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Gbureks Geld-Geklimper

Die Illusion von der sicheren Geldanlage

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Sicherheitsdenken führt in die Irre

Sichere Anlage? Auf einzelne Immobilien hat der Staat immer einen Zugriff, auf Gold und Aktien allerdings nur bedingt oder gar nicht. Quelle: dpa

Die Beispiele von Anlegern, die Geldmarktpapiere oder einzelne Immobilien bevorzugen, zeugen von einem fehlgeleiteten Sicherheitsdenken. Für die einen bedeutet Sicherheit: stets in bare Münze umsetzbare Schuldpapiere eines Staats, dessen jederzeitiger Zahlungsfähigkeit man vertraut. Für die anderen gilt gewissermaßen das Gegenteil: Misstrauen in Geldwerte, die Staatsschulden verkörpern, und stattdessen Investitionen in Sachwerte, von denen man glaubt, dass sie per se vor dem Geldwertschwund schützen. Die einen  vertrauen also dem Staat, die anderen misstrauen ihm. Demzufolge müssten allerdings die einen Lang- statt Kurzläufer kaufen, weil Langläufer höhere positive Renditen abwerfen, die anderen Gold oder zumindest Immobilienaktien statt einzelne Immobilien, denn auf Letztere hat der Staat immer einen Zugriff, auf Gold und Aktien nur bedingt oder gar nicht.

Wenn die hier beschriebenen Vorstellungen von Sicherheit derart in die Irre führen, welche haben dann Aussicht auf Erfolg? Um mit den Worten eines erfolgreichen amerikanischen Anlagestrategen zu antworten: Bei niedrigen Preisen kaufen, bei hohen verkaufen. Das kann sich auf Schwankungen innerhalb von Stunden, Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren beziehen, aber auch auf langjährige Trends oder auf Jahrzehnte dauernde Megatrends. Und es umfasst alle Anlagekategorien, von Geldmarktpapieren bis zu Immobilien, von Anleihen bis zu Aktien, von Gold, Silber und Rohstoffen bis zu Derivaten.

 Auf das Timing kommt es an

Daraus folgt: Sicherheit ist eher eine Frage des richtigen Timings als eine Sache der Konzentration auf bestimmte Anlagen. Zwar können auch deren spezifische Merkmale von einem gewissen Grad an Sicherheit zeugen, etwa die im Vergleich zu den anderen Euro-Ländern niedrige deutsche Staatsverschuldung und damit die Qualität der Bundesanleihen. Aber um bei diesem Beispiel zu bleiben: Deren von Ratingagenturen mit AAA bewertete Bonität mag sie aktuell wie Felsen in der Brandung erscheinen lassen, ihre niedrigen Renditen – geschweige denn eine Rating-Herabstufung - machen sie trotzdem anfällig für Kursverluste.

Abgesehen davon bedeutet die im Vergleich zu Frankreich, Italien oder Spanien niedrige Staatsverschuldung Deutschlands ja nicht, dass ihre absolute Höhe Bundesanleihen attraktiver macht als Wohnimmobilien in Berlin oder Frankfurt, Gold und Silber oder eine Auswahl an niedrig bewerteten Aktien. Vergleiche unterschiedlicher Anlagen, wie Staatsanleihen mit Immobilien oder Aktien, sind allerdings noch viel schwieriger als Vergleiche innerhalb einer einzelnen Kategorie, etwa von VW- mit Siemens-Aktien.

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