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Gbureks Geld-Geklimper

Warum Anleger es leichter haben als Notenbankchefs

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die einen brauchen nur die eigenen Ziele zu verfolgen, die anderen können es niemandem recht machen. Anleger, die spekulativ vorgehen, können am Ende nur gewinnen.

Wo das Geld jetzt sicher ist
Bargeld Quelle: Sebastian_Wolf
Goldbarren und -münzenDas Edelmetall ist die Notfallreserve außerhalb des Finanzsystems schlechthin. Wer mit dem Schlimmsten rechnet, hofft, dass er kleinere Goldmünzen gegen Lebensmittel oder Medikamente tauschen kann, wenn Banken ihn nicht mehr mit Bargeld versorgen. Verwahren Anleger ihr Gold allerdings im Bankschließfach, kann es nach einer Bankpleite dauern, bis sie Zugriff bekommen. In Krisenzeiten fällt der Goldpreis mitunter. Großanleger wie Hedgefonds müssen ihren Goldbestand verkaufen, um flüchtende Anleger auszuzahlen. Da in Panikphasen andere Anlagen wie Aktien oder Anleihen stark an Wert verlieren oder illiquide werden, ist Gold dann eine der wenigen Anlagen, die sie noch zu Geld machen können. Quelle: dpa
Spareinlagen: Sparkassen/VolksbankenIhren Kunden versprechen Sparkassen, Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken, dass sie Pleiten der zu ihrer jeweiligen Gruppe gehörenden Institute im Vorfeld verhindern. Meist geschieht das über Fusionen von schwachen mit stärkeren Mitgliedern. Kommt es zu keiner Pleite, muss auch kein Geld gerettet werden. Dadurch sollen auch Zertifikate und Anleihen vor einem Totalverlust sicher sein. Das ist ein Unterschied zu anderen Einlagensicherungssystemen. Die Solidarität funktionierte bislang, könnte aber bei der Schieflage großer Institute überstrapaziert werden. Quelle: dpa
Fresenius Quelle: Pressebild
Deutsche Börse Quelle: dapd
Investmentfonds Quelle: Wolfgang - S - Fotolia
Sparschwein Quelle: Edel Rodriguez

Wenn Börsianer wie in dieser Woche wieder gebannt jede Lippenbewegung der Notenbankchefs Mario Draghi und Ben Bernanke verfolgen, sollten Sie sich diese beiden Sätze des Mathematikers und Ökonomen Benoit B. Mandelbrot einprägen: „Das Finanzwesen befindet sich heute in dem primitiven Zustand, der die Naturgeschichte vor drei Jahrhunderten kennzeichnete. Ihre Begriffe und Werkzeuge sind beschränkt.“ Zum selben Thema sagt der Erfolgsautor Rolf Dobelli noch kritischer: „Notenbanker und Wirtschaftsminister spielen auf einer ganzen Klaviatur von Placeboknöpfen. Dass die Knöpfe nicht funktionieren, sieht man seit 20 Jahren in Japan und seit einigen Jahren in den USA. Und doch lassen wir den Wirtschaftslenkern die Illusion – und sie uns.“

Moment mal, die Herrscher des Geldes hinken drei Jahrhunderte hinterher und spielen mit Placebos, um wie viel schlimmer muss es da den Anlegern ergehen, deren Geldgeschäfte – wie man uns immer wieder einreden will – angeblich so sehr von den Handlungen der Spieler abhängen? Eine typische Fehlinterpretation! Denn im Gegensatz zu Anlegern sind die Chefs von Notenbanken und Regierungen mit ihren Aufgaben total überfordert: Abgesehen davon, dass sie untereinander so gut wie nie einig sind, müssen sie es Unternehmern und Verbrauchern, Bankern und Kreditnehmern, Lobbyisten, Wählern und je nach Bedarf auch vielen weiteren Zielgruppen mit zum Teil gegensätzlichen Interessen recht machen. Demgegenüber brauchen Anleger nur abzuwägen, ob, in welcher Höhe und wann sie ihr Erspartes in Tagesgeld, Anleihen, Aktien, Edelmetalle oder gegebenenfalls in die eigenen vier Wände investieren oder ob sie es konsumieren sollen.

Greenspans nichtssagende Show

Im Lauf der vergangenen Jahrzehnte hat sich um das Thema Geld und Börse etwas herausgebildet, was man mit sehr viel Phantasie und noch mehr an gutem Willen als neue Geldkultur bezeichnen könnte, realistischerweise jedoch lieber als überflüssiges Beiwerk abstempeln sollte. Erinnert sei nur an die große Show, die Alan Greenspan, der frühere Chef der US-Notenbank Fed, immer dann besonders gern abzog, wenn er nichts zu sagen hatte. Die Anleger hingen an seinen Lippen, obwohl er kaum etwas dafür konnte, dass die Konjunktur während seiner Amtszeit gut lief. Es war die Zeit der Kreditverbriefungen, der Derivate und sonstigen undurchsichtigen Geldinstrumente.

Diese Zeit ist noch nicht zu Ende; sie wurde lediglich 2007/08, zu Beginn der seit über sechs Jahren anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise, und dann noch einmal aus Anlass der 2010 einsetzenden Eurokrise unterbrochen. Beide Krisen sind längst nicht ausgestanden. Ihr Ende ist kaum abzusehen, weil es immer noch marode Banken, Billionen an uneinbringbaren Forderungen in Euro, Dollar, Pfund Yen und Schweizer Franken gibt, darüber hinaus Rettungstöpfe zugunsten südeuropäischer Euroländer und millionenfach Derivate, deren Funktionsweise nicht einmal Banker verstehen.

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