzip ja. Der eine oder andere erfolgreiche Vermögensverwalter hat dazu in letzter Zeit den folgenden klugen Rat zur Vermögensaufteilung gegeben: je ein Viertel Aktien, Gold, Immobilien und Bares auf dem Konto. Doch da beginnt für private Anleger die Initiative und damit die eigentliche Arbeit erst. Denn es gilt, beim Timing aufzupassen. Zumindest der folgende zusätzliche Rat dürfte aktuell richtig sein: Gold und die selbst genutzte Immobilie (keine vermietete) zu je etwa einem Viertel halten, dagegen den Baranteil im Verhältnis zu Aktien (aus Dax & Co.) höher gewichten, um den größten Teil der Aktien zu kaufen, wenn deren Kurse nochmals kräftig einknicken, sobald die Euro-Länder-Krise in die ganz heiße Phase über geht.

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