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Gbureks Geld-Geklimper

Zahlmeister Deutschland erlebt Anleihencrash

Manfred Gburek Freier Finanzjournalist

Die Märkte signalisieren, dass Deutschland sich den schwachen Euroländern anpassen muss, nicht umgekehrt. Anleger sollten schon jetzt die Konsequenzen ziehen.

Euro-Münzen auf einer Deutschland-Flagge Quelle: dpa

Ein Satz wie in Stein gemeißelt - so scheint es jedenfalls: "Der Euro ist irreversibel." Der Satz steht im August-Monatsbericht der Europäischen Zentralbank auf Seite 5. In Wahrheit ist er eine einzige Trotzreaktion auf die hohen Anleihezinsen, die Italien, Spanien & Co. wegen Misswirtschaft zahlen müssen. Heißt es doch unmittelbar davor: "Risikoprämien, die mit Befürchtungen hinsichtlich der Reversibilität des Euro im Zusammenhang stehen, sind inakzeptabel, und es muss ihnen grundlegend begegnet werden." Das soll so viel bedeuten wie: Wenn die Märkte die fraglichen Anleihen für zu riskant halten, will die EZB ihnen das Gegenteil beweisen.

Doch die Märkte senden unmissverständliche Signale aus, nicht nur durch hohe Risikoprämien für Anleihen der sogenannten "Club Med"-Schuldensünder, sondern auch, indem sie die Kurse deutscher Bundesanleihen nach unten befördern. Letzteres ist deutlich an der jüngsten Entwicklung des Bund Future zu erkennen, des Terminkontrakts auf langlaufende Bundesanleihen, der in der Spitze noch vor wenigen Wochen über 146 Euro notierte und am Mittwoch weit unter 142 Euro regelrecht zusammengekracht ist.

Nicht auszudenken, sollte er weiter fallen und damit signalisieren, dass die deutschen Anleihezinsen sich den italienischen und spanischen nähern. Dann hätten die Märkte das bestätigt, was deutsche Steuerzahler schon lange befürchten: Deutschland als Zahlmeister des Euroraums.

Lieber Tagesgeld als Anleihen

Die Konsequenzen für Anleger liegen auf der Hand: Langlaufende Anleihen im Allgemeinen, neben Bundesanleihen also auch Unternehmens- und sonstige Anleihen, weitgehend meiden. Das gilt erst recht für so manche dubiosen Hochprozenter, die derzeit stark beworben werden; sie beruhen zum Teil auf einem sogenannten Schneeballsystem, das heißt, die hohen Ausschüttungen an Altanleger stammen aus den Einzahlungen der Neuanleger. Die aktuell sinnvollste Alternative zu Anleihen besteht im Tagesgeld bei Banken, am besten solchen, für die neben der gesetzlichen Einlagensicherung auch die eines Verbands einsteht, etwa des Bundesverbands deutscher Banken (Internet: bdb.de).

Tagesgeldzinsen passen sich in der Regel zeitlich etwas verzögert dem - in diesem Fall steigenden - Zinsniveau des Kapitalmarktes an. Das mag für Anleger nur ein schwacher Trost sein, zumal einige Banken ihre Angebote in letzter Zeit noch einmal zurückgenommen haben. Doch Tagesgeld hat ja nicht nur die Funktion, Zinsen zu generieren, sondern auch eine Liquiditätsreserve zu bilden, zum Beispiel für den Kauf von Aktien, Gold und Silber.

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