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Gbureks Geld-Geklimper

Der Fluch der Niedrig-, Null-, und Negativzinsen

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Viel Spielgeld im Umlauf

Man kann verstehen, dass Aktien und Aktienfonds unter den hier geschilderten Umständen für die genannten Altersvorsorgesysteme nur bedingt infrage kommen. Denn sie müssten eventuell zur Unzeit verkauft werden, also wenn ihre Kurse niedrig sind. Folglich werden sie weiterhin in erster Linie ein beliebtes Betätigungsfeld für Banken und andere Großanleger bleiben, die gern mit ihnen spielen, solange die EZB genug Spielgeld zur Verfügung stellt.

Was private Anleger betrifft, ist das Ergebnis einer aktuellen GfK-Studie aufschlussreich. Derzufolge bezeichnen heute 17 Prozent der Befragten Aktien als attraktiv. Vier Jahre zuvor waren es erst 8 Prozent. Klar, wer ständig das Laufband des Fernsehkanals n-tv verfolgt und zuletzt die Jubelmeldungen aus Anlass von über 10.000 und dann kurzfristig sogar 11.000 Dax-Punkten mitbekommen hat, kann ja nicht einfach behaupten, Aktien mangele es an Attraktivität. Dasselbe gilt für Anleger, denen ihre sogenannten Berater Grafiken vorlegen, die wunderbare vertriebsfördernde Aktienfonds-Ergebnisse aus der Vergangenheit zeigen. Aus der Vergangenheit, das ist das Problem; die Zukunft bleibt ungewiss.

Deutsche Aktienkultur, ein Widerspruch in sich

Man mag es kaum glauben, aber das Deutsche Aktieninstitut, 1953 gegründet als Arbeitskreis zur Förderung der Aktie (später Arbeitskreis Aktie), stellt seine jüngste Schrift unter das Motto „Aktienkultur leidet erneut“. Noch depressiver geht es kaum. Und das – neben zwei Geschäftsführern - bei einem Präsidium von elf, einem Vorstand von 51, einem wissenschaftlichen Beirat von zwölf und einem Beirat für ökonomische Bildung von sechs Personen, macht zusammen 82, darunter kein einziger Vertreter privater Anleger. Das haben Aktien wahrlich nicht verdient.

Die Deutschen haben insgesamt nur 7,3 Prozent ihres Geldvermögens in Aktien angelegt, dagegen 39,2 Prozent in laufenden Konten, Spar- und Termineinlagen. Offenbar halten sie solche Einlagen - wie auch ihre bei Versicherern deponierten Anlagen, die 38,2 Prozent des Geldvermögens aller Deutschen ausmachen - für sicherer als Aktien. Und das wohl nur aus einem Grund: Weil Zinsen auf Konten täglich messbar und das in Konten investierte Geld stets liquidierbar ist, womit sie Sicherheit suggerieren. Dagegen schwanken Aktienkurse täglich, stündlich, minütlich und manchmal sogar in Millisekunden (aber immerhin sind Aktien liquidierbar). Am schlimmsten ergeht es den Anlegern, die ihr Geld bei Versicherern investiert haben. Denn es ist nicht täglich messbar, nur mit hohen Abschlägen liquidierbar, und obendrein lässt die Ausbeute in Form von immer geringer werdenden Ablaufleistungen wegen des niedrigen Zinsniveaus zu wünschen übrig.

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Ein Konto für Schnäppchenkäufe

Fazit: Niedrig-, Null- und Negativzinsen haben kaum etwas am Sparverhalten der Deutschen geändert. Ihre Welt sind, sieht man von Immobilien ab, überwiegend Geldwerte mit derzeit miserabler Verzinsung. Ein Umschwenken in Richtung Aktien erscheint unmöglich. Schlagender Beweis: Das Deutsche Aktieninstitut hat es in 61 Jahren seines Bestehens nicht geschafft, so etwas wie eine Aktienkultur zu etablieren. Anleger, die mit Aktien Geld verdienen wollen, sind auf sich gestellt. Am besten, sie nutzen die Börsenzyklen aus. Die sprechen aktuell nicht gerade für langfristige Engagements, sondern nur für spekulative Spiele auf Zeit. Insofern ist Geld auf dem Konto – vorausgesetzt, es wirft wenigstens Minizinsen ab – eine gar nicht mal so schlechte Alternative. Denn es kann bei passender Gelegenheit, nachdem die Aktienkurse mal wieder gefallen sind, für Schnäppchenkäufe eingesetzt werden.

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