Gbureks Geld-Geklimper

Konsequenzen aus dem Euro-Debakel

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Wissenschaftler warnen, Politiker machen Urlaub, Anleger fliehen aus Anleihen. Wieder einmal spricht viel für Edelmetalle und Aktien.

Europaflagge Quelle: dpa

Wenn 17 Wissenschaftler, wie geschehen, den Euro-Schulden-Teufel an die Wand malen und der Euro sich daraufhin gegen den Dollar erholt, kann anscheinend irgendetwas nicht stimmen. Übertreiben die Professoren um den Wirtschaftsweisen Peter Bofinger etwa? Nein, sie haben recht, denn das Euro-System muss von Grund auf erneuert werden. Doch diese Erkenntnis ist nicht neu, die Wissenschaftler haben sie halt nur mit zusätzlichen Argumenten untermauert und dadurch dramatisiert.

Derweil sagen sich die Teilnehmer an den Devisenmärkten: Wir haben am Euro-Rückgang während der vergangenen Monate prächtig verdient, also lasst uns die Gewinne daraus mitnehmen, der Dollar ist ja genaugenommen eine ebenso schwache Währung, die sich nur gerade mal hinter der Euro-Krise versteckt. Dass Ratingagenturen vor Jahresfrist berechtigte Zweifel an der Bonität der USA geäußert und deren Kreditwürdigkeit herabgestuft haben, ist uns natürlich noch bewusst. So gesehen, relativiert sich der jüngste gegen die Bonität Deutschlands einschließlich Bundesländer und Rettungsschirm gerichtete Querschläger der US-Ratingagentur Moody's.

Brisante Bundesbank-Analyse

Über all diesem Geplänkel droht vergessen zu werden, dass die Deutsche Bundesbank in ihrem Juli-Monatsbericht eine an Brisanz kaum zu überbietende Analyse veröffentlicht hat, die - vordergründig betrachtet - fixe Wechselkurse aufs Korn nimmt, in Wahrheit aber noch weit über die Dramaturgie von Bofinger & Co. hinausgeht. Darin lautet eine Kernthese: Länder, die einer Währungsunion angehören, müssen bei Preisen und Löhnen besonders flexibel sein; darüber hinaus wird von ihren Arbeitnehmern ein Höchstmaß an Mobilität verlangt.

Nun stelle man sich irgendeinen Deutschen, Italiener, Finnen, Spanier, Portugiesen, Griechen oder sonstigen Bewohner des Euro-Raums vor, mitsamt seiner Familie, seiner Sprache und Ausbildung, seinem mehr oder weniger sicheren Arbeitsplatz, mit den mobil oder immobil angelegten Ersparnissen und nicht zuletzt mit den kulturellen Wurzeln, das Ganze von Italiens Stiefelspitze bis zum hohen Norden Finnlands, von A wie Azoren bis Z wie Zypern. Flexibilität bei Preisen und Löhnen? Bei Preisen wenigstens bis zu einem gewissen Grad, man ist ja dem globalisierten Wettbewerb ausgeliefert, bei Löhnen dagegen Fehlanzeige. Mobilität? Schön wär's, doch schon die Sprachbarrieren erweisen sich – trotz der weit verbreiteten Englischkenntnisse – als Hindernis, die unterschiedlichen Ausbildungssysteme sowieso.

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