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Gbureks Geld-Geklimper

Gutmenschen und Kostentreiber vergraulen Anleger

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Initiativen für mehr Anlegerschutz sind zum Scheitern verurteilt, weil sie auf viel zu komplexe Probleme treffen. Derweil drohen sich Banken dramatisch zu verändern. Ihre Kunden müssen Konsequenzen ziehen.

Wo Anleger am grauen Kapitalmarkt investierten
Ab aufs RevierInfinusDie sogar von der BaFin kontrollierte Infinus vertickte über Töchter Hochzinsanleihen. Nach der Razzia in Dresden kamen die Insolvenzen. Quelle: dpa
Windparks in NotProkon75.298 Anleger haben Geld bei Prokon investiert. Knapp acht Prozent von ihnen haben bisher gekündigt. 1.400 Millionen stehen jetzt auf dem Spiel. Wenden sich die Anleger ab, droht ein Notverkauf der Windräder. Quelle: dpa
Diese Jungs lassen's krachenS&KFonds sollen von den partywütigen S&K-Chefs Schäfer und Köller geplündert worden sein. Sie sitzen in U-Haft, Immobilienfonds sind pleite. Quelle: dpa
Unappetitliche InvestmentsDima24Dima24-Macher Malte Hartwieg (rechts) hat ein Vertriebs- und Fondskonglomerat aufgebaut, doch es gibt bei mehreren Fonds Probleme. Quelle: dpa Picture-Alliance
Häuslich eingerichtetFairvestaImmobilienhändler Fairvesta (Foto: Zentrale in Tübingen) kauft mit Anlegergeld Häuser, angeblich zu Schnäppchenpreisen. Quelle: Jörg Jäger für WirtschaftsWoche
Immer VollgasProsperia AGSlobodan Cvetkovic ist Chef des Fondsanbieters Prosperia AG und Miteigentümer des Autorennstalls Prosperia Abt Racing. Quelle: Screenshot
Schmieriges GeschäftProven Oil CanadaProven Oil Canada hat von 11.000 Anlegern 300 Millionen Euro für Ölinvestitionen eingesammelt, zahlt aber nicht mehr wie geplant aus. Quelle: dpa

Wenn gleich drei Ministerien auf einmal den Anlegern etwas Gutes tun wollen, haben sie da nicht uneingeschränkten Beifall verdient? Die Gutmenschen aus Justiz-, Verbraucher- und Finanzministerium warten darauf, allerdings vergeblich. Zu Recht, denn was sie vorhaben, ist billiger Populismus: Den grauen Kapitalmarkt aus Anlass der Prokon-Pleite regulieren, die von niedrigen Zinsen gebeutelten Lebensversicherungen retten, die Altersversorgung aufmöbeln, Anlagerisiken deutlicher sichtbar machen, den Vertrieb von Finanzprodukten unter die Lupe nehmen, Wertpapierverkaufsprospekte transparent machen, Geschäftsmodelle der Finanzbranche genauer prüfen und Kleinanleger vor risikoreichen Finanzprodukten schützen.

Den von einer besseren Welt träumenden Ministerialen muss man zumindest ein gewisses Gespür fürs Timing attestieren: Die Prokon-Pleite ist zwar nicht mehr ganz frisch, aber jetzt sorgt der ehemalige Aktienjongleur Markus Frick wieder für Schlagzeilen, nachdem der Staatsanwalt ihm gerade zwei Jahre und drei Monate Haft aufgebrummt hat. Da macht sich ein offizielles Plädoyer für mehr Anlegerschutz natürlich besonders gut. Es muss all jenen wie Hohn vorkommen, die früher auf unzählige geschlossene Fonds, auf die Betrüger der Göttinger Gruppe oder des Phoenix Kapitaldienstes hereingefallen waren. Wobei die deutsche Finanzaufsicht BaFin Letzterem noch zwei Jahre vor dessen Pleite mit dem Hinweis „keine Anhaltspunkte für kriminelle Machenschaften“ einen unglaublichen Gefallen getan hatte.

Finger weg von Finanzprodukten, wenn...

Fonds und Lebensversicherer, eine wahre Liebe

Der für offene Fonds zuständige Verband BVI veröffentlicht inzwischen traditionell eine Agenda mit dem Titel „Woran wir derzeit arbeiten“. Sie umfasst aktuell nicht weniger als 31 Gesetzes- und Verordnungspläne. Mit vielen von ihnen setzen sich auch die anderen für Finanzen zuständigen Verbände auseinander, etwa die der Banken und Versicherer. Das ergibt Reibflächen und damit Verzögerungen, zum Teil auch Verstümmelungen wie die in der vorigen Legislaturperiode auf den Weg gebrachen Beratungsprotokolle, Wiedervorlage im Zuge der 31 genannten Pläne.

Manchmal kommt sogar das Gegenteil von Reibflächen vor, was für Anleger jedoch nicht unbedingt gut sein muss, wie dieses Beispiel deutlich macht: Offene Fonds lassen sich in Publikums- und Spezialfonds einteilen. Die einen werden einzelnen Anlegern, die unabhängig von der Qualität des Fondsmanagers und von der Höhe der laufenden Kosten einen Ausgabeaufschlag zahlen, überwiegend von Banken, Sparkassen und Finanzvertrieben mehr schlecht als recht direkt verkauft.

Dagegen landen die stark wachsenden Spezialfonds auf indirektem Weg bei Anlegern, zum Beispiel über Lebensversicherungen, die das Geld ihrer Kunden mittlerweile zu 29 Prozent in Fonds investieren – womit den Anlegern endgültig entgeht, mit welchen Gesamtkosten sie belastet werden. Auf das Verhältnis der Fondsbranche zu den scheinbar konkurrierenden Lebensversicherern angesprochen, antwortet BVI-Chef Thomas Richter denn auch lakonisch: „Wir lieben uns jetzt schon.“

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