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Gbureks Geld-Geklimper

Währungsexperimente gehen weiter

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Staatsanleihen haben ihre beste Zeit längst hinter sich, das Euro-Schicksal steht in den Sternen. Anleger brauchen jetzt starke Nerven.

Euro-Münze Quelle: dpa

Das Euro-Experiment ist ohne Vorbild. Seine Konsequenzen sind in keiner Weise absehbar, wie allein schon das neuerliche Herummäkeln des Internationalen Währungsfonds (IWF) an der deutschen Wirtschafts- und Währungspolitik, der Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl und die auf Emotionen beruhenden griechischen Sticheleien zeigen. Doch so zu tun, als würde das Experiment dramatischer enden als andere Ereignisse in der Währungsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte, ist fehl am Platz.

Auch früher, etwa aus Anlass der ersten D-Mark-Aufwertung im März 1961 oder nach der Weigerung der USA vom August 1971, anderen Ländern weiterhin Dollar gegen Gold abzunehmen, sahen die meisten Kommentatoren die Geld-Welt untergehen. Aber sie ging nicht unter, sondern ließ immer wieder genug Spielraum für neue Währungsexperimente.

Das sind die Schuldenkönige Europas
A general view of the old town of Tallinn, Estonia Quelle: AP
Speaker of the Parliament of Finland Eero Heinaluoma,president-elected Sauli Niinisto, president Tarja Halonen Quelle: dapd
LuxemburgDer kleinste Flächenstaat der Welt hat 2011 nur 0,6 Prozent des BIPs an neuen Schulden aufgenommen. In Euro macht das putzige 253 Millionen Euro. Genauso hoch wie Luxemburgs Neuverschuldung war das operative Ergebnis der VW-Tochter MAN im ersten Quartal 2012. Quelle: dpa
Ein Aufkleber mit der Aufschrift «Made in Germany» und dem EU Symbol klebt auf einem Solarkollektor Quelle: dpa
View of the new embassy of Malta in Berlin Quelle: AP
Blick auf das hell erleuchtete Riesenrad im Prater in Wien Quelle: dpa
Europäische Länder-Flaggen hängen schlaff vor dem Europäischen Parlament in Brüssel, Belgien Quelle: dpa


So wird es auch dieses Mal kommen, wobei die verschiedenen Möglichkeiten breit gefächert sind und sich vom – zunächst wahrscheinlichen - Kurieren an den Schulden-Symptomen bis zur – fürs Erste unwahrscheinlichen – Währungsreform erstrecken. Und während der IWF zur Hochform auflaufen wird, dürften die Nerven der Anleger arg strapaziert werden: wie zuletzt durch Spekulationen gegen den Euro und aus unerfindlichen Gründen sogar gegen das Gold, nachdem die Franzosen sozialistisch gewählt haben, durch immer weiter auseinander klaffende Renditen der Anleihen von Euro-Ländern und durch Schwankungen der Aktienkurse, wie wir sie seit einem Dreivierteljahr nicht mehr erlebt haben.

Spanisches Glücksspiel

In so einem Szenario wirken Appelle an die Sparsamkeit der Euro-Länder mit dem Ziel, die Stabilitätskriterien des Maastricht-Vertrags und seiner Nachfolgeregelungen einzuhalten, zwar besonders lächerlich. Die dummen Sprüche der in Europa allseits vertretenen Umverteiler sind allerdings nicht nur lächerlich, sondern auch gefährlich. Denn deren Vorliebe für Verstaatlichungen, Streiks und Shows, mit denen sie relativ wenige Spitzenmanager an den Pranger stellen, wird sich im Endeffekt gegen den Großteil der arbeitenden Bevölkerung richten. Die wird trotzdem europaweit solche Politiker wählen, die ihr nicht Sparsamkeit abverlangen, sondern Wohlstand versprechen.

Doch wie kommt es, dass ausgerechnet im derzeit von der Wirtschaftskrise besonders stark betroffenen Krisenland Spanien die konservative Regierung unter Premier Rajoy das Sagen hat? Ganz einfach: Weil die Spanier mehrheitlich glauben, dass die extrem hohe Arbeitslosigkeit nicht mehr erfolgreich von einer linken Regierung bekämpft werden kann. Rajoy muss indes schon wieder Federn lassen: Statt für das laufende Fiskaljahr den versprochenen Sparhaushalt vorzulegen, lässt er die Ausgaben alles in allem um sechs Prozent steigen, darunter einen ganz dicken Brocken an Zinsen. Dafür gibt es kräftige Abstriche bei den öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur. Unter solchen Umständen spanische Staatsanleihen zu kaufen, gleicht einem Glücksspiel.

Keine Staatsanleihen kaufen

Eine in diesem Zusammenhang besonders interessante Frage ist: Finden die Staatsanleihen der Euro-Länder in Bezug auf ihre Renditen wieder zu einem Gleichgewicht zurück, wie es bis 2007 vorgeherrscht hat? Klare Antwort: nein. Denn das damalige Gleichgewicht fand bei Minirenditen statt. Die gelten heute nur noch für Deutschland, Luxemburg, Finnland und mit Abstrichen für die Niederlande. Dagegen geht die Renditeschere sehr weit auseinander, wenn man sie mit den Sätzen vergleicht, die von Spanien und den anderen Mittelmeer-Anrainern einschließlich Portugal und Irland zu zahlen sind.

Nationalisten schwimmen auf der Euro-Welle
„Die EU ist ein impotentes Imperium, das Frankreich ausgeplündert hat.“Frankreich steht vor ungemütlichen Wochen. Der rechtspopulistische Front Nation von Parteichefin Marine Le Pen ist Umfragen zufolge die derzeit populärste Partei in Frankreich. Nach Siegen bei Regionalwahlen hoffen die Euro- und Europa-Kritiker nun, auch bei der Europawahl im kommenden Jahr punkten zu können. Aggressiver als alle anderen Politiker hat Le Pen die Ängste vor der Globalisierung und vor den Folgen der Krise verdichtet: An allem sei die EU und die Banken schuld, in deren Auftrag die europäischen Funktionäre handelten. Le Pen will Europa zerschlagen, damit Frankreich wieder Herr im eigenen Hause ist. Quelle: REUTERS
"Ich beuge mich nicht dem Diktat unnützer Forderungen aus Brüssel"Die Regierungskoalition in den Niederlanden ist Ende April 2012 zerbrochen, weil sich Geert Wilders - der die europafreundliche Minderheitsregierung von Mark Rutte duldete - nicht länger dem "Spardiktat" und "unnützen Forderungen" aus Brüssel beugen wollte. Wilders Partei verlor daraufhin bei den Parlamentswahlen deutlich an Stimmen. Nun hofft Wilders bei den Europawahlen 2014 punkten zu können. Quelle: REUTERS
„Wir sagen Nein zu allem. Wir sind für den Umsturz“Schuldendesaster und Rezession bewegen immer wieder griechische Politiker zu scharfen Tönen gegenüber der Europäischen Union. Die Regierung von Antonis Samaras ist derzeit zwar stabil, doch keiner weiß, ob bei einer Zuspitzung der Krise die radikalen Kräfte ein Comeback feiern können. Offen europafeindlich geben sich die stalinistischen griechischen Kommunisten (KKE). „Wir sagen Nein zu allem. Wir sind für den Umsturz“, sagte KKE-Generalsekretärin Aleka Papariga (Foto). Quelle: Handelsblatt Online
„Wir sollten erwägen, mit möglichst geringem Schaden die Euro-Zone zu verlassen“Nur knapp bei den letzten Wahlen musste sich Kabarettist Beppe Grillo geschlagen geben. Aufgegeben hat er längst nicht. Er macht lautstarke Opposition. Gegen die Regierung und gegen die Europäische Union. Quelle: AP
"Deutschland und Frankreich zwingen der EU ihre rigorose Sparpolitik auf"Die Schuldenkrise und der Sparkurs waren die Hauptgründe dafür, dass die Spanien im November 2011 die sozialistische Regierung abwählten und der konservativen Partido Popular das beste Ergebnis ihrer Geschichte bescherten. Doch ihr Stimmenanteil ist in Umfragen von 45 Prozent auf inzwischen rund 38 Prozent geschrumpft. Premier Mariano Rajoy (im Bild) bekommt den Unmut der Wähler zu spüren. Vor allem die Arbeitsmarktreform mit der Lockerung des Kündigungsschutzes oder die jüngsten Einsparungen im Gesundheits- und Bildungssystem lassen seine Zustimmungswerte sinken. Quelle: REUTERS


Renditen von Staatsanleihen sind untrügliche Indikatoren für das Wohlergehen einer Volkswirtschaft. Demnach müsste es Deutschland besonders gut gehen – theoretisch, wenn da nur nicht die kränkelnden Euro-Länder wären, denen Deutschland helfen wird. Es mag unter diesen Umständen spekulativ reizvoll sein, im Hinblick auf ihre hohen Renditen spanische, italienische oder sonstige hoch rentierlichen Staatsanleihen zu kaufen. Doch das würde voraussetzen, dass deren Zinsen nebst Tilgung bis zum Ende der Laufzeit bedient werden, notfalls mit deutscher Hilfe – nicht gerade eine Sicherheitsgarantie.

Gut, aber nichts für schwache Nerven

Als der Euro etabliert wurde, war viel von Konvergenz die Rede. Unter den hier geschilderten Umständen noch heute davon zu sprechen oder zu träumen, verbietet sich von selbst. Oder wie eingangs erwähnt: Neue Währungsexperimente werden kommen und den Euro in seiner jetzigen Ausprägung ablösen. Die Unruhe wird dann anfangs groß sein, sich aber bald wieder legen.

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Für Anleger bleibt das hier schon mehrfach genannte Fazit: Einen weiten Bogen um Staatsanleihen machen und das Geld stattdessen lieber auf die selbst genutzte Immobilie, auf eine Auswahl an Aktien und Gold einschließlich Silber verteilen. Auch die zuletzt in Mode gekommenen Unternehmensanleihen können einen Einsatz wert sein, vorausgesetzt, sie verfügen über ein gutes Rating und haben einen genügend breiten Markt, der allerdings in der Regel von Banken und nicht von privaten Anlegern dominiert wird. Die zuletzt wieder stärkeren Schwankungen der Aktienkurse und Edelmetallpreise sind zugegebenermaßen nichts für schwache Nerven – aber immer noch erträglicher als die Schwindsucht der meisten Staatsanleihen.

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