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Geldanlage 2017 Beim Anleger-Smalltalk mitreden

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Gold glänzt wieder

Gold läuft nicht an wie Silber. Die Barren und Unzen verlieren ihren Glanz nicht. Der Satz „Gold glänzt wieder“ ist eher ein Stoßseufzer, wenn der Goldpreis mal wieder steigt. Doch meistens sind die Erholungsphasen des Goldpreises in den vergangenen Jahren schnell wieder verpufft. Und so haben Anleger auch in diesem Jahr wieder eine erstaunliche Rallye des Edelmetalls erlebt, die aber ebenso abrupt endete wie sie begonnen hatte. Nach dem starken Anstieg im ersten Halbjahr bis zum Brexit-Votum ging es ab August mit dem Goldpreis abwärts.

Nach dem Zwischenhoch in diesem Jahr von 1375 Euro und einem Plus von 29 Prozent seit Jahresbeginn rutschte der Preis auf aktuell 1141 US-Dollar ab. Unterm Strich bleibt Anlegern aus dem Euroland noch ein Plus von elf Prozent. Eine übertriebene Entwicklung ist das nicht. Goldpreis und Minenaktienkurse sind noch immer weit entfernt vom Allzeithoch aus 2011. Damals wurden für eine Feinunze 1900 US-Dollar gezahlt. Fondsmanager von Minenfonds und Analysten gingen nach der Erholung in diesem Jahr eigentlich von einem weiterhin anhaltenden drei- bis fünfjährigen Aufwärtszyklus aus.

Meilensteine des Goldpreises

Verdient hätten die Anleger den, denn sie hatten in den vergangenen Jahren hohe Verluste. Sowohl niedrige Zinsen als auch aufkeimende Inflationsangst oder politische Unsicherheit sprächen für Goldinvestments, meinten viele Experten und riefen schon eine neue Hausse aus. Nach jahrelanger Kostensenkung und Bilanzsanierung böten viele Goldminen ein Investment mit soliden Cashflows, verbesserter Kapitalrendite und mehr Kontrolle. Manche seien nicht einmal mehr auf einen steigenden Goldpreis angewiesen, um ihren Wert zu erhöhen. Doch jetzt – zum Jahresende – bleibt von der Euphorie wenig übrig.

Je stärker der US-Dollar wurde, desto mehr verlor der Goldpreis. Weil Gold keine Zinsen abwirft, leidet der Kurs unter den Zinserhöhungen in den USA. Andererseits: Gold gilt als Substanzwert und als Schutz vor einem Wertverzehr durch stärker steigende Inflationsraten. Und von Krisen profitiert der Goldpreis meist ebenfalls. Anleger müssten sich aber ebenso wie bei Aktien auf stark schwankende Kurse einstellen, meint Ernst Konrad, beim Vermögensverwalter Eyb&Wallwitz zuständig für die Anlagestrategie. Es ist also gut möglich, dass der Preis für eine Unze Feingold in einem Umfeld leicht steigender Zinsen sogar noch einmal Tiefstkurse um 1050 Dollar auslotet. Dann wäre das Edelmetall allerdings wieder ein Kauf.

Dividenden sind die neuen Zinsen

Es klingt salopp und flexibel: Belgrad ist das neue Berlin, Filz ist das neue Leder. Wer also hip sein will und keine Zinsen mehr von seiner Bank bekommt, der versucht es mit Dividenden. Das kann auch 2017 nicht schaden und ist nicht schwer. Für die Aktie der Daimler AG zahlen Aktionäre aktuell 70,98 Euro und damit knapp das Neunfache des Jahresgewinns. Bezogen auf den Kurs entspricht die erwartete Dividende für das Jahr 2016 einer Rendite von 4,6 Prozent. Also weit mehr, als ein Anleger mit sicheren Zinsanlagen erzielen könnte. Die Deutsche Asset Management Investment (besser bekannt als DWS) erwartet für den Deutschen Aktienindex Dax 2017 ein Plus von insgesamt 5,8 Prozent. Dividenden sollen an diesem Plus einen Anteil von 55 Prozent haben und Kursgewinne nur für 45 Prozent des gesamten Anlageerfolges sorgen. Üblicherweise haben die Dividenden der 30 Dax-Aktien in den vergangenen fünf Jahren einen Anteil von einem Viertel am gesamten Anlageerfolg ausgemacht. Sollten die Aktienkurse 2017 allerdings weniger stark steigen, nimmt die Bedeutung der Dividende zu.

Wer den Aktienkurs allerdings ständig im Blick behält, braucht gute Nerven. Tages-Kursverluste in Höhe der Dividendenrendite sind möglich. Da die Autobranche aktuell vor großen Herausforderungen steht, weil sie viel Geld in den Bau von sauberen Antrieben stecken muss, können die Kurse zweitweise stark unter Druck geraten. Sehr teuer sind die Aktien nicht, was dafür spricht, dass die Kurse mittel- und langfristig steigen.
Um Dividenden zu kassieren, muss ein Anleger zunächst bei einer Bank ein Depot eröffnen (Formulare ausdrucken und bei der Post den Identitätscheck machen) und im nächsten Schritt Aktien kaufen. Dadurch wird aus dem Sparer, dem bisher eine Bank Zinsen auf das Tagesgeld versprochen und jährlich gutgeschrieben hat, ein Aktionär. Ihm gehört mit der Aktie ein Teil des Grundkapitals einer Aktiengesellschaft (AG) und er ist damit quasi ein Mitunternehmer, der in guten Zeiten profitiert und in schlechten darben muss. Erzielt die AG einen Gewinn, kann sie einen Teil davon dem Aktionär als Dividende ausschütten, sie muss aber nicht. Manche Unternehmen investieren die Gewinne lieber ins Geschäft.

Andere beteiligen ihre Aktionäre sehr regelmäßig am Erfolg und halten die Dividenden auch dann stabil, wenn der Gewinn mal zurückgehen sollte. Mitunter ist der Aktienkurs dieser Unternehmen in turbulenten Phasen am Aktienmarkt besonders widerstandsfähig, dadurch kommt es zur Analogie zwischen Zinsen und Dividenden. Blake Hutchins ist Fondsmanager des Investec global Quality Equity Income Fund und sucht weltweit nach Unternehmen, denen er eine hohe und verlässliche Ausschüttung zutraut. Schlüssel zum Erfolg sei bei dieser Strategie, dass die Unternehmen stets genug Geld in das zukünftige Geschäftswachstum investierten, denn nur so könnten sie dauerhaft erfolgreich sein und ihre laufenden Einnahmen sichern, sagt Hutchins. 30 bis 40 Unternehmen nimmt er in den Fonds auf, die sich durch stabile Profite, geringe Verschuldung und gutes Wachstum auszeichnen wie etwa der US-IT-Riese Microsoft oder der britische Pharmahersteller GlaxoSmithkline, Kreditkartenunternehmen Visa sowie der Aufzughersteller Kone. Für den Anleger verringert der Mix vieler Unternehmen in dem Fonds das Risiko, sich von ein paar wenigen Aktien abhängig zu machen.

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