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Gbureks Geld-Geklimper

Welche Folgen das Gold-Referendum für Anleger hat

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die Schweiz entscheidet am kommenden Sonntag über ihr Gold. Was noch bis vor Kurzem eher als Randnotiz durchgegangen wäre, entwickelt sich zum Härtetest für unser ganzes Geldsystem.

Erlaubt wären bis zu 120 Tonnen. Die Bundesbank verfügt nach eigenen Angaben über Goldreserven von 3425 Tonnen im Wert von rund 36,8 Milliarden Euro und unterliegt nicht den Weisungen der Politik. Quelle: dpa/dpaweb

Die Finanzwelt richtet mal wieder alle Augen auf die Schweiz. Aus guten Gründen, denn was ein kleiner, aber offenbar einflussreicher Teil der Eidgenossen initiiert hat und was sich dramatisch auf die Finanzmärkte auswirken kann, bringt nicht nur die ganze Schweiz ins Schwitzen, sondern auch die Chefs aller großen Zentralbanken, Regierungen und Institutionen, wie Internationaler Währungsfonds und Weltbank: Am kommenden Sonntag entscheiden die Schweizer Bürger über das Gold-Referendum.

Dahinter verbirgt sich die Aufforderung an die Schweizerische Nationalbank (SNB), den Franken mit 20 Prozent Goldanteil an den SNB-Aktiva zu unterlegen und kein Gold mehr zu verkaufen. Da die aktuelle Golddeckung nur rund 7,5 Prozent beträgt, würden die Finanzmärkte das Referendum im Erfolgsfall als Misstrauensvotum gegen das auf dem sogenannten Papiergeld basierende Finanzsystem interpretieren, heftige Börsenturbulenzen inbegriffen.

Die Länder mit den größten Goldreserven
Platz 10: Indien Quelle: REUTERS
Platz 9: Die Niederlande Quelle: REUTERS
Platz 8: Japan Quelle: REUTERS
Platz 6: Schweiz Quelle: AP
Platz 7: Russland Quelle: dpa-tmn
Platz 5: China Quelle: dapd
Platz 4: Frankreich Quelle: dapd

Und im Fall des Misserfolgs? Dann ginge es zwar weniger turbulent zu, aber die Unruhe bliebe unterschwellig erhalten und könnte sich schon bald aufs Neue bemerkbar machen. Denn was die Geldpolitiker der führenden Zentralbanken derzeit betreten, ist Neuland aller Art, verbunden mit dem perversen Wunsch, die Inflation solle doch bitteschön so schnell wie möglich um sich greifen.

Ein Schuss vor den Bug zur rechten Zeit

Ansonsten sei man gezwungen, die ganze Welt mit Negativzinsen zu bestrafen. Wie aus gut informierten Kreisen zu erfahren ist, hat die amerikanische Fed die wilden Aufkäufe von Anleihen nur vorübergehend gestoppt. Die EZB ist gerade dabei, solche Aufkäufe in noch größerem Umfang als bislang zu realisieren. Und die Bank of Japan wird nicht müde, verzweifelt mit riesigen Summen von aus dem Nichts geschöpftem Geld um sich zu werfen.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Was hat das wiederum mit dem Schweizer Gold-Referendum zu tun? Ziemlich viel: Hierbei geht es ja nicht etwa um einen Schabernak, den sich das nach häufiger Lesart der Angelsachsen aus verknöcherten Gnomen bestehende Bergvolk mit der großen weiten Finanzwelt machen will, sondern um einen Schuss vor den Bug der Papiergeld-Fanatiker. Denn unabhängig vom Ausgang des Referendums werden sich bald immer mehr von Negativzinsen betroffene Anleger und Unternehmer die Frage stellen, um welch ein verrücktes Geldsystem es da geht, das sie für ihre Ersparnisse bestraft und obendrein die Inflation herbeisehnt. Ist das Vertrauen in das System erst einmal angeknackst, kann es schnell in allgemeines Misstrauen umschlagen.

Die Spekulanten freuen sich schon


Diesbezüglich schließt sich der Kreis zur SNB: Sie wird nicht müde, zu betonen, wie wenig sie von dem Referendum hält. Klar, denn sie müsste, falls es durchgesetzt würde, zur Unterlegung des Franken mit Gold zusätzlich zu ihrem jetzigen Bestand an die 1860 Tonnen hinzukaufen - auch im Fall der Streckung der Käufe über fünf Jahre, wie dann vorgesehen, ein ziemlich dicker und zudem preistreibender Brocken.

Nimmt man die SNB-Bilanz während eines längeren Zeitraums unter die Lupe, fällt auf, dass der Euro heute schon etwa 45 Prozent der Aktiva ausmacht, Tendenz immer noch steigend. Das ist ein Klumpenrisiko, das den Vorteil der künstlichen Euro-Aufwertung durch die SNB aus lauter Rücksicht auf Schweizer Exporte in den Euroraum mehr als aufwiegt.

Sieben ästhetische Gold- und Edelmetall-Investments
SchmuckDie wahrscheinlich älteste und auch am weitesten verbreitete Art, in Gold zu investieren, ist in Schmuckform. Wer seine alten Ringe und Ketten zu Gold machen möchte, hat bei zahlreichen Juwelieren und Goldhändlern die Möglichkeit, seine Wertsachen aufwiegen und schätzen zu lassen. Das Geld gibt es zumeist bar oder per Scheck. Foto: pro aurum Quelle: Presse
BarrenWer sich sein Gold nicht um den Hals legt oder es in Form von Zahngold im Mund mit sich führt, der kann bei Goldhändlern und Banken Edelmetallbarren aus Gold, Silber, Platin oder Palladium kaufen. Bis zu einem Wert von 15.000 Euro erfolgt der Kauf anonym, darüber hinaus sind Banken, Sparkassen und Edelmetallhändler dazu verpflichtet, die Käuferpersonalien zu registrieren. Foto: pro arum Quelle: Presse
TafelbarrenDie Edelmetall-Service GmbH (ESG) bietet seit rund vier Jahren Barren zum Abbrechen an. Wie bei einer Tafel Schokolade lassen sich von 50 oder 100 Gramm schweren Barren kleine Stücke mit einem Gewicht von einem Gramm einfach abbrechen. Die ESG hat sich ihre Edelmetall-Investment Erfindung 2010 patentieren lassen: Gold-, Silber-, Platin- und Palladiumtafeln werden in der Schweiz bei Valcambi, dem größten Goldbarrenhersteller der Welt, produziert und inzwischen weltweit vertrieben. Bereits kurz nach der Markteinführung waren CombiBars rund um den Globus ein Standardprodukt wie Goldbarren oder Goldmünzen. In Deutschland erfolgt der Vertrieb des ESG-Produktes neben dem Edelmetallhandel auch über Sparkassen. Foto: Edelmetall-Service GmbH & Co. KG Quelle: Presse
Verschiedene MünzformenDer Handel mit Goldmünzen besteht aus vier Bereichen: Den Bullion Goldmünzen, die nur für die Geldanlage geprägt werden und quasi das Pendant zum Goldbarren darstellen. Dazu gehören beispielsweise der Krügerrand oder der kanadische Maple Leaf. Gedenkgoldmünzensind oft limitierte Goldmünzen, die als Sonderprägung zu Jubiläen oder Sammelserien ausgegeben werden. Dann gibt es noch die alten Umlaufgoldmünzen, die tatsächlich einmal als Zahlungsmittel dienten wie die britischen Sovereigns oder die Schweizer Goldvreneli. Den vierten Bereich machen die numismatischen Sammlermünzen aus, die beispielsweise von Münzauktionshäusern vertrieben werden. Foto: pro aurum Quelle: Presse
SammlermünzenSo gibt beispielsweise die australische Münzprägeanstalt Perth Mint jedes Jahr die Lunar-Sammlermünzen in Gold, Silber und Platin heraus. Aber auch die Bundesregierung wartet regelmäßig mit neuen, wertvollen Münzen auf. Foto: pro aurum Quelle: Presse
Die australische Münzprägeanstalt Perth Mint folgt bei ihren Sammlermünzen dem chinesischen Kalender. 2014 ist das Jahr des Pferdes, weshalb die neue Serie sich ganz dem Thema Pferd widmet. Die hier dargestellte Münze hat einen Goldgehalt von 99,99 Prozent und ist limitiert. Erhältlich ist sie in drei Größen: Die Zehntelunze kostet 182,79 Euro, die Viertelunze 424,87 Euro und die Unze 1.647,50 Euro. In der nicht-colorierten Version ist die Münze auch im Dreier-Set erhältlich - kostet dann aber stolze 2.255 Euro. Zur Münze dazu gibt es ein Echtheitszertifikat. Erhältlich ist sie ab Oktober 2014 und bestellt werden kann sie hier. Bild: Perth Mint Quelle: Presse
MünztafelnAuch die Münze, ebenfalls ein beliebtes Sammler- und Anlageobjekt, stellt die ESG seit 2012 im CombiBar-Verfahren her. Statt der üblichen Münze kaufen Anleger also Münztafeln aus Feinsilber - mit offizieller Münzzulassung auf den Cook Islands. Foto: pro aurum Quelle: Presse

Dieses Risiko lässt sich nicht so einfach von heute auf morgen aus der Welt schaffen. Und es wird im Lauf der Zeit immer größer, weil Hedgefonds und andere spekulative Kreise begierig darauf warten, dass die SNB die Euro-Stützung zugunsten der exportstarken Schweizer Konzerne aufgibt – eine naheliegende Spekulation. Den Euro einfach auf 1,20 Franken je Euro festzunageln, ist jedenfalls keine probate Methode, um im Zeitalter flexibler Wechselkurse erfolgreich Währungspolitik zu betreiben.

Doch mal angenommen, das Gold-Referendum scheitere, weil die Gegenkräfte mitsamt ihrer Propaganda zu gewaltig sind. Können wir uns dann wieder genüsslich zurücklehnen und einfach nur beobachten, wie die Zentralbanken ihr Werk zugunsten von mehr Inflation und noch mehr negativen Zinsen weiter verrichten? Bestimmt nicht. Eher sollten wir uns auf die Entwicklung des Goldpreises konzentrieren, denn er könnte dann ja noch einmal günstige Einstiegschancen bieten – vorausgesetzt, die Anti-Gold-Propaganda wirkt, was allerdings eher auf die breite Masse der Anleger als auf die aufgeklärten Beobachter des Geschehens zutreffen dürfte.

Wie Anleger die Geldanlage Gold beurteilen

Gold-Befürworter werden einfach zu Spinnern erklärt

Regierungen und Zentralbanken unternehmen alles, um mit Geld aus dem Nichts die Wirtschaft am Laufen und ihre Bürger bei Laune zu halten, um Kriege zu finanzieren oder – wie die Schweiz - zumindest dafür zu sorgen, dass genug Kriegsgerät zum Einsatz kommt. Hehre Gedanken wie die der Initiatoren des Gold-Referendums haben da keinen Platz. Folglich werden diese Initiatoren mithilfe der Mainstream-Medien einfach zu Spinnern erklärt. Ähnliches blüht den Befürwortern der These, wonach ein Anteil von 10 Prozent Gold am Gesamtvermögen als Versicherung für den Fall eines Finanzkollaps sinnvoll erscheint.
Wie der mehr als zehnjährige Anstieg des Goldpreises von 2001 bis 2011 gezeigt hat, gibt es in bestimmten Zeitabschnitten gegenläufige Entwicklungen von Gold und Aktien (wie zwischen 2001 und 2003 und besonders markant von 2011 bis heute), zu anderen Zeiten jedoch gleichlaufende (wie zwischen 2003 und 2007 und dann nochmals von 2008 bis 2011).

Daraus für die kommende Entwicklung genaue Schlüsse zu ziehen, ist zwar nicht möglich, aber eines steht fest: Das Finanzsystem ist so marode, dass bereits die Gold-Initiative der kleinen Schweiz zumindest in Insiderkreisen eine große Wirkung entfaltet und Gegenmaßnahmen provoziert. Es bietet sich also an, den Goldanteil am Gesamtvermögen gegebenenfalls sogar über 10 Prozent hinaus zu erhöhen, ganz gleich, wohin die Aktienkurse sich bewegen.

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