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Gbureks Geld-Geklimper

Überall lauert Gefahr für Ihr Geld

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Aktionäre jubeln über den Dax – eine Minderheit. Anleger tappen in Geldfallen – die Mehrheit. Kommunen spekulieren und bleiben straffrei, Anleger spekulieren und erleiden Verluste. 2015 wird ein gefährliches Jahr!

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Mit welchen Maßnahmen Regierungen und Notenbanken Sparer attackieren können
Instrument: NiedrigzinsAusgestaltung: Notenbank kauft (über Banken, die günstig Geld bekommen) Staatsanleihen; Notenbank hält Leitzinsen unten negativ betroffen wären/sind: Konten, Anleihen, Lebensversicherung, Betriebsrenten, Versorgungswerke Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft bereits; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: Inflation frisst Zinsen; Sparen lohnt sich kaum; ••••∘ Vorteil für Staaten: niedrige Zinslast auf eigene Schulden historische Vorbilder: USA • = unwahrscheinlich/ sehr niedrige Einbußen; ••••• = so gut wie sicher/ sehr hohe Einbußen Quelle: dpa
Instrument: Inflation zulassenAusgestaltung: Notenbanken schöpfen weiter Geld; Bürger verlieren Vertrauen; Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt negativ betroffen wären/sind: Bargeld, Konten, Anleihen, Lebensversicherung Eintrittswahrscheinlichkeit: aktuell gering; langfristig wahrscheinlich; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Hohe Inflation kann sämtliche Geldvermögen entwerten; ••••• Vorteil für Staaten: Schulden werden nicht auf dem Papier, aber real drastisch verringert historische Vorbilder: Deutschland 1923; Frankreich 18. Jahrhundert; Zimbabwe 2009 Quelle: dpa
Instrument: NegativzinsAusgestaltung: Notenbank setzt negativen Leitzins fest; Banken legen negative Zinsen auf die Guthaben von Sparern um oder verteuern Gebühren/Kredite negativ betroffen wären/sind: Konten Eintrittswahrscheinlichkeit: ist bereits in der Diskussion; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Erspartes leidet nominal durch Negativzinsen und real durch Inflation ••••∘ Vorteil für Staaten: höheres Wachstum durch ausgeweitete Kreditvergabe erhofft historische Vorbilder: Schweiz 1964, 1970er; Schweden; Dänemark Quelle: dpa
Instrument: VermögensabgabeAusgestaltung: Staat schneidet sich von allen Vermögenswerten einmalig ein Stück ab negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: je reicher desto härter; ••••∘ Vorteil für Staaten: kann Schulden sofort drastisch senken historische Vorbilder: Deutschland 1918/19, 1952 Quelle: dpa
Instrument: ZwangsanleiheAusgestaltung: Staat zwingt Bürger, einen Teil ihres Vermögens in Staatsanleihen zu packen; wird (teilweise) zurückgezahlt negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: hängt von Rückzahlungen ab; •••∘∘ Vorteil für Staaten: verschafft Spielraum bis zum Rückzahlungsdatum historische Vorbilder: Deutschland 1914, 1922/23 Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Vermögensteuer, zum Beispiel ein Prozent auf steuerpflichtiges Vermögen (nach Abzug von Freibeträgen) negativ betroffen wären/sind: Vermögen generell Eintrittswahrscheinlichkeit: politische Forderung; ••••∘ wie gefährlich für das Vermögen?: für Vermögende; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland, wurde 1997 abgeschafft Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Transaktionsteuer von 0,1 Prozent auf Aktien und Anleihen und 0,01 Prozent auf Derivate; fällig für jedes Geschäft negativ betroffen wären/sind: Aktien, Anleihen, Derivate; indirekt auch Fonds und Lebensversicherungen Eintrittswahrscheinlichkeit: politisch herrscht Konsens; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: drückt auch Rendite von Fonds und Versicherungen; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland 1881–1991; Schweden 1985–1992 Quelle: dpa

Was hat der Jubel der Börsianer vor der entscheidenden EZB-Sitzung an diesem Donnerstag mit den Frankenkrediten von Essen, Bochum und anderen Ruhrgebietsstädten gemeinsam? Ein milliardenschweres, teures Missverständnis.

Wer über den letzten Dax-Sprung jubelt, erwartet eine riesige Geldflut der Marke Mario Draghi. Und wer sich in Schweizer Franken verschuldet – dazu gehören neben klammen Kommunen auch Privatleute und Unternehmen -, rechnet mit einem gleichbleibenden Verhältnis zum Euro.

Dass Privatleute und Unternehmen zu Währungsspekulanten werden, ist ihr Problem. Dass Kommunen es ihnen nachmachen wollen, ist das Problem ihrer Bürger – der entscheidende Unterschied.

Die Erhöhung der Grundsteuer, die den Kommunen zugute kommt, wird es schon irgendwie richten, spätestens nach der über Jahrzehnte verschleppten Reform dieser Steuer. Dann werden zur Begründung wieder einmal marode Straßen, fehlende Kitaplätze und kaputte Krankenhäuser herhalten, aber bestimmt nicht die für das Desaster verantwortlichen kommunalen Spekulanten.

Statements zur Franken-Freigabe der Schweizer Notenbank

Die Stadtkämmerer gehören bestraft. Und die Banken, die ihnen Frankenkredite gewährt haben? Ebenfalls. Nur nach welchem Recht? Das müsste erst erfunden werden.

Darin besteht nachträglich betrachtet das Problem. Zudem können die Leute in den kommunalen Amtsstuben wie auch die Banker einfach argumentieren, der Euro werde sich schon irgendwie gegen den Franken erholen, das habe es ja auch früher gegeben, als die Mark den Franken zeitweise alt aussehen ließ. Aber eben die Mark, nicht der erst 1999 über uns hereingebrochene Euro.

Krumme Geschäfte bleiben ungesühnt

Unter denen, die sich von den früher optisch billigen Frankenkrediten blenden ließen, sind viele deutsche Bauherren zu finden. Ihnen ergeht es jetzt wie jenen Spekulanten, die zu Zeiten, als die Zinsen in der Schweiz den einen oder anderen Prozentpunkt niedriger waren als in Deutschland, Zinsdifferenzgeschäfte abschlossen.

Kauf von deutschen Bundesanleihen in Euro mit 5 Prozent Zinsen gegen einen Kredit zu 3 Prozent Zinsen in Franken macht 2 Prozent Gewinn – die seinerzeit gängige Milchmädchenrechnung. Anleger, die sich für besonders schlau hielten, überzogen dieses Spiel mit Dollaranleihen, die in manchen Jahren sogar 4 Prozent Gewinn versprachen. Das alles endete meistens mit einem dicken Minus: Franken gegen Euro oder Dollar rauf, Gewinn futsch, stattdessen unter dem Strich Verlust.

Wer glaubt, es handle sich um exotische Beispiele, sollte mal einem Whistleblower zuhören, also einem Insider, der mit solchen Geschäften vertraut ist und nach zwei Gläsern Bier zu plaudern beginnt. Da tun sich wahrlich Abgründe auf.

Dubiose Firmen mit hohen Renditeversprechen, wie zuletzt Prokon und S&K, beherrschen zeitweise die Schlagzeilen, dann kehrt wieder Ruhe ein. Doch die unzähligen krummen Geschäfte der Banken mit Währungskrediten und Zinsdifferenzen, mit gefährlichen hochprozentigen Unternehmensanleihen und scheinbaren Alleskönnern wie Zertifikaten bleiben ungesühnt.

Wackelige Fonds und Versicherungen

Die Verlustgefahr lauert überall, auch beim leichtsinnigen Umgang mit etablierten Finanzprodukten.

Ein Beispiel: Fonds. Vor allem Finanzvertriebe, häufig aber auch Banken und Sparkassen, werben gern mit deren glorreicher Vergangenheit, also mit der Performance über ein Jahr, drei, fünf und zehn Jahre. Sieht die zum Beispiel für das abgelaufene Jahr nicht besonders gut aus, wird sie erst gar nicht gezeigt, sondern die über drei, fünf oder zehn Jahre wird hervorgeholt. Irgendeine passt dann immer. Dass Ergebnisse aus der Vergangenheit allzu oft in die Irre führen, sei nur am Rande vermerkt.

Was Analysten für 2015 erwarten
Deutsche BankDie Anlagestrategen sind verhalten optimistisch, zumindest was den deutschen Aktienmarkt angeht. Ende 2015 sehen sie den Dax bei 11.500 Punkten. Während die USA mit einem prognostizierten Wachstum von 3,5 Prozent zur Lokomotive werden dürfte, rechnen die Analysten für Deutschland nur mit einem Plus von 0,8 Prozent. Zugewinne könnte es dank des schwachen Euro bei exportorientierten Industrien geben. Ende 2015 sieht die Deutsche Bank den Euro bei 1,15 Dollar. Anleihen werden dagegen nicht mehr so attraktiv sein. Die Renditen bleiben extrem niedrig, Chancen gibt es lediglich bei US-Unternehmensanleihen mit guter Bonität. Auch Schwellenländeranleihen könnten für Risikofreudige interessant werden. Insbesondere Indien wird für die Deutsche Bank zur attraktiven Region. Quelle: REUTERS
Der Vermögensverwalter Allianz Global Investors ist ein Tochterunternehmen der Allianz. Quelle: imago images
CommerzbankDie Commerzbank sieht den Dax Ende 2015 bei 10.800 Punkten, ist also nicht ganz so optimistisch wie die Deutsche Bank, was den Leitindex angeht. Einig sind sich beide aber, was mögliche Staatsanleihekäufe der EZB angeht. Mit einem sogenannten Quantitative Easing (QE) rechnen beide Institute in der ersten Jahreshälfte. Anschieben könnten den Dax steigende Unternehmensgewinne dank des schwächeren Euro. Das könnte auch Dividenden begünstigen. Die Bank rechnet für den Dax mit einer Dividendenrendite von knapp über drei Prozent. Besonders hohe Dividendenrenditen erwarten die Analysten bei Medienpapieren wie Freenet und RTL sowie Immobilienkonzernen wie DIC Asset oder TAG. Als negative Einflussfaktoren verweist die Commerzbank nicht nur auf die wahrscheinliche Zinserhöhung der Fed, sondern auch auf niedrigere Wachstumsraten in China. Quelle: dpa
Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)Was den Dax betrifft ist die Landesbank etwas pessimistischer als die Großbanken. Relativ konservativ rechnet sie mit einer Spanne zwischen 8300 und 10.000 Punkten. Zwar erwarten die Analysten eine leichte Erholung der Weltwirtschaft, einen breiten Aufschwung sehen sie allerdings nicht. Lediglich hinsichtlich der USA scheinen sich alle einig zu sein, auch die Helaba erwartet ein Wachstumsplus von rund drei Prozent für die größte Volkswirtschaft. Für Deutschland erwartet die Landesbank ein Plus von 1,3 Prozent - mehr als die Deutsche Bank. Im Portfolio rät die Helaba zu einer leichten Anhebung der Aktienquote. Anleihen sollten dagegen zugunsten von Immobilien leicht reduziert werden. Quelle: dpa
Julius BärDie Schweizer Privatbank sieht die Devisenmärkte und Wechselkursentwicklungen ebenfalls im Fokus der Entwicklungen des nächsten Jahres. Auch die Schweizer sehen die USA als Wachstumsanführer, während die Euro-Zone mit einem Plus von nur 0,8 Prozent eher ein Bremsklotz ist. Die schwächelnde Nachfrage der Euro-Zone sei vor allem für die Schweiz ein Nachteil, heißt es. Für Investoren dagegen gelte es, Kurs zu halten, liquide zu bleiben und nach Wachstumsthemen Ausschau zu halten, so die Analysten. Mögliche Bereiche für Wachstumsthemen sind laut den Privatbankern E-Autos, digitale Technologien, Energieinfrastruktur und Bildung. Quelle: REUTERS
FidelityDie Fondsgesellschaft gibt sich optimistisch, auch für Deutschland. "Wenn die geopolitischen Risiken in den Hintergrund treten und die Notenbanken die Wirtschaft weiter unterstützen, hat Deutschland beste Voraussetzungen, um 2015 an den moderaten Aufwärtstrend anzuknüpfen", schreibt Fondsmanager Christian von Engelbrechten. Auch Fidelity sieht Impulse seitens des Euro für die exportorientierten Unternehmen. Eigentliche Stütze der Konjunktur sei aber der heimische Konsum - der Verbraucher, der konsumiert statt spart, treibt die Wirtschaft an. Durch die steigenden Gewinne sieht Fidelity auch am Aktienmarkt gute Chancen und rechnet mit einer Dividendenrendite von im Schnitt drei Prozent. Quelle: REUTERS
DZ BankAktuell sei das Gewinnwachstum der Dax-Unternehmen noch zu hoch geschätzt, sagen die Analysten der DZ Bank. Die Rahmenbedingungen für Aktien bleiben dennoch dank expansiven EZB-Maßnahmen und einem Mangel an Anlagealternativen positiv. Trotzdem erwarten die DZ Banker keine großen Kurssprünge, der Leitindex habe kaum noch Potenzial. Bis zum Jahresende 2015 rechnet die Bank nicht mit einem Anstieg über 9500 Punkte - und auch schwankungsanfälliger könnte der Index werden. Konservativen Anlegern raten die Experten daher zu "Dividendenaristokraten". Risikofreudigere Investoren könnten dagegen im ersten Quartal Chancen bei den Zyklikern haben. Quelle: REUTERS

Finanzvertriebe gehen gern noch einen Schritt weiter, indem sie Fondspolicen anbieten. Hierbei handelt es sich um Mischungen aus Lebensversicherungen und Fonds. Sie sind weniger transparent als ihre Schwestern, die Kapitalpolicen, und ermöglichen den Finanzvertrieben dadurch stattliche Provisionen, die im Policengeflecht recht gut zu verstecken sind.

Außerdem kommt auf die Kunden ihrer Schwestern weiteres Ungemach zu, weil deren Ablaufleistungen immer mehr zu wünschen übrig lassen – eine tickende Zeitbombe für viele Altersvorsorger und Bauherren. Folglich drängen sich Fondspolicen, vertriebstechnisch betrachtet, geradezu auf. Was Anleger davon haben, steht dann in den Sternen.

Stolperstene für Bauherren und Aktionäre

Apropos Bauherren: Haben sie ihre Behausung mittels Kapitalpolice finanziert und reicht deren Auszahlung nicht zur Ablösung des Kredits aus, müssen sie die Differenz irgendwie herbeischaffen – dumm gelaufen. Ähnliches kann ihnen allerdings auch mit einer Bankfinanzierung passieren, nicht nur in Franken, sondern auch in Euro.

Das gilt etwa für Kredite mit zu kurzen Laufzeiten. Es kann ja sein, dass jemand denkt, die Niedrigzinsphase halte noch viele Jahre lang an und ende womöglich bei Minuszinsen. Dann schließt man einen Kredit mit nur fünf Jahren Zinsbindung ab – und riskiert, dass die spätere Anschlussfinanzierung wegen des womöglich gestiegenen Zinsniveaus extrem teuer wird. Eine allgemein gültige fachmännische Beratung gibt es für solche Fälle nicht, man ist weitgehend auf sich selbst angewiesen.

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Das gilt erst recht für Aktien, ein Metier, aus dem sich – abgesehen von Aktienfonds – immer mehr Banken und Sparkassen zurückziehen. Dabei reichen die Versuche der Bundesregierung, Aktien populär zu machen, weit über ein halbes Jahrhundert zurück.

Begonnen hatten sie mit den sogenannten Volksaktien Preussag, VW und Veba, vorläufig geendet mit der Telekom-Emission 1996, der um die Jahrtausendwende unter ominösen Umständen weitere Emissionen folgten und die Popularität der Aktien bis zuletzt sinken ließen.

Vom Dax-Anstieg über die Marke von 10.000 Punkten haben folglich die wenigsten Anleger profitiert. Womöglich erliegen sie jetzt, ähnlich wie bei Fonds, dem Blick zurück, ohne zu bedenken, dass der Großteil von Mario Draghis erwarteter Geldflut schon im Dax über 10.000 Punkten enthalten ist.

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