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Gbureks Geld-Geklimper

Gold und Silber vor weiterem Aufschwung

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die Edelmetallpreise beginnen nach einem Jahr Pause wieder zu klettern. Deshalb folgen heute - nach zuletzt mehrfachen Kaufempfehlungen – einige praktische Tipps.

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Tipps für den Umgang mit Gold und Silber. Quelle: dpa

Über Gold wurde in den vergangenen Tagen wieder mehr diskutiert und geschrieben. Etwa dass die Großspekulanten George Soros und John Paulson ihre Bestände über den Fonds SPDR Gold Trust aufgestockt hätten, dass der Republikaner-Vize Paul Ryan einen neuen Goldstandard auf den Weg bringen wolle, dass die EZB mit ihrer umstrittenen Geldpolitik geradewegs auf die Inflation zusteuere, dass Gold deshalb ein guter Schutz vor der Entwertung des sogenannten Papiergeldes sei oder dass im Gegenteil der Goldpreis eine Blase bilde. Das alles mehr oder weniger begründet, aber zum größten Teil am Thema vorbei.

Lassen wir Soros und Paulson außen vor; denn wie sie agiert haben, ist Vergangenheit, die Gegenwart kann schon wieder anders aussehen. Ryans Idee reicht so weit in die Zukunft, dass sich trefflich darüber spekulieren lässt, mehr nicht. Damit bleiben als diskussionswürdig übrig: das Phänomen der EZB-Geldpolitik und die vermeintliche Blase.

Der schwierige Spagat der EZB

Die EZB übt an diesem Donnerstag den Spagat zwischen der vorläufigen Rettung der südeuropäischen Euroländer durch Geldspritzen und der Beschwichtigung der von Deutschland  angeführten Stabilitätsverfechter durch Konzessionen. Eine sehr schwierige Übung, denn ihre Statuten lassen zwar keine Eingriffe in die Haushaltspolitik einzelner Länder zu, wohl aber in den Markt. Wenn sie also beispielsweise – egal auf welchem Weg oder Umweg - spanische und italienische Staatsanleihen kaufen würde, müsste sie dies als notwendig gewordenen Markteingriff kommunizieren, obwohl der spanische und der italienische Staatshaushalt einen Vorteil davon hätten.

Es ist unter anderem die daraus entspringende Unsicherheit, die für Unruhe nicht allein an den Anleihemärkten, sondern auch bei Aktien und Gold sorgt. Konzentrieren wir uns heute auf das Gold (und nachher auch Silber), weil sein Preis am vergangenen Freitag einen ziemlich großen Sprung nach oben gemacht und vereinzelt erneut zur Blasen-Diskussion geführt hat. Erneut, weil es diese Diskussion schon vor Jahren gab, als der Goldpreis viel tiefer war. So wie seit Kurzem über eine angebliche Blase bei deutschen Wohnimmobilien palavert wird. Gold eine Blase anzudichten, ist natürlich Unsinn, denn in Wahrheit ist ja Papiergeld durch seine Erschaffung aus dem Nichts aufgeblasen. Nur sind die Menschen halt gewohnt, alles in ihrer eigenen Papierwährung zu messen.

Der Goldpreissprung am Freitag fand statt, nachdem Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, die mögliche Fortsetzung seiner lockeren Geldpolitik angedeutet hatte. Käme es dazu, würde das bedeuten: noch mehr Dollars in Umlauf, folglich Abwertung des Dollars gegenüber anderen Werten, eben auch Gold. Und weil die Geldgeschichte lehrt, dass Dollar und Gold sich immer schon spinnefeind waren, ist es evident, dass der steigende Goldpreis die Dollar-Schwäche abbildet, dazu natürlich auch die Schwäche anderer Papiergeld-Währungen.

Silber schlägt Gold

Goldschätze der Staaten
Alle Länder gemeinsam halten Goldreserven im Volumen von 881,1 Millionen Unzen, oder umgerechnet 27.405,1 Tonnen. Auf der Basis eines Goldpreises von 1600 Dollar je Feinunze entspricht das einem Gegenwert von knapp 1410 Milliarden Dollar. Damit haben die Goldreserven an den weltweiten Währungsreserven von 11714 Milliarden Dollar einen Anteil von durchschnittlich 12 Prozent. Aber die Goldbestände in den Staatstresoren sind ungleich in der Welt verteilt. Auch internationale Institutionen halten Gold, der Internationale Währungsfonds IWF allein im Wert von knapp 145 Milliarden Dollar, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) im Wert von 6,1 Milliarden Dollar. Welche Staaten darüber hinaus die größten Währungsreserven halten und wie viel davon durch Gold gedeckt ist. Berechnungen auf Basis eines Goldpreises von 1600 Dollar je Feinunze Quellen: Bloomberg, World Gold Council, eigene Berechnungen Stand: 6. Oktober 2011 Quelle: dpa
AlgerienDer nordafrikanische Staat hütet einen Goldschatz von 5,6 Millionen Unzen, das sind 173,6 Tonnen Gold zu einem Marktwert von 8,9 Milliarden Dollar. An den gesamten Währungsreserven Algerien hat der Goldbestand einen Anteil von 4,9 Prozent. Im Bild: die republikanische Garde in Algerien. Quelle: AP
ThailandThailand verfügt über Goldbestände von 4,1 Millionen Feinunzen, bzw. 127,5 Tonnen, die einen Wert von 6,6 Milliarden Dollar haben. Hinzu kommen Währungsreserven im Volumen von 178,1 Milliarden Dollar. Damit hat Gold einen Anteil an den Reserven Thailands von 3,6 Prozent. Im Bild: Ein Mönch steht gegenüber von goldenen Buddhas im Dhammakaya Tempel bei der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Quelle: REUTERS
LibyenDas Land in Nordafrika verfügt über eine Goldreserve von 4,6 Millionen Feinunzen, bzw. 143,8 Tonnen. Der Gesamtwert der Reserven liegt bei 7,6 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anteil an den Währungsreserven von 6,9 Prozent. Im Bild: Demonstranten auf dem Platz der Freiheit in Misrata. Quelle: dpa
Saudi-ArabienDas größte Erdölförderland der Welt hält Goldreserven in Höhe von 10,4 Millionen Feinunzen. Das entspricht einem Gewicht von 322,9 Tonnen und einem Wert von 16,6 Milliarden Dollar. Der Anteil an den Währungsreserven des Goldes liegt bei 3,2 Prozent. Im Bild: Die Pilgerstadt Mekka empfängt im Hadj-Pilgermonat Pilgerer aus der ganzen Welt. Quelle: dpa/dpaweb
Taiwan Der chinesische Inselstaat verfügt über Goldreserven in Höhe von 13,6 Millionen Feinunzen, was einem Goldgewicht von 423,6 Tonnen entspricht. Taiwan hält damit Reserven im Wert von 21,8 Milliarden Dollar – etwa 5,3 Prozent der gesamten Währungsreserven. Im Bild: Das Hochhaus Taipei 101 in der Hauptstadt von Taiwan. Quelle: AP
IndienDer Subkontinent verfügt über 17,9 Millionen Unzen. Das sind 557,7 Tonnen. Der Wert dieser Reserven, die etwa 9,4 Prozent der gesamten Währungsreserven entsprechen, liegt bei 305,1 Milliarden Dollar. Im Bild: der Goldene Tempel der Sikhs in Amritsar, Indien. Quelle: dpa

So weit, so klar. Sollen Anleger jetzt also alles auf Gold setzen? Alles auf keinen Fall, denn von der lockeren Geldpolitik diesseits wie jenseits des Atlantiks dürften ja auch Aktien profitieren. Und – neben anderen Edelmetallen – erst recht Silber. Das wird besonders deutlich, wenn man die Preiskurven von Gold und Silber in den vergangenen drei Monaten verfolgt, nachdem sie fast ein Jahr lang etwas rückläufig waren: Der Goldpreis erholte sich von seinem Zwischentief Ende Juni bis heute um 9 Prozent, der Silberpreis dagegen um beachtliche 22 Prozent.

Edelmetallpreise nach oben offen

Die Erfahrung aus den vergangenen Jahren lehrt, dass immer, wenn es den Silberpreis viel stärker nach oben zog als den Goldpreis, beide Preise für längere Zeit weiter stiegen, aber der Silberpreis eben stärker. Für eine wie lange Zeit? Und wie hoch werden die Preise steigen? Beide Fragen kann niemand beantworten, auch wenn manche Gurus das immer wieder versuchen. Falls sich der Wert des Papiergeldes eines Tages in Luft aufgelöst haben sollte, würden die Preise beider Edelmetalle theoretisch ins Unendliche steigen. Bis dahin können viele Jahre vergehen. Wie viele, lässt sich nicht vorhersagen.

Warum also überhaupt Gold und Silber auf dem jetzigen, im Vergleich zu früheren Jahren schon recht hohen Preisniveau kaufen? Weil Fed-Chef Ben Bernanke am vergangenen Freitag mit seinen Andeutungen ein klares Zeichen für den Dollar-Verfall gesetzt hat, was die Preise von Gold und Silber sofort überzeugend quittiert haben, - und weil EZB-Chef Mario Draghi quasi gezwungen ist, es ihm mit dem Euro-Verfall gleich zu tun, wenn auch aus anderen Gründen. Auf welche Weise Draghi das tut, wird an diesem Donnerstagnachmittag klar.

Was vor dem Kauf zu beachten ist

Gold ist in Form gängiger Barren und Münzen mehrwertsteuerfrei zu haben, während für Silberbarren 19 Prozent Mehrwertsteuer anfallen, für gängige Silbermünzen dagegen nur 7 Prozent. Gewinne aufgrund gestiegener Preise sind nach einem Jahr steuerfrei. Der Silberpreis zieht nicht nur im Aufwärtstrend stärker an als der Goldpreis, sondern er bewegt sich immer auch viel hektischer, also nichts für schwache Nerven. Wichtige Details sind im Internet bei goldseiten.de zu finden.

Geldanlage



Nachdem der starke Preisanstieg 2011 viele Glücksritter angelockt hat, wird die Auswahl eines seriösen Edelmetallhändlers immer wichtiger. Dazu gibt man am besten einen Suchbegriff wie Goldhändler oder Edelmetallhandel bei google.de ein und erhält auf diese Weise einen Überblick.

Die Angebots- und Nachfragepreise orientieren sich nach den jeweils aktuellen Marktpreisen, sodass es zwischen seriösen Händlern zu keinen größeren Abweichungen kommen kann. Vor allem wer hohe Beträge anlegen will, sollte bei einigen Händlern persönlich vorbeischauen, um sich eine klare Meinung zu bilden und ganz auf Nummer sicher zu gehen. Viel Erfolg!

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